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Koop Spiele: Warum Zusammenspielen das Glutamat der Gaming-Welt ist

Stellt euch vor: Freitag nach der Schule. Du stopfst deinen Desktop-PC in eine Sporttasche, die nicht richtig zugeht. Fährst mit dem Rad zu deinem Kumpel rüber. Fährst wieder nach Hause, holst den 40-Kilo-Röhrenmonitor. Fährst wieder hin. Und dann sitzt ihr endlich nebeneinander und ballert euch durch Codename Outbreak, während der kleine Bruder zugucken muss, weil er keinen eigenen Rechner hat.

Koop Spiele – dieses Wort löst bei jedem, der mal einen Controller geteilt hat, sofort Erinnerungen aus. Und genau darüber reden zwei ausgebildete Spieleentwickler in dieser Folge des Videogamecast: Was macht kooperative Spiele so besonders? Warum kann man mit manchen Menschen einfach nicht zusammen zocken? Und wieso ist es im Jahr 2023 immer noch ein Glücksspiel, ob ein Coop-Modus überhaupt funktioniert?

Gordon und Tobi nehmen euch mit auf eine Reise von den improvisierten Koop-Sessions der 90er über die Xbox-360-Goldära bis zu den Frustrationen moderner Online-Koop-Spiele. Und sie beantworten die entscheidende Frage: Macht Coop wirklich jedes Spiel besser?

Spoiler: Gordon hat eine sehr klare Meinung dazu.


Coop-Games des kleinen Mannes – Wenn Singleplayer nicht reicht

Bevor wir über richtige Koop Spiele reden, müssen wir über den Elefanten im Raum sprechen: die improvisierte Version. Gordon erzählt, wie er und sein Kumpel Jascha in den 90ern einfach Singleplayer-Spiele zu zweit gespielt haben. Einer am Joystick, der andere an der Tastatur. X-Wing, TIE Fighter, SimCity, Pizza Connection – alles wurde zur Coop-Erfahrung umfunktioniert.

“Coop-Games des kleinen Mannes sind Singleplayer-Spiele, wo du dir das Gameplay teilst.” – Gordon

Das ist im Grunde die Urform des kooperativen Spielens. Kein Matchmaking, kein Online-Modus, keine Server. Einfach zwei Leute, eine Tastatur und der gemeinsame Wille, den Computer plattzumachen. Bei den X-Wing-Spielen saßen Gordon und Jascha quasi zu zweit im TIE Fighter – lange bevor die Sequel-Trilogie auf die Idee kam, da zwei Sitze reinzuquetschen.

Und dann war da noch die Geschichte mit Star Wars und der Kantinen-Musik. Tobi wirft ein, dass die Musik in der Mos Eisley Cantina nicht Jazz heißt, sondern Jizz. Gordon so: “Die haben das nicht wirklich Jizz genannt.” Doch. Haben sie. Come on, let’s play some Jizz. Manchmal schreibt das Star-Wars-Universum die besten Witze selbst.


Der Psycho-Podcast: Warum Tobi der schlimmste Coop-Partner ist

Tobi gibt offen zu, dass er eigentlich der kooperativere Typ ist. Nicht kompetitiv, sondern zusammen Dinge schaffen, Ideen hin und her spielen, sich gegenseitig bestätigen. Klingt toll, oder?

Das Problem: Tobi kann nicht aufhören.

“Ich bin halt ein Binger, wa?” – Tobi

Gordon kennt das zur Genüge. Die Coop-Session ist vorbei, beide hatten Spaß, man verabredet sich für nächste Woche – und dann kommt man zurück und Tobi hat das Spiel schon durchgespielt. Im schlimmsten Fall hat er ein neues Savegame erstellt, “wo wir an der gleichen Stelle sind wie vorher”. Klingt nett, ist aber eigentlich eine Bankrotterklärung für jeden Coop-Partner.

“Es ist gut, dass es dir auffällt, Tobi, dass man mit dir keine Coop-Spiele spielen kann.” – Gordon

Und es ist nicht nur Gordon, der das Problem kennt. Maurice bestätigt es. Es ist ein grundsätzliches Tobi-Phänomen. Deshalb bevorzugt Tobi inzwischen Koop Spiele, die man NUR zu zweit spielen kann. It Takes Two, A Way Out – da gibt es keine KI, die den Partner ersetzt. Der eingebaute Schutz vor sich selbst. Wie Gordon zusammenfasst, hätte man sich auch gleich bei Brothers: A Tale of Two Sons einen Coop-Patch gewünscht, anstatt alleine mit zwei Analogsticks herumzuhantieren.

Gordon hingegen hat das entgegengesetzte Problem: Er spielt ungern alleine. Kompetitiv ist ihm zu stressig, weil automatisch Leistungsdruck dahinter steckt. Und er will am liebsten im selben Raum sitzen, wenn er koop spielt. Weshalb er früher regelmäßig seinen gesamten Desktop-Rechner in einer Sporttasche zu Jascha transportiert hat. In zwei Fahrten, versteht sich – Rechner und Monitor passten nicht gleichzeitig aufs Rad.


Koop Spiele sind das Glutamat der Gaming-Welt

Dann die große Frage: Macht Coop jedes Spiel besser? Gordon zögert keine Sekunde.

“Coop ist das Glutamat der Spiele. Man kann es jetzt auch nicht überall Glutamat reinkippen, aber den meisten Essen macht es das besser.” – Gordon

Tobi versucht sich an dem japanischen Wort für die fünfte Geschmacksrichtung (Umami, falls es euch interessiert – ihm fällt es nicht ein), aber der Punkt steht: Koop Spiele machen fast alles besser. Halo 1? Interessiert keinen, ob plötzlich zwei Master Chiefs auf der Pillar of Autumn aufwachen. In der Ego-Perspektive siehst du den zweiten Charakter eh nicht permanent. Die Souls-Games? Umständlich gelöst, “weil sie blöd sind”, aber im Coop hundert Prozent mehr Spaß. Und auch bei Gears of War, das Gordon liebevoll “Gears of Shit” nennt – nicht weil es schlecht ist, sondern “das wurde halt damals von uns so getauft” – gilt: Alleine gut, zu viert im Koop noch viel besser. Da rennst du rein und sägst die Gegner kaputt. Maden!

Tobi wirft ein, dass es Ausnahmen gibt. Bayonetta zum Beispiel – zwei Bayonettas gleichzeitig? Wird irgendwie weird. Bei First-Person-Shootern funktioniert es, weil man den Charakter nicht permanent sieht. Bei Third-Person-Games kann die “Coolness” des Charakters darunter leiden. Aber grundsätzlich? Kooperative Spiele sind das Salz in der Suppe. Oder eben das Glutamat.


120 Mark für einen Nachmittag – Die Goof-Troop-Katastrophe

Gordons beste Coop-Erinnerung führt zurück zu Secret of Mana auf dem Super Nintendo. Er hatte nie ein eigenes SNES, durfte bei seinem Kumpel Alex südlich von Berlin spielen – jedes Wochenende, Samstag und Sonntag, stundenlang. In Deutschland kam das Spiel damals mit Spieleberater in der Big Box, “weil sie gedacht haben, dass wir zu blöd sind, um die Spiele zu begreifen”.

Alex hat wochenlang gewartet, bis Gordon am Wochenende wiederkam. Bis auf das eine Mal, kurz vor dem Finale. Gordon fuhr nach Hause, kam nächste Woche zurück – und Alex hatte es durchgespielt. “Tut mir leid, aber ich konnte nicht warten.” Ein Tobi avant la lettre, sozusagen. Immerhin spielten sie das Ende nochmal zusammen durch.

Und dann kam das Goof-Troop-Desaster. Alex’ Mutter bringt plötzlich ein neues Spiel mit – einfach so, kein Geburtstag, kein Weihnachten. Goof Troop für 120 Mark. Reingemacht, nicht mehr ausgemacht, abends durchgespielt. Ein ganzer Nachmittag. 120 Mark, verballert. Nie wieder angefasst. Was Gordon nicht wusste: Goof Troop wurde von Shinji Mikami designt – dem Mann, der später Resident Evil erschaffen würde. Von Disney-Coop zu Survival Horror ist es manchmal nur ein Capcom-Spiel Unterschied.

Tobi erinnert sich stattdessen an Contra: Shattered Soldier auf der PS2. Einen ganzen Tag haben er und Simon daran gesessen. 99 Continues auf Easy – und es war trotzdem bockenschwer. “Du musstest ja immer darauf achten: A, musst du performen, aber B, muss der andere auch genau auf demselben Level performen.” So was würde er heute nicht mehr machen. Die Zeit ist kostbar geworden.


Das Crossplay-Desaster: Wenn Publisher es uns unmöglich machen

Und dann kommen wir zum Elefanten im Raum. Oder besser: zu drei Elefanten, die sich alle nicht kennen, obwohl sie im selben Raum stehen. Gordon regt sich auf – und zwar richtig.

Das Problem: Du willst ein Koop-Spiel mit deinem Kumpel spielen. Du kaufst es auf Steam, er hat es im Microsoft Store. Ihr seid beide am PC. Und dann? Geht nicht zusammen. Verschiedene Versionen, verschiedene Server, gleiches Spiel. Deep Rock Galactic, dreimal gekauft auf verschiedenen Plattformen, bis es endlich lief.

“Das ist mir als Spieler aber scheißegal. Das interessiert die doch nicht.” – Gordon

Und es wird noch schlimmer: Da steht “Coop” auf der Verpackung, aber dann ist es nur Couch-Coop. Kein Online. Kein Hinweis. Du willst es anschmeißen und dann gibt es nur einen Knopf: “Drücke A, um weiteren Spieler hinzuzufügen.” Gordon findet dafür klare Worte, die wir hier leicht zensiert wiedergeben: Die kriegen alle ein dickes, fettes F.

Tobi ergänzt die Tutorial-Plage: Du verabredest dich abends zum Zocken, und dann muss erstmal jeder eine Stunde Tutorial alleine durchspielen. Niemand sagt dir das vorher. In Deutschland kommt dann noch dazu, dass mindestens einer Schrott-Internet hat, genau heute ein Patch rauskommt, und alle nochmal zehn Stunden warten müssen.

“Du brauchst echt so ein Briefing für diese Spiele mittlerweile”, seufzt Tobi. Und Gordon bringt es auf den Punkt: Das mit der intelligenten Spiele-Distribution funktioniert vielleicht halb gut. “Und halb gut ist immer scheiße.”

Wenn ihr wissen wollt, wie die beiden ausgebildeten Spieleentwickler das Crossplay-Thema aus Entwicklerperspektive sehen – und warum Sony damals “Stein und Bein geschworen hat, dass Crossplay technisch unmöglich ist”, nur um sechs Monate später einfach einen Schalter umzulegen – müsst ihr die komplette Folge hören.


Die Favoriten: Von Diablo 2 bis Keep Talking and Nobody Explodes

Dann wird es konkret. Was sind die besten Koop Spiele, die Gordon und Tobi je gespielt haben?

Gordon schwärmt von:

  • Secret of Mana – Die Wochenend-Sessions mit Alex, auch wenn er es nie zu dritt gespielt hat
  • Gears of War – “Definierende Momente für meine Xbox-360-Erfahrung.” Zu viert, Local und Online kombiniert
  • Codename Outbreak – Ein obskurer osteuropäischer Shooter von 2001, entwickelt von GSC Game World (den späteren S.T.A.L.K.E.R.-Machern), mit einem der ersten Story-Coop-Modi überhaupt
  • Diablo 2 – “Im Coop zusammen Diablo legen, das hat schon was”
  • Ready or Not – Der SWAT-4-Nachfolger, bockschwer auf nicht-tödlich, perfekt zu zweit
  • Strategiespiele – Age of Empires, Total Annihilation, Earth 2150, Siedler – “Meine geheime Passion”

Tobi schwärmt von:

  • It Takes Two / A Way Out – Forcierter Coop als Selbstschutz gegen sein Binger-Problem
  • Contra: Shattered Soldier – Ein ganzer Tag PS2-Coop mit Simon
  • Baldur’s Gate: Dark Alliance – Trotz der brutalen Schwierigkeit auf der Snowblind-Engine
  • Castle Crashers – “Das war richtig super, aber leider ein bisschen zu kurz”
  • Dead Space 3 – “Grundsolides Coop-Game”, auch wenn es nichts mehr mit Grusel zu tun hat. Wer mehr über die Reihe erfahren will: Unser Dead Space Retro-Check
  • Orcs Must Die 2 – Erst im Coop richtig gut, mit Bruce Campbell als Sprecher

Und dann ist da noch Keep Talking and Nobody Explodes, das Gordon als “das einzigartigste Spiel” bezeichnet. Einer sieht eine Bombe, die anderen haben die Anleitung – aber niemand sieht beides. Gordon setzt es sogar im Unterricht ein: “Das ist perfekt für Teambuilding, Kommunikation, Sender-Empfänger-Prinzip.” Der große Durchbruch kam, als die Entwickler 2018 die VR-Pflicht rausgepatcht haben. “Und deswegen kann man es heute auch ganz gut spielen, ohne dass sich jeder eine verschwitzte PlayStation VR aufsetzen muss.”

Das Thema Horror im Coop bringt noch eine interessante Erkenntnis: Gruselige Spiele wie Resident Evil 5 oder Dead Space 3 sind im Koop automatisch nicht mehr gruselig. “Das ist so, wie wenn du einen Horrorfilm in der Gruppe guckst”, sagt Gordon. “Da ist alles lustig auf einmal.” Die lustigsten Coop-Momente der beiden? Resident Evil 5. Da sind sich ausnahmsweise mal beide einig.


Das Skill-Gap-Problem – Oder: Warum du ein Real-Life-Matchmaking brauchst

Ein Thema, das sich durch die ganze Folge zieht: Es ist verdammt schwer, Leute zu finden, mit denen Koop Spiele wirklich funktionieren. Tobi beschreibt das Problem bei Escape Academy – wer Vorwissen über Spiele hat, löst alles in Sekunden, während der andere noch das Tutorial liest. Gordon spitzt es zu: “Du brauchst eigentlich so ein Real-Life-Matchmaking.” Am besten mit Augmented Reality, wo über jedem Menschen ein Skill-Level schwebt. “Filtre Menschen nach Gaming-Knowledge und blende mir alle anderen Personen aus, die unter 70 Prozent haben.”

Klingt dystopisch? Ist es auch. Aber jeder, der mal versucht hat, mit einem Nicht-Gamer Cuphead zu spielen, weiß genau, wovon Gordon redet. Das Spiel sieht aus wie ein harmloser Zeichentrickfilm aus den 30ern – und dann stirbst du alle drei Sekunden. “Das Spiel ist leider prädestiniert dafür, dass das von irgendwem gespielt wird, der keine Ahnung von Games hat, weil es halt so geil aussieht.”

Gordons Pyramiden-Metapher fasst es perfekt zusammen: “Die Leute haben früher Pyramiden gebaut. Kannst du dir heute auch nicht vorstellen. Aber die haben halt nur Pyramiden gebaut. Irgendwann wirst du in der Sache einfach gut, wenn du nichts anderes machst.” Er selbst sei kein Pyramidenbauer. Dafür fehlt das Interesse, ein einzelnes Spiel monatelang zu spielen.


🎮 Wusstet ihr schon?

🏗️ Goof Troop für das SNES wurde von Shinji Mikami mitdesignt – dem Mann, der wenig später Resident Evil erfand. Von Disney-Coop zu Survival Horror in drei Jahren.

🎵 Das Musik-Genre in der Mos Eisley Cantina aus Star Wars heißt offiziell Jizz – benannt nach den “Jizz-Wailers”, die dort auftreten. Das Wookieepedia hat einen eigenen Artikel dazu.

🎮 It Takes Two hat sich über 27 Millionen Mal verkauft – als reines Coop-only-Spiel ohne Singleplayer-Modus. Beweis dafür, dass der Markt für kooperative Spiele größer ist, als viele Publisher denken.

🕹️ Codename Outbreak (2001) von GSC Game World war einer der ersten Ego-Shooter mit einer kompletten Story-Kampagne im Coop-Modus. Das ukrainische Studio wurde später berühmt für die S.T.A.L.K.E.R.-Reihe.

🏰 Castle Crashers war das meistverkaufte Xbox Live Arcade Game des Jahres 2008 und gewann den XBLA Award als Spiel des Jahres – entwickelt von nur vier Leuten bei The Behemoth.


Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast

2 Kommentare

  1. […] – und das Koop-Gameplay mit den asymmetrischen Fähigkeiten der Partner ist etwas, das in der Coop-Games-Retrospektive des Videogamecasts gut reinpassen würde. Erschienen ist das Ding für gefühlt jede Plattform, die es gibt – […]

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