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RoboCop Rogue City & die wildesten RoboCop Spiele – Teil 2

Ihr dachtet, mit drei kaputten Ocean-Heimversionen wäre das Leid vorbei? Süß. In Teil 2 unserer Reise durch die RoboCop Spiele wird es erst richtig wild: ein Spiel, in dem die Terminator besser aussehen als in jedem echten Terminator-Spiel, eine “geschminkte Leiche” von 2003, eine Handvoll Fangames – und am Ende endlich das, worauf wir alle gewartet haben. Schnallt euch an.

Mit dabei ist erneut Hendrik vom Filmcast “Für eine Handvoll Popcorn”, der diesmal das Intro machen darf (Gordon-Gunst!) und sich um die Live-Action-Serien sowie den 2014er-Remake kümmert. Tobi und Gordon, unsere beiden ausgebildeten Game Designer, liefern Spiele-Fakten, Flüche und mindestens einen Plan, der eine Tochter zum Weinen bringt. Wer Teil 1 unserer RoboCop-Reihe verpasst hat: dort gibt es die Arcade-, NES- und Ocean-Ära. Hier kommt der Rest.

Bevor wir zu den Knarren kommen, ein kurzer Abstecher ins Wohnzimmer der 80er und 90er – denn RoboCop war nie nur ein Spiel.


RoboCop im Fernsehen: Vom Kindercartoon zum kanadischen Mitternachts-Trash

“Aus allem wurde in den 80ern ein Cartoon gemacht”, sagt Gordon – Police Academy, New Kids on the Block, California Raisins. Warum also nicht aus einem Film ab 18? Die RoboCop: The Animated Series (1988) von Marvel Productions hatte 12 Folgen und war für Tobi als Kind trotzdem “mindblowing”. Der Haken: Murphys Identitätskrise – das Hauptthema der Filme – wurde komplett herausgestrichen. Stattdessen gab es, ganz im Geiste der Reagan-Ära und der FCC-Edutainment-Pflicht, brave Verkehrssicherheits-Moral am Ende jeder Folge. An mehr erinnern sich beide ehrlich gesagt nicht.

Die zweite Serie, RoboCop: Alpha Commando (1998/99), brachte eine neue Partnerin mit – eine CIA-Agentin, die Gordon “attraktiv” fand. Hendrik durchschaut ihn sofort: “Wegen Elisa aus Gargoyles.” Gordon bestätigt lachend. Das führt zu einem herrlichen Sidetrack, in dem Tobi gesteht, Gargoyles gerade erst entdeckt zu haben – und entsetzt ist, dass seine jüngeren Freunde nicht begeistert waren. “Was sind das für Kostverächter?”

Der Tiefpunkt der Cartoon-Logik bleibt aber: ein Film ab 18, aus dem man Actionfiguren mit abnehmbaren Körperteilen und explodierende OCP-Figuren macht. Tobi hatte so eine. Natürlich.

RoboCop: Prime Directives (2001) – zwei RoboCops um zwei Uhr nachts

Hendriks Kernthema: die kanadische TV-Film-Reihe Prime Directives, vier Filme, die zehn Jahre nach Teil 1 in “Delta City” spielen – OCP hat es also tatsächlich geschafft, Detroit umzubauen. Murphys Kollege John T. Cable wird zu “RoboCable” in schwarzer Rüstung. “Natürlich schwarz, damit man sie irgendwann unterscheiden kann”, lacht Gordon – Tobi: “Wie bei Power Rangers.”

Hendriks Urteil als Filmexperte: viel zu lang fürs heutige Pacing, billige Produktion, kein bekannter Hauptdarsteller (Peter Weller ist seit Teil 3 raus, “Drops ist gelutscht”). Dafür jede Menge Verrat und Gegenverrat – jeder Charakter wechselt mindestens einmal die Seite. Gordon hat das damals zufällig nachts auf Kabel 1 erwischt: “Da laufen zwei RoboCops rum, was ist das denn?”


RoboCop vs. The Terminator (1993/94) – wenn der Gast die besseren Terminator hat

Erst der Hintergrund, denn der ist großartig: Das Ganze basiert auf einer vierteiligen Comic-Serie von Dark Horse (1992), geschrieben von Frank Miller, gezeichnet von Walt Simonson. Die Story ist herrlich absurd – Murphys neuronale Schnittstelle bildet die Basis für Skynet, sein Geist wird in der KI-Welt gefangen gehalten, versteckt sich dort, entkommt nach der Apokalypse und baut sich einen neuen Körper, um Skynet zu bekloppen. Inklusive Atomraketen abwehren und ins All fliegen. Gordon hört gebannt zu: “Erzähl mir mehr, Tobi, voll spannend.” Hätte er gerne gelesen.

Mega Drive: Im Stream läuft die Genesis-Fassung – für Tobi die beste Version. “Hat ordentlich Gewalt, spielt sich am flüssigsten.” Gegner explodieren, wie Gordon es nur beschreiben kann: “wie unter Druck stehende Bratschläuche voller roter Farbe”, an anderer Stelle “wie eine überreife Wassermelone”. Gordon plant daraufhin ernsthaft, Wasserbomben mit roter Lebensmittelfarbe zu füllen und sich von seiner Tochter abwerfen zu lassen: “Ich glaube, die fängt tierisch an zu heulen.” Und dann das eigentliche Highlight:

“Was ist das für eine Schande, dass beim RoboCop-Spiel die Terminator besser aussehen als bei allen Terminator-Spielen! Guck dir das mal an, wie geil!”

Gordon

SNES: Kein Blut (Nintendo-Standard), dafür echte Comic-Panels mit Story – näher am Quellmaterial. Gordon kennt nur diese Version und den Trick mit der Spezialwaffe im ersten Level, die man auf keinen Fall verlieren darf, sonst hat man gegen ED-209 keine Chance. Tobi: “Wird super schwer und ist insgesamt nicht so spaßig wie Mega Drive.” Zwei verschiedene Entwicklerteams, zwei Ziele – Arcade-Shooter gegen Story-Treue. Master System ist “dasselbe in grün, aber wesentlich lowtech-iger”, immerhin mit Blut.

Game Boy (1994): “Unfassbar furchtbar.” Schüsse sehen aus “wie Trainings-Laser aus Star Wars”, dazu extremer Lag, lächerliche Grafik und zufällige Gegner wie die “Abwasserspinnen von Detroit”. Niveau der “billigen Simpsons-Versoftungen – wirklich hingerotzt”. Krönung: ein Endgegner, der aussieht “wie ein riesiges Gehirn” beziehungsweise “der größte falsche Hase der Welt”. Gordon: “Das geben die raus?! Das gibt’s ja nicht.”

  • 🏆 Mega Drive = Klassiker – die definitive Version, blutig und flüssig.
  • 👍 SNES = Solide – story-treuer, aber knochenhart und weniger spaßig.
  • 😐 Master System = Mittelmaß – lowtech, aber das Grundprinzip funktioniert.
  • 💩 Game Boy = Finger weg – inakzeptabel.

RoboCop (2003) – die geschminkte Leiche

Der erste 3D-Shooter-Versuch, entwickelt von Titus Interactive für PC, PS2 und Xbox (GameCube angeblich nur in Japan). Tobi findet das treffendste Bild der ganzen Folge:

“Sieht vorne weg irgendwie gut aus, aber dann merkst du Stück für Stück – nee. Geschminkte Leiche.”

Tobi

Die Liste der Sünden ist lang: keinerlei Checkpoints in rund einstündigen Levels – stirbst du im zweiten Level, fängst du von ganz vorne an. Explosionen sind viel zu großflächig und ziehen enorm Schaden, eine Müllpressen-Sequenz killt dich ohne Vorwarnung, und springen kann man nicht (Tobi: “richtige Design-Entscheidung”). Als Gegner gibt es Riesenratten – was Gordon zu seiner großen Detroit-Schädlingstheorie inspiriert: “Detroit hat kein Drogenproblem, Detroit hat ein Spinnenproblem. Die Ratten haben die Spinnen besiegt. Und jetzt haben wir Riesenratten.” Dazu Physik-Bugs, bei denen Mülleimer wie Düsentriebwerke abheben. Grafisch “sieht aus wie 1999, nicht wie 2003” – während Max Payne 2 (2003) und Far Cry (2004) eine andere Liga spielten.

Schade drum, denn das Spiel macht vieles richtig: Verhaftungs-Mechanik, verschiedene Waffen, Bonus-Objectives, Secrets. Gordon zitiert begeistert das Spiel selbst – “Under arrest!” – und alle lachen. Am Ende überwiegt aber der Frust.

💩 Verdict: Finger weg – hat Seele, ist aber zu frustrierend, um es zu empfehlen.


Die Fangames: Eine Trilogie und ein Helden-Crossover

Abseits der offiziellen Lizenzgurken gibt es eine erstaunlich engagierte Fan-Szene. Tobi hat sich durch eine Windows-Fangame-Trilogie (ca. 2004–2007) gespielt, die heute dank Update-Package wieder läuft. Teil 1 ist “wirklich geil”: ein 2D-Sidescroller im Geist von Duke Nukem: Manhattan Project, schnell, flüssig, rund 22 Minuten lang – “kann man spielen, macht Spaß”. Teil 2 schickt euch durch ein Zeitportal in die Terminator-Zukunft, lässt Gegner aber absurd viel Schaden schlucken und endet in einem kaum schaffbaren Bossfight. Teil 3 probiert eine Beat-’em-up-Tiefenbewegung, wirkt aber wie ein lieblos zusammengeschusterter Prototyp. (Als Entwickler kursiert der Name Oscar Celestini – im Stream selbst wurde er nicht genannt, also nehmt das mit Vorbehalt.)

Dazu kommt das kostenlose RoboCop vs. Predator auf itch.io (2024) im Game-Boy-Look, das so ziemlich jeden 80er-Actionhelden auffährt – Terminator, Rambo, John McClane, Chuck Norris, Jack Burton, Johnny 5 und mehr. Tobi: “Sieht gut aus, ist aber nicht so gut.” Miese Kollisionsabfrage, pixelgenaues Springen, Kreissägen im Boden – unnötig schwer für einen Gimmick. Gordon hat aus Frust aufgehört. Ein netter Bonus immerhin: Leichen kann man weiterbeschießen. “Realistischer als alle anderen Spiele”, findet Tobi.

  • 👍 Fangame-Trilogie – Solide: Teil 1 empfehlenswert, Teil 2 und 3 kann man lassen.
  • 😐 RoboCop vs. Predator – Mittelmaß: netter Gimmick zum Reinschauen, aber nicht zum Durchspielen.

RoboCop: Rogue City (2023) – der Nostalgie-Goldstandard

RoboCop: Rogue City

Und dann, nach Jahrzehnten der Enttäuschungen, kommt das Studio Teyon um die Ecke – dieselben Leute, die erst einen mauen Rambo-Railshooter und dann das überraschend okaye Terminator: Resistance gemacht haben. Gordon: “Die setzen immer eins drauf.” Tobi hat RoboCop: Rogue City komplett durchgespielt – und es ist der Grund, warum sich diese ganze Reihe gelohnt hat.

Die Atmosphäre ist die beste Nostalgie-Darstellung eines 80er-Films, die es als Spiel gibt: Originalmusik, alle Schauplätze originalgetreu nachgebaut (das OCP-Gebäude, der Ort von Murphys Tod), die Originalschauspieler eingescannt – und Peter Weller spricht Murphy selbst. Gordon: “Sieht aus wie eingescannt”, die Modelle beeindruckend, mit Reflexionen auf der Rüstung. Die Handlung spielt zwischen Film 1 und 2.

Spielerisch ist es ein First-Person-Shooter mit RPG-System: Skill-Upgrades, Nebenmissionen, ein Hub-Bereich mit NPC-Gesprächen (Lewis, eine Wissenschaftlerin), eine zurückgekehrte Verhaftungs-Mechanik und herrlich banale Polizeiarbeit als Sidequests – etwa den Strom in der Wache wieder anzuschalten, weil OCP zu wenig zahlt. Es gibt rudimentäre Entscheidungen (eine Reporterin gegen Delta City unterstützen, einen Undercover-Agenten auf die richtige Bahn bringen, eine Bürgermeisterwahl). Der Bösewicht ist der Bruder des Typen, der in Teil 1 in der Atommülllache schmilzt – was Gordon und Tobi zum besten Gag der Folge bringt: “Wir sind in den 80ern, es kann nur der Bruder sein” → “Herman Gruber” (eine Hommage an Hans Gruber aus Die Hard).

“Besser geht’s nicht aktuell, kann man wirklich so sagen. Du hast hinter allem einen Haken machen können – Musik ist drin, Schauplätze sind drin, Figuren sind drin, Animationen sind korrekt.”

Tobi

Kritik gibt es nur im Kleinen: Es wird gegen Ende etwas lang, und die Hub-Laufwege können nerven. Dafür endet es furios – mit der Cobra-Kanone aus Film 1 ballert man eine ganze Söldner-Armee weg. Tobi: “Am Ende ist es das auch wert, durchgespielt zu haben.” Gordon bringt es auf den Punkt: “Besser geht’s nicht aktuell, wirklich.”

Plattformen: PC (Steam/GOG), PS5, Xbox Series X/S · Entwickler: Teyon · Bestpreis: ab 3,32 € auf gg.deals (Stand der Aufnahme).

🏆 Verdict: Meisterwerk – das beste RoboCop-Spiel aller Zeiten und der Nostalgie-Goldstandard für Filmverwertungen. Wer nur ein einziges RoboCop Spiel spielt, dann dieses.


Bonus-Exkurs: RoboCop (2014) – das Remake, das ein Sequel hätte sein sollen

Zum Abschluss nimmt sich Hendrik den Remake von Regisseur José Padilha (Tropa de Elite) vor, mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton und Samuel L. Jackson. Er hat Original und Remake bewusst direkt hintereinander geschaut. Positiv: die Eröffnung in einem besetzten Land mit Roboterdrohnen und Selbstmordattentätern (“hat mich in die Magengrube gefahren”), die Szene, in der Murphy zum ersten Mal sieht, was von ihm übrig ist (Herz, Lunge, ein Arm am Gestänge – Gordon: “fand ich echt krass”), und Murphys allmählich zurückgefahrene Menschlichkeit.

Die Schwächen: Die Gesellschaftskritik ist zu 90 % gestrichen, die Brutalität komplett weg (FSK 12), der Endkampf gegen ED-209 und die Roboterarmee wirkt “wie ein Flummi”, und Michael Keaton ist völlig vergeudet. Gordons Lösung: Man hätte es als RoboCop 4 statt als Remake bringen sollen.

“Ich finde es einen Fehler, das als Remake rauszubringen. Sie hätten es als RoboCop 4 betiteln sollen – warum hat man ihn überhaupt Murphy genannt? Joel hätte gereicht.”

Gordon

Bewertungen: Hendrik 4 Sterne plus Herz, Gordon 3,5 Sterne, Tobi dreieinhalb.


Wusstet ihr schon?

  • 📺 Die erste RoboCop-Zeichentrickserie (1988) sollte 13 Folgen haben – die 13. wurde nie produziert. Laut Fan-Quellen floss das Budget stattdessen in den Piloten einer X-Men-Zeichentrickserie.
  • 📖 RoboCop vs. The Terminator war zuerst ein Comic. Das vierteilige Dark-Horse-Crossover (1992) stammt von Frank Miller und Walt Simonson – und enthält Ideen, die Miller ursprünglich für sein nie verwendetes RoboCop-2-Drehbuch hatte.
  • 💰 RoboCop (2014) ist der kommerziell erfolgreichste RoboCop-Film – und gilt trotzdem als Flop. Weltweit rund 242,6 Mio. US-Dollar standen einem auf 100–130 Mio. geschätzten Budget plus Marketing gegenüber.

Damit endet unsere zweiteilige Stahl-Saga. Vom explodierenden Game-Boy-Gehirn bis zu Peter Weller, der 2023 endlich wieder selbst Murphy spricht – was für eine Reise. Den Anfang gibt es weiterhin in Teil 1 unserer RoboCop-Reihe, und passende Stahl-Nachbarschaft findet ihr in unserer Terminator-Reihe sowie bei den Predator-Spielen. Wer noch mehr 80er-Härte will, schaut bei Judge Dredd vorbei – eingeordnet in unsere Actionhelden der 80er und 90er Reihe.

Viel Spaß beim Hören!

Tobi & Gordon

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Ein Kommentar

  1. […] Was folgt, sind drei Filme, ein gutes Dutzend Spiele – Tobi hat tatsächlich 24 einzigartige Titel zusammengetragen – und Gordon, der zu einem davon nur noch geflucht hat. Achtung: Das hier ist Teil 1. Das neueste RoboCop-Spiel und der 2014er Remake-Film kommen erst in Teil 2 unserer RoboCop-Reihe. […]

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