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Killzone & Horizon Zero Dawn | Guerilla Games im ehrlichen Retro-Check

Update Mai 2026: Seit der Aufnahme dieser Episode ist viel passiert – Horizon Zero Dawn erschien 2020 für PC, Horizon Forbidden West folgte 2022, und Guerilla Games arbeitet an weiteren Projekten. Die Einschätzungen im Podcast beziehen sich auf den Stand von 2019, bleiben aber als Zeitkapsel der Killzone-Reihe absolut lesenswert.


Guerilla Games aus Amsterdam – ein Studio, das jahrelang im Schatten von Halo stand und dann mit einem einzigen Spiel in die absolute Topliga aufgestiegen ist. In dieser Folge nehmen sich die beiden Spieleentwickler Gordon und Tobi die komplette Killzone-Reihe vor und arbeiten sich vom “Halo Killer”, der nie einer wurde, bis zum atemberaubenden Horizon Zero Dawn durch. Schnallt euch an: Hier gibt es Spacenazis, Vaseline-Steuerung und Roboterdinos.

Gordon und Tobi – beide ausgebildete Game Designer – haben für diese Folge sämtliche Killzone-Titel noch einmal durchgespielt. Das Ergebnis: Eine schonungslos ehrliche Retrospektive auf Sonys exklusivsten Shooter und den vielleicht beeindruckendsten Genrewechsel in der Geschichte der PlayStation.

Von Spacenazis und dem ewigen Halo-Vergleich – Killzone im Podcast

Was haben Killzone und ein Teller Oroboros gemeinsam? Beides klingt nach einem exotischen Gericht, und beides wurde einem von Capcom– äh, Sony – serviert, ohne dass man wusste, was man da eigentlich bekommt. Aber der Reihe nach.

Guerilla Games sitzt seit dem Jahr 2000 in Amsterdam und hat eine der interessantesten Entwicklungsgeschichten der PlayStation-Ära hingelegt. Ihr kennt sie wahrscheinlich von Horizon Zero Dawn, aber davor musste das Studio erst mal durch fünf Killzone-Teile und einen berüchtigten Fake-Trailer hindurch. Wer sich für die Halo-Reihe im Vergleich interessiert, dem sei unsere ausführliche Halo-Retrospektive empfohlen – denn ohne Halo gäbe es Killzone wahrscheinlich gar nicht.

Killzone (PS2, 2004) – Der angebliche “Halo Killer”

Stellt euch vor: Es ist 2004, Sony hat keinen exklusiven Shooter und Microsoft reitet mit Halo auf einer Erfolgswelle. Was macht man? Man hypt ein niederländisches Studio als Retter der PlayStation-Ehre. Das Ergebnis? Na ja.

Gordon: “Killzone sollte der Halo Killer sein. Zu dem Zeitpunkt gab es eigentlich nur einen guten Ego-Shooter auf Konsolen – das war Halo. Und dann zeigen die halt was und es ist wie ein Spiegel auf der dunklen Seite von Halo. Superdunkel, eigentlich nur drei Farben: schwarz, grau und grün.”

Tobi: “Mich hat es total kalt gelassen. Die Levels waren cool designt, die Atmosphäre war da – aber das Gameplay hat mich ziemlich schnell nicht mehr bei der Stange gehalten.”

Was bei Halo bunt, witzig und abwechslungsreich war, drehte Killzone konsequent ins Gegenteil: düstere Farbpalette, stereotypische Charaktere und ein Setting, das wie eine Mischung aus Spacenazis und sowjetischem Militärpomp aussah. Die Helghast – ein Volk auf dem toxischen Planeten Helghan, das durch Gasmasken und Totalitarismus definiert wird – sehen aus wie direkt aus dem Anime Jin-Roh geklaut. Und Rico, der Macho-Sidekick? Laut Tobi “der dümmste Charakter aller Zeiten” – aber leider auch der einzige mit vernünftigen Waffen.

Verdict: 😐 Überspringbar – lieber direkt bei Killzone 2 einsteigen.

Killzone: Liberation (PSP, 2006) – Der unterschätzte Geheimtipp

Hier wird es interessant. Statt einen Ego-Shooter auf die PSP zu quetschen (mit diesem erbärmlichen Analogknubbel, der laut Gordon “beschissener als der rote IBM-Laptop-Mausknubbel” ist), wechselte Guerilla die Perspektive komplett.

Tobi: “Liberation ist ein anderer Ansatz – so eine Art Taktik-Game aus der ISO-Perspektive. Du steuerst den Charakter direkt, musst aber viel taktischer vorgehen. Weniger Gegner, aber jeder Kampf ist wie ein Minipuzzle.”

Ein Spiel, das es so heute nicht mehr gibt. Taktischer Shooter trifft isometrische Draufsicht, irgendwo zwischen Commandos und Valkyria Chronicles. Es gibt sogar eine Extra-Kampagne als DLC, die man sich über Umwege noch von der Guerilla-Website runterladen kann. Wer einen PSP-Geheimtipp sucht, der abseits des Mainstreams liegt – hier ist er.

Verdict: 👍 Einzigartiges Gameplay, das man so nirgends sonst findet.

Killzone 2 (PS3, 2009) – Durch Vaseline wandern

Der berüchtigtste Moment der Killzone-Geschichte passierte drei Jahre bevor das Spiel überhaupt erschien. Auf der E3 2005 zeigte Sony einen Trailer zu Killzone 2, der angeblich in Echtzeit gerendert war. Die Gaming-Welt flippe aus. Das Problem: Alles gelogen.

Gordon: “Sony hat selber die Messlatte ziemlich hochgehangen. Die haben das extern zusammenbasteln lassen. Guerilla hat sich das angeguckt und dachte – auf Holländisch wahrscheinlich – woher kommt das Material?”

Was dann tatsächlich rauskam, sah beeindruckend aus. Technisch war Killzone 2 eine Wucht – aber spielerisch? Das Studio hatte so viel Post-Processing auf das Bild geknallt, dass der Input-Lag astronomisch wurde. Koop-Fans aufgepasst: Hier spielte man sich gefühlt durch Götterspeise.

Gordon: “Du drückst auf dem Controller nach rechts und dann kannst du zählen. 21, 22 – und dann dreht er sich mal langsam so nach rechts. Das spielt sich, als ob du durch Pudding laufen würdest.”

Tobi: “Die Gegner taggen dich von hinten an. Dann drehst du dich um – und bis du dich umgedreht hast, sind die schon zwei Pfeiler weitergelaufen.”

Immerhin: Die KI der Helghast war beeindruckend nervig gut. Die Viecher rannten in Deckung, schossen blind über Hindernisse und desertierten, wenn sie in der Unterzahl waren. Und Rico? Der brachte am Ende den Oberbösewicht Visari um – gegen den ausdrücklichen Befehl. Der dümmste Charakter der Serie zerstörte in einer einzigen Cutscene jede Chance auf einen sauberen Abschluss.

Verdict: 😐 Technisch beeindruckend, spielerisch eine Zumutung – zumindest heutzutage.

Killzone 3 (PS3, 2011) – Endlich knackscharf

Und dann machte es plötzlich klick. Killzone 3 fühlte sich an wie ein komplett anderes Spiel – obwohl es nur zwei Jahre nach dem Vorgänger erschien.

Gordon: “Bei dem einen wanderst du durch Vaseline, das andere Ding ist richtig gut. Es spielt sich sehr knackig. Ich hab zwischendrin gewechselt, um zu gucken, ob es am Controller liegt. Nein – es spielt sich komplett anders.”

Plötzlich gab es Farben! Schneelevel! Mechs! Fahrzeuge! Und Gameplay, das sich wie ein moderner Shooter anfühlte. Guerilla hatte das Post-Processing zurückgefahren und stattdessen in Abwechslung investiert. Die Kampagne führte über den ganzen Planeten Helghan, von Arktiswüsten bis zu Fabrikruinen, und endete damit, dass der Planet sich quasi selbst zerstörte.

Der Soundtrack verdient besondere Erwähnung: einzigartig, atmosphärisch und sofort wiedererkennbar. Was Gordon allerdings abraten muss: die deutsche Synchronisation. Dialoge überlappen sich, Lippenbewegungen stimmen nicht – lieber im Original spielen.

Verdict: 👍 Der beste Killzone-Teil – endlich ein Shooter, der sich auch gut spielt.

Killzone: Mercenary (PS Vita, 2013) – Kompetent, aber verzichtbar

Ein vollwertiger Ego-Shooter auf der PlayStation Vita – technisch beeindruckend, aber inhaltlich eher Pflichtprogramm für Komplettisten.

Tobi: “Das ist eher so ein Spiel, was ich sagen würde, muss man nicht unbedingt gespielt haben. Bei Liberation hätte ich eher gesagt, dadurch dass es so ein einzigartiges Gameplay ist, lohnt es sich vielleicht nochmal.”

Der Söldner-Ansatz – Missionen auf beiden Seiten des Konflikts – war eine nette Idee. Aber die etwas schwammige Steuerung erinnerte leider mehr an Killzone 2 als an den knackigen dritten Teil.

Verdict: 😐 Solides Handheld-Futter, aber kein Must-Play.

Killzone: Shadow Fall (PS4, 2013) – DDR im Weltraum

Als Launch-Titel der PS4 hatte Shadow Fall eine undankbare Aufgabe: beeindruckend aussehen und gleichzeitig eine gute Killzone-Geschichte erzählen. Das eine gelang, das andere… nicht so.

Tobi: “Was ist denn das für ein Schwachsinn? Die geben den Helghast die Hälfte ihrer Hauptstadt und die eigene Bevölkerung wird vertrieben? Das macht absolut null Sinn.”

Die Prämisse – Helghast-Flüchtlinge werden nach der Zerstörung ihres Planeten auf Vekta angesiedelt, inklusive Berliner-Mauer-Szenario – löste bei Tobi regelrechte Frustration aus. Wer wollte, konnte in den Slums “rübermachen” wie in einem Science-Fiction-DDR-Thriller.

Aber unter der fragwürdigen Story versteckte sich ein Killzone-Spiel mit den besten Gameplay-Neuerungen der Serie: Eine Drohne mit vier Modi (Abseil, Angriff, Schild, Stealth) – ein bisschen wie der Nanosuit aus Crysis. Und apropos Crysis: Ein Ex-Dozent von Gordon und Tobi, der vorher bei Crytek den berühmten Crysis-Anzug mitentwickelt hatte, arbeitete danach bei Guerilla. Zufall? Wer weiß.

Für Technik-Nerds war Shadow Fall interessant: bis zu 60 Frames angepeilt, aber mit starken Schwankungen. Visuell gab es bereits Szenen, die direkt aus einem Horizon-Konzeptbild hätten stammen können. Die DNA des kommenden Meisterwerks war bereits sichtbar – von der filigranen Technik-Ästhetik bis zum Wechselspiel aus Natur und Maschine.

Verdict: 👍 Besseres Spiel als sein 73%-Metacritic-Score vermuten lässt – aber die Story ist Quatsch.

Horizon Zero Dawn (PS4, 2017) – Die Erleuchtung

Und dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. Das Studio, das jahrelang dunkle Ego-Shooter mit Vaseline-Steuerung gemacht hatte, brachte eines der schönsten und innovativsten Open-World-Spiele aller Zeiten raus.

Tobi: “Das ist einer der Titel, die sind einfach atemberaubend. Du spielst in einer Postapokalypse, aber du beginnst in so einem Ureinwohner-Setting – Low-Tech, Pfeil und Bogen. Und überall rennen Roboter-Tiere rum. Dieser Kontrast ist unfassbar.”

Horizon Zero Dawn wirft euch in eine Welt, in der die Menschheit in die Stammesgesellschaft zurückgefallen ist – während mechanische Dinosaurier, Säbelzahntiger und Riesenvögel durch atemberaubende Landschaften streifen. Ihr spielt Aloy (eine “sehr schwach verschleierte Anspielung auf Metal Alloy”, wie Tobi anmerkt), eine Ausgestoßene, die nach ihrer Herkunft sucht.

Gordon: “Das ist alles sehr, sehr, sehr cool gemacht. Die Gegner musst du auf ganz bestimmte Weise jagen – du biegst einmal falsch ab und dann ist da so ein mächtiges Vogelvieh, was dich sofort platt machen kann.”

Das Kampfsystem ist genial: Jeder Robotergegner hat spezifische Bauteile, die ihr gezielt abschießen könnt. Flammenwerfer-Container sprengen? Rüstungsplatten abreißen? Gegner umprogrammieren und für euch kämpfen lassen? Alles möglich, alles sinnvoll, alles wahnsinnig befriedigend. Das ist kein stupides Draufballern, sondern ein Puzzle mit Pfeil und Bogen.

Wer sich für weitere PlayStation-Exklusivtitel interessiert, findet in unserer Uncharted-Retrospektive eine ähnlich ausführliche Besprechung. Und wenn ihr wissen wollt, welche anderen Open-World-Titel Gordon und Tobi für spielenswert halten, hört mal in unsere Open World Games Folge rein.

Auf der PS4 Pro mit Checkerboard-4K ist das Spiel laut Tobi “eins von diesen Screenshot-Spielen” – vergleichbar mit dem Effekt, den Skyrim damals hatte. Guerilla hatte aus dem Killzone-2-Desaster gelernt: Lieber solide 30 Frames, perfekt ausbalanciert, als schwankende 60 FPS.

Update 2026: Horizon Zero Dawn ist inzwischen auch auf PC via Steam erhältlich (App-ID 1151640) und dort mit 60+ FPS und allen Grafikoptionen noch beeindruckender. Wer es noch nicht gespielt hat: Jetzt gibt es keine Ausrede mehr.

Verdict: 🏆 Meisterwerk – eines der besten Open-World-Spiele überhaupt.

Wusstet ihr schon? 🎮

  • 🎬 Der berüchtigte Killzone 2 E3-Trailer von 2005 war nicht von Guerilla selbst produziert worden – Sony ließ das Material extern zusammenstellen und verkaufte es als “Echtzeit-Rendering”.
  • 🎮 Das Helghast-Design ist stark vom japanischen Anime “Jin-Roh: The Wolf Brigade” (1999) inspiriert – die Soldaten sehen fast identisch aus.
  • 👾 In Killzone: Liberation für PSP gibt es eine versteckte Extra-Kampagne, die man sich bis heute noch von der Guerilla-Website als Download auf den Memory Stick laden kann.
  • 🏆 Horizon Zero Dawn erreichte auf Metacritic eine Wertung von 89 – fast 15 Punkte mehr als der beste Killzone-Teil.
  • 🔧 Ein ehemaliger Dozent von Gordon und Tobi an der Games Academy, Bernd Diemer, arbeitete bei Crytek am Crysis-Nanosuit und ging danach zu Guerilla Games – was die Drohnen-Mechanik in Shadow Fall erklären könnte.

Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon

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