Ihr steht im Steam Summer Sale, der Warenkorb juckt, zwei hübsche Indie-Trailer leuchten euch an – und genau hier sollten bei euch die Alarmglocken läuten. Denn diese Folge ist eine Lektion darüber, was passiert, wenn ein Spiel aussieht wie ein Meisterwerk und sich anfühlt wie eine Demo, die jemand auf 16 Stunden gestreckt hat. Mouse PI For Hire ist genau so ein Fall. Gordon und Tobi, beide ausgebildete Game Designer, haben sich beide Spiele angetan – und kommen am Ende erstaunlich nah beieinander raus: schön anzusehen, aber keins davon ein Pflichtkauf.
Bevor wir ins Eingemachte gehen, müsst ihr eins wissen: Diese beiden haben unterschiedliche Kaufwege genommen und sich gegenseitig in den Kauf reingeritten (“Ich hab’s ja gekauft. Jetzt lässt er das hier so stehen!”, motzt Gordon) – und trotzdem dieselbe Ernüchterung erlebt. Wenn zwei Leute, die das Handwerk gelernt haben, nach acht Stunden seufzen, dann hört genau hin.
Und weil ein guter Podcast nie nur bei den Spielen bleibt: Es geht außerdem um Gordons Lieblingsbuch, das er zum achten Mal hört, um eine Xbox, die ihm Microsoft für 211 Euro abkaufen will, und um die Frage, ob “Siriös Ziel” eigentlich noch zu retten ist. Schnallt euch an – das hier ist Mouse PI For Hire und Replaced im ehrlichen Doppel-Check.
Aus dem Studio: Hörbücher, Pommesbuden und ein Konsolen-Massaker
Bevor überhaupt ein Spiel hochfährt, sitzt Gordon im Hörbuch-Loop. Sein Lieblingsbuch: Replay von Ken Grimwood aus den 80ern, das er gerade zum achten Mal durchhört. Die Prämisse ist herrlich: Ein Mann stirbt 1988 mit 43 Jahren, wacht 1963 wieder als 18-Jähriger auf und darf sein Leben noch mal leben – die Blaupause für Groundhog Day. Tobi? Hat’s nie gehört. Er liest kaum noch, zockt lieber und lässt YouTube laufen. Zwei Game Designer, zwei Welten.
Dann kippt die Laune – und zwar an einer Stelle, die mit Spielen erst mal nichts zu tun hat: dem Preis von Konsolen. Die Xbox Series X klettert auf 800 Dollar für die 1-TB-Version (die 2-TB-Variante wurde gleich ganz gestrichen), in Europa werden 799 Euro erwartet. Die PS5 Pro liegt bei rund 900 Euro. Gordons Urteil ist kurz: “Kaufe ich gar nichts von beiden.”
“Das erinnert mich so bisschen an die Pommesbude von damals. Für zwei Kartoffeln 1,50 Euro mehr? Als ob ich da vergoldete Kartoffeln in die Pommes reingeschnitten bekomme.” – Gordon
Der eigentliche Brüller: Gordon besitzt eine Series X (Staubfänger) und eine Series S (nie angefasst – “Ich bin ja reich!”). Microsofts Ankaufprogramm bietet ihm dafür großzügige 211 Euro. Seine Reaktion ist reinster Videogamecast:
“211 Euro – verbrenne ich es ja lieber, da habe ich mehr Spaß dabei.” – Gordon
Tobi kontert trocken: “Kannst du dir direkt Kleinanzeigen machen, kriegst du wesentlich mehr.” Und während Gordon die Konsole für faktisch tot erklärt (“Jetzt, spätestens jetzt ist es halt tot, jetzt kauft es halt keiner mehr”), stolpert er wie immer über den Namen und tauft die Hardware in “Siriös Ziel” um – woraufhin Tobi nur noch “Seriös Ziel!” zurückruft. Mehr Branchenanalyse braucht 2026 eigentlich niemand. Wer das Thema ganzheitlicher will: In unserer Gaming News KW 21: Sony, Xbox und mehr haben wir die Preispolitik der Konzerne schon mal seziert.
Mouse: P.I. For Hire – wenn der Stil schneller verbraucht ist als die Munition

Auf dem Papier ist Mouse PI For Hire ein Selbstläufer. Schwarz-weiße Rubber-Hose-Animation, 1930er-Cartoon-Ästhetik direkt aus dem Steamboat Willie-Kosmos, Troy Baker als Sprecher des Detektivs Jack Pepper, ein Doom-artiger Shooter im Mickey-Mouse-Gewand. Entwickelt von Fumi Games aus Polen, veröffentlicht von PlaySide Studios, erschienen am 16. April 2026 nach einer Verschiebung. Klingt nach dem nächsten Cuphead. Ist es aber nicht.
Gordon ist vom ersten Eindruck fasziniert – und genau das ist die Falle: Der Stil nutzt sich schnell ab. Während Cuphead seinen Cartoon-Look gnadenlos konsequent durchzieht, bricht Mouse PI ständig mit sich selbst. Flach gezeichnete 2D-Sprites kleben in detaillierten 3D-Leveln, und das sieht man.
“Als ob du ein fertiges Level hast. Und dann hast du Sprites reingesetzt. Von mir aus die bewegenden Blumen und die Gegner. Aber das ist es eigentlich.” – Gordon
Es ist der gute alte Doom-/Duke-Nukem-Trick mit den 2D-Billboard-Gegnern – nur dass der hier im Jahr 2026 nicht mehr als Charme durchgeht, sondern als Sparmaßnahme. Und die Schwarz-Weiß-Beschränkung, so stylisch sie auf Screenshots wirkt, kostet: “Da geht halt eine Menge Setting verloren”, findet Gordon. Keine visuelle Abwechslung, kein Farbakzent, irgendwann sieht alles gleich aus. Gordon nennt Bad Cheese als Indie-Horror, der dieselbe Ästhetik grotesker und stimmiger einsetzt, und winkt bei Bendy and the Ink Machine mit seinem Sepia-Filter ab: “Das ist nicht meins.”
Tobi hat die Xbox-Version getestet, stabile 60 FPS, der High-Frame-Rate-Modus “war nichts”. Sein Hauptproblem: Es ist zu einfach. Er ist kaum gestorben, hat sich mit Ink-Remover-Kanone und Pistole durchgeballert und nach acht Stunden hingeschmissen – um dann festzustellen, dass YouTuber Sivy11 da erst bei der Halbzeit war. Seine Reaktion: “What the fuck?” Bei 16 Stunden Gesamtspielzeit fragt sich Gordon zu Recht: “Was das soll, das so lang zu machen.”
Richtig sauer macht beide ein Design-Patzer: Wer ein Secret verpasst, kommt nicht zurück. Abgeschlossene Level sind gelockt, kein Revisit, kein New Game Plus.
“Das geht nicht. Nicht mal nachdem die Kampagne abgeschlossen ist.” – Tobi
Und die Story? Gordons Verdikt: “Das erste, was man wegklickt.” Tobi formuliert es analytischer und trifft damit den Kern:
“Es trägt die Maske von Noir. Es ist halt wirklich keine Noir-Story, eigentlich. Es ist nur eine Fassade, und darunter ist einfach ein Shooter mit einer sehr wirren Cartoon-Logik-Story.” – Tobi
Voodoo, Geister, Roboter, Polizeistaat – das Spiel springt zwischen Tonlagen, bis man den Faden verliert. Immerhin: eine gesellschaftliche Note hat es. Die “Shrews” sind eine unterdrückte Bevölkerungsgruppe, von der Polizei für Experimente missbraucht – eine Parallele, die man ziehen kann, wenn man will. Troy Baker macht seinen Job gut, kann aber gegen die desinteressierte Story nicht anspielen. Und das freischaltbare Baseball-Kartenspiel? Tobi hat fast jede Runde gewonnen, die Belohnung – eine Superwaffe mit sechs Schuss, die nur schwache Gegner umlegt – war “enttäuschend”. Gordons Magnet-Shotgun rettet immerhin das Schießgefühl: “Die fand ich ganz nett.”
| Mouse: P.I. For Hire | |
|---|---|
| Plattformen | PC (Steam), Xbox Series X/S, PS5, Nintendo Switch 2 |
| Entwickler | Fumi Games (Polen) · Publisher: PlaySide Studios |
| Release | 16. April 2026 |
| Regulärer Preis | 29,99 € |
| Aktueller Bestpreis | 23,99 € (Summer Sale, –20 %) |
| Steam | store.steampowered.com/app/2416450 |
Verdict 😐 Mittelmaß – Ein Stil-Versprechen, das nach zwei Stunden eingelöst und verbraucht ist. Tobi: “Kauft’s euch – eingeschränkt. Wenn ihr damit klarkommt, dass ihr lange dasselbe macht.” Gordon ist für 30 Euro raus: zu wenig Substanz unter der hübschen Schale. Wer den Cartoon-Shooter-Vibe unbedingt will und mit Wiederholung leben kann, greift im Sale zu – alle anderen sparen sich die vergoldeten Kartoffeln.
Replaced – die schönste Tapete, hinter der zu wenig passiert

Wenn ein Spiel jemanden allein durch seinen Trailer zum Blindkauf verleitet, dann Replaced. Gordon hat keine Demo gespielt, keine Reviews abgewartet – der Trailer sah “absolut fantastisch” aus, fertig, gekauft. Und optisch hält das Spiel Wort: Der 2.5D-Pixel-Voxel-Mix in einem alternativen, cyberpunkigen 1980er-Amerika ist “tausendmal besser und abwechslungsreicher” als bei Mouse PI – konsequent durchgezogen, sauberes Lighting, stimmiger Low-Poly-Filter. Hinter dem Spiel steht Sad Cat Studios, gegründet 2018 in Minsk, Belarus, veröffentlicht von Thunderful. Rund fünf Jahre Entwicklung, vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder zurückgeworfen, bis das Studio sogar umziehen musste. (Kleine Faktenkorrektur fürs Protokoll: Sad Cat kommt aus Belarus, nicht aus Polen – polnisch ist Fumi Games, das Studio hinter Mouse PI.)
Und dann startet man das Spiel. Und läuft. Und läuft. Und läuft.
“Das ist für mich leider ein Walking Simulator. Über wie viele Baumstämme ich da rüberspringen musste. Denken die, ich hab die Störung nicht beim ersten Mal verstanden?” – Gordon
Das ist Gordons Kernkritik an Replaced: Wahnsinnig viel Rennen, viel zu wenig, das passiert. “Wann hört das denn endlich auf?” Das Pacing sitzt nicht – die Einstiegssequenz hätte man auf eine Minute eindampfen können. Das Combat im Arkham-Stil bietet im Grunde zwei Optionen, Kontern und Ausweichen, und ist “sehr schnell langweilig”. “Hat mich null gefordert.” Dazu Level-Geometrie, die Mechaniken einführt, die man danach nie wieder sieht, und eine Sprungmechanik, die schon im ersten Level unklar bleibt: “Dafür bin ich zu alt”, seufzt Gordon.
Tobi, der die Demo gespielt und das Spiel durchgezockt hat, sieht es ähnlich – mit Ingenieursblick auf das Verschwendete:
“Ich glaube, so 50 Prozent von dem Spiel erlebst du halt genau eine Sekunde lang, während du dran vorbei rennst, obwohl es super schön aussieht.” – Tobi
Genau das ist die Tragik von Replaced: Da steckt eine Menge Handarbeit in jedem Frame, und die halbe Pracht rauscht im Vorbeilaufen an einem vorbei. Technisch lief es bei Tobi mit 120 FPS richtig gut, trotz Unity 6 – besser als Mouse PI. Den komischen HDR-Grauschleier (kein nativer HDR – eine schlechte Entscheidung) hat er per Special K weginjiziert, danach sah’s deutlich besser aus. Gordon ist der Grauschleier nicht mal aufgefallen. Das Combat wird später mit Doppelsprung, Gleiten, Helikoptermodus und Greifhaken etwas fordernder, aber Gegner-Angriffe überlagern sich manchmal so unfair, dass man sowieso getroffen wird. Und die Sprungphysik ist so wackelig, dass Tobi sich kurzerhand selbst aus dem Spiel befördert hat:
“Bin dann einfach ins Level geglitscht. Wär, hä, wat?” – Tobi
Lüftungsventil unter eine Wand geschoben, Doppelsprung gespammt, durch die Level-Geometrie gefallen. Game-Design-Diplom mit Praxisnachweis.
Die Story – Achtung, hier hat Gordon im Podcast extra zum Vorspulen aufgerufen – ist solide Sci-Fi, aber vorhersehbar: Eine KI landet nach einem Unfall im Körper eines Wissenschaftlers, lernt den Körper zu steuern, flieht vor einem totalitären Konzern-Staat in ein Ödland aus Aussätzigen und Raidern, und opfert sich am Ende für die Menschheit. Tobis Fazit ist klassisches Terminator-Motiv, mit einem Augenzwinkern serviert:
“Vielleicht war die Maschine der Menschlichste von uns allen.” – Tobi
Charaktere nett, niemand bleibt hängen. Als Maßstäbe nennen die beiden Limbo und Inside von Playdead sowie die Genrebegründer Another World und Prince of Persia – Spiele mit echtem Drive und besserem Pacing. Tobis nüchternes Resümee: “Sie haben es nicht zum Besseren gewandelt, das Genre.” (Wer Gordons Lieblings-Metroidvania Shadow Complex und Co. sucht: Das haben wir in Shadow Complex, Hollow Knight und die besten Metroidvanias abgefeiert.)
| REPLACED | |
|---|---|
| Plattformen | PC (Steam), Xbox Series X/S, Xbox One, PC Game Pass |
| Entwickler | Sad Cat Studios (Minsk, Belarus) · Publisher: Thunderful |
| Release | 14. April 2026 |
| Regulärer Preis | 19,99 € |
| Aktueller Bestpreis | 15,99 € (Historical Low, –20 %) · im PC Game Pass enthalten |
| Steam | store.steampowered.com/app/1663850 |
Verdict 👍 Solide – Das schönere, konsequentere Spiel von beiden, technisch sauber und atmosphärisch stark – aber ein Cinematic Platformer, der zu viel rennen und zu wenig spielen lässt. Tobi: “Ich wär jetzt nicht sauer, das gekauft zu haben.” Gordon würde es Mouse PI vorziehen, begeistert ist aber auch er nicht. Im Game Pass ein klarer Pflichttermin, zum Sale-Preis von 15,99 € ein fairer Deal für alle, die Optik über Tempo stellen.
Aus Gordons Demo-Kiste: schnell durchgeklickt
Zwischen den großen Enttäuschungen hat Gordon noch einen ganzen Stapel Demos durchgespielt – sein Pile of Shame schlägt zurück. Washington Prime (ein fordernder, schneller Doom-im-Bürokomplex, kostenlose Demo, “ganz nett gemacht”) und das “wirklich sauschwere” Panzer Strike im Stil von Sudden Strike führen die Riege an. Niedlich: Restore Chill Electronics Repair, ein Car-Mechanic-Simulator für Gameboys, PSPs und Ataris im Tokio der 90er. Highlight für Technik-Nerds ist Expedition into Darkness, ein Fantasy-Extraction-Shooter mit komplett zerstörbarer Geometrie – Goblins sprengen Wände, Monster brechen durch Türrahmen, die Performance ächzt entsprechend. Dazu die frische Stronghold 4-Demo (ein Remake von Teil 1, sieht “wirklich nicht schlecht aus”) sowie zwei Extraction-Shooter, die Gordon mit Müller angetestet hat: No Such Place und das Alien-Isolation-angehauchte Species Unknown (“nett gemacht, kurzweilig”). Mehr Shooter-Stoff dieser Sorte gibt’s in unserer Episode zu modernen Retro-Shootern und im großen Retro-FPS-Check mit Dusk, Ion Fury und mehr.
Wusstet ihr schon?
- 🐭 Micky Maus ist seit dem 1. Januar 2024 gemeinfrei. Der Steamboat-Willie-Kurzfilm von 1928 ist aus dem Copyright gefallen – genau diese Public-Domain-Vorlage nutzt Fumi Games für den Look von Mouse PI For Hire bewusst aus.
- 🎙️ Troy Baker spricht Detektiv Jack Pepper. Der Mann hinter Joel (The Last of Us) und Booker DeWitt (BioShock Infinite) reizte laut einem Variety-Interview vor allem der besondere Erzähl-Rhythmus des Noir-Stils.
- 🎨 Replaced ist Frame für Frame von Hand gezeichnet. Sad-Cat-Gründer Yura Zhdanovich (Art/Design) und Igor Gritsay (Musik – er komponierte auch den Soundtrack) zogen den kompletten Pixel-Art-Stil handgezeichnet durch.
Am Ende sind sich die beiden Game Designer einig: zwei grafisch coole Spiele, zwei enttäuschende Erlebnisse – Replaced macht’s besser, aber keins davon ist ein Pflichtkauf. Und genau deshalb bleibt Mouse PI For Hire die beste Mahnung dieser Folge: erst hören, dann kaufen. Gordons Bitte zum Abschied, und nehmt sie euch zu Herzen:
“Keine Spiele vorbestellen. Nicht mal GTA 6, Leute.” – Gordon
Tobi liefert das Gegenbeispiel gleich mit: Tormented Souls 2 war auch gehyped und am Ende schlechter als der Vorgänger. Also: erst hören, dann kaufen. Mehr von dem, was 2026 noch auf euch zurollt, gibt’s in unseren Spiele-Highlights 2026.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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