Ein Junge läuft durch den Wald, scheißt sich fast in die Hose und traut sich trotzdem in eine dunkle Höhle. Fledermäuse kommen ihm entgegen. Klingt nach Batman? Fast. Nur heißt der Junge nicht Bruce Wayne, sondern Shigeru Miyamoto.
Aus genau diesem Gefühl, unbekannte Orte zu entdecken, entstand später eine der wichtigsten Spielereihen überhaupt: The Legend of Zelda. Und wie sich herausstellt, ist die Geschichte hinter den Spielen manchmal genauso interessant wie die Spiele selbst.
Für Gordon und Tobi beginnt die Serie überraschend ähnlich. Beide landen zuerst bei Link’s Awakening auf dem Game Boy und erst später bei Ocarina of Time. Beim Rückblick auf die frühen Zelda-Spiele stellen sie allerdings fest, dass Erinnerung und Realität manchmal zwei völlig verschiedene Dinge sind. Vor allem dann, wenn man heute noch einmal zu den ersten Teilen zurückkehrt.
Eine verpasste Lizenz, die Musikgeschichte geschrieben hätte
Die berühmte Zelda-Melodie existiert möglicherweise nur wegen eines schlecht getimten Veröffentlichungsdatums.
Eigentlich wollte Nintendo für das erste Zelda Ravels Bolero verwenden. Das Problem: Die Rechte liefen nicht rechtzeitig aus. Nur wenige Wochen Unterschied, und eine der bekanntesten Titelmelodien der Videospielgeschichte hätte niemals existiert.
Mindestens genauso spannend ist die Technik hinter dem ersten Zelda. Das Spiel erschien in Japan zunächst für das Famicom Disk System, weil die klassische Cartridge-Lösung für ein so großes Spiel schlicht zu teuer gewesen wäre. Nintendo brauchte gleichzeitig einen Grund, die Erweiterung zu verkaufen. Zelda wurde genau dieses Zugpferd.
Dazu kommt eine weitere Kuriosität: Während Nintendo an Zelda arbeitete, entstand parallel bereits der nächste große Wurf. Zwei völlig unterschiedliche Spielkonzepte, dieselben kreativen Köpfe und derselbe Zeitdruck. Wer unsere Folge über Super Mario gehört hat, wird hier erstaunlich viele Parallelen entdecken.
Zelda 2: Die evolutionäre Sackgasse
Während Nintendo beim ersten Teil noch das Fundament legte, wurde beim Nachfolger plötzlich alles umgekrempelt.
Statt Vogelperspektive gibt es Side-Scrolling. Statt klassischem Fortschritt gibt es Erfahrungspunkte. Und statt eines direkten Nachfolgers bekommt man etwas, das eher wie eine alternative Realität für Zelda wirkt.
„Das ist so die evolutionäre Sackgasse der Serie.“ – Tobi
„Das ist wie der Neandertaler. Haben alle so halt probiert, hat sich nicht fortgepflanzt.“ – Gordon
Trotzdem bleibt Zelda II: The Adventure of Link ein faszinierendes Experiment. Nicht zuletzt wegen merkwürdiger Ideen wie dem Controller-Mikrofon der japanischen Version oder dem Versuch, Zelda mit Rollenspielmechaniken zu kombinieren. Warum das für manche Fans bis heute Kult und für andere nahezu unspielbar ist, diskutieren die beiden ausführlich in der Folge.
A Link to the Past: Meisterwerk oder überschätzt?
Bei kaum einem frühen Zelda-Spiel liegen Nostalgie und Realität so nah beieinander wie bei A Link to the Past.
Für viele Fans ist es bis heute das Spiel, das Zelda endgültig definiert hat. Hier finden sich zahlreiche Elemente wieder, die später zum Standard werden sollten: das Master-Schwert, die strukturierte Oberwelt, die komplexeren Dungeons und die Idee, dass neue Gegenstände nicht nur Waffen, sondern gleichzeitig Schlüssel zur Welt sind.
„Teil 3 hat gezeigt, was sie eigentlich im Sinn hatten.“ – Gordon
„Ich bin damit irgendwie nie so warm geworden, wie viele das geworden sind.“ – Tobi
Genau an solchen Stellen wird die Folge besonders interessant. Denn statt historische Fakten herunterzubeten, vergleichen beide ihre eigenen Erinnerungen mit dem tatsächlichen Spielerlebnis heute.
Beim ersten Zelda sind sich beide dagegen erstaunlich einig. Historisch unverzichtbar? Ja. Heute noch uneingeschränkt empfehlenswert? Eher nicht.
„Man kann es sich angucken. Ist okay. Aber ich würde niemanden zwingen, das heute noch mal durchzuspielen.“ – Gordon
Link’s Awakening, Nintendo-Hotlines und andere Kindheitstraumata
Beim nächsten Spiel nähern sich die Meinungen dann wieder an.
Für beide war Link’s Awakening der eigentliche Einstieg in die Serie. Das Game-Boy-Abenteuer auf Cocolint fühlt sich bis heute anders an als die übrigen Zelda-Spiele. Kleiner, persönlicher und stellenweise erstaunlich melancholisch.
Dazu kommen Erinnerungen, die vermutlich jeder Retro-Spieler kennt. Komplettlösungen aus Club-Nintendo-Magazinen. Stundenlanges Herumirren in Dungeons. Und dieser eine Moment, in dem man irgendwann akzeptieren musste, dass man nicht weiterkommt.
Bei Gordon führte das sogar zur Nintendo-Hotline. Für 50 Pfennig pro Minute erklärte ihm ein Mitarbeiter, wie er ein Rätsel in Link’s Awakening lösen konnte. Nicht die Lösung direkt. Nur gerade genug, damit er selbst darauf kam. Dreißig Jahre später erinnert er sich immer noch daran.
Und wer bei all den Dungeons, Gegenständen und versteckten Wegen plötzlich an einen anderen Nintendo-Klassiker denken muss, liegt gar nicht so falsch. Im Podcast ziehen Gordon und Tobi mehrfach Parallelen zu Metroid und diskutieren, warum beide Reihen viel mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Wusstet ihr schon?
- 🎵 Die Zelda-Titelmelodie gibt’s nur, weil Nintendo die Lizenz für Ravels Bolero um Wochen verpasste.
- 🎤 In der japanischen Zelda-2-Version ließen sich Gegner per Controller-Mikrofon wegschreien.
- 📞 Gordon hat als Kind tatsächlich die Nintendo-Hotline angerufen – für 50 Pfennig die Minute.
Die Spiele dieser Folge – und wie ihr sie heute am besten spielt
| Spiel | Release (JP) | Plattform | Heute optimal spielen / Fan-Projekte |
|---|---|---|---|
| The Legend of Zelda | 21.02.1986 | Famicom Disk System / NES | Kein aktives Decompilation-Projekt bekannt – am besten über Nintendo Switch Online (NES-App) oder Originalhardware |
| Zelda II: The Adventure of Link | 14.01.1987 | Famicom Disk System / NES | Aktives Disassembly-Projekt z2disassembly – bislang kein spielbarer PC-Port daraus |
| The Legend of Zelda: A Link to the Past | 13.04.1991 (JP), 1992 international | Super Famicom / SNES | Reverse-Engineering-Projekt zelda3 ist fertig und bildet die Basis für einen spielbaren, moddbaren PC-Port mit höherer Auflösung |
| The Legend of Zelda: Link’s Awakening | 1993 | Game Boy / Game Boy Color (DX) | Offizielles Remake für Switch (2019). Ein Fan-PC-Port wurde 2024 von Nintendo per Takedown entfernt; das Disassembly-Projekt LADX-Disassembly läuft weiter. Mehr zum Thema Remakes/Remaster generell gibt’s in der passenden Folge dazu |
Hier noch die Magazine aus der Podcastfolge:
https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/596-1990-ausgabe-2
https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/611-1992-ausgabe-5
https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/617-1993-ausgabe-5
https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/618-1993-ausgabe-6
https://snes-projects.de/filebase/index.php?file/650-1998-ausgabe-6
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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