Sonic Spiele Teil 3: Von der Experimentier-Hölle zur Fan-Rettung
Schnallt euch an, Leute. In den letzten beiden Teilen unserer Sonic-Retrospektive haben wir uns durch die goldenen Mega-Drive-Jahre und die wackeligen 3D-Anfänge bis zum Werwolf-Desaster gekämpft. Jetzt wird’s ernst: Zwei ausgebildete Game Designer, die mit dem blauen Igel aufgewachsen sind, nehmen sich die modernen Sonic Spiele vor – von Sonic Colors über Sonic Generations bis hin zum glorreichen Comeback mit Sonic Mania. Und ja, wir müssen auch über Sonic Boom reden. Muss halt sein.
Tobi hat für diesen dritten und letzten Teil der Sonic-Reihe wieder seine komplette Bibliothek durchgespielt, jeden Titel noch mal angefasst und sogar die Collectors Edition für quasi jede Plattform im Regal stehen. Gordon versucht derweil, nicht den Verstand zu verlieren, während Tobi aus dem Gedächtnis die komplette Charakterliste von Sonic & Sega All-Stars Racing rezitiert. Spoiler: Es sind verdammt viele Charaktere.
Was folgt, ist eine ehrliche Abrechnung mit Segas größtem Problem: Sie haben eine der wichtigsten Marken der Videospielgeschichte und schaffen es seit über 20 Jahren nicht, eine konsistente Richtung einzuschlagen. Aber am Ende gibt’s Hoffnung – und die kommt ausgerechnet von den Fans selbst.
Unleashed auf der Series X: 12 Jahre später endlich spielbar
Kleines Update vorweg, bevor wir richtig loslegen: Sonic Unleashed, das Werwolf-Desaster aus Teil 2 unserer Retrospektive, läuft auf der Xbox Series X jetzt tatsächlich mit stabilen 30 Frames pro Sekunde. Zum ersten Mal seit Release 2008. Tobi hat es direkt angeschmissen, um zu testen, ob sich das Gameplay dadurch verbessert.
“Es fühlt sich schon besser an, aber es macht halt das Gameplay an sich nicht wirklich besser. Weiterhin also – gerade mit dem Werehog.”
Immerhin – nach 12 Jahren endlich stabil. Das war so ein bisschen die Crysis-Situation: Die Engine war einfach zu abgefahren für die damalige Hardware. Auf der Xbox 360 war das Spiel auf 30 FPS gecappt, die PS3-Version hatte eine unlocked Framerate, was meistens bedeutete, dass ihr irgendwo zwischen 20 und 30 rumgedümpelt seid. Jetzt ist es halt komplett auf 30 – und weil man sich in Sonic Unleashed so unglaublich schnell bewegt, macht das schon einen spürbaren Unterschied. Aber spielbar? “30 kann ich verstehen”, sagt Gordon trocken, “aber geil? Ne.”
Sonic and the Black Knight: Besser als Secret Rings, aber das ist keine Kunst
Kurz abgefrühstückt: Das ist der zweite Teil der Storybook-Serie für die Wii, in der Sonic bei den Rittern der Tafelrunde mitmischt. Knuckles als Ritter, Blaze als Prinzessin – lustige Story, auch schöne Animationen und nette Charaktere. Aber das On-Rails-Gameplay bleibt komisch. Sie haben immerhin die grauenhafte Gestensteuerung von Secret Rings durch analoge Steuerung ersetzt, was schon mal ein massiver Fortschritt ist. Aber die Missionsstruktur ist nach wie vor merkwürdig.
Tobis Tipp: “Ein Let’s Play davon anzugucken ist eigentlich gar nicht schlecht.” Das sagt über ein Sonic Spiel alles, was man wissen muss.
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Ein Traum der 90er, der nach einer Episode reicht
Die beiden ehemaligen Erzrivalen in einem Spiel – für alle, die in den 90ern groß geworden sind, war das ein erfüllter Traum. In der Realität? Eine Minispielsammlung, die sich auf die jeweiligen Olympischen Spiele konzentriert. Alle zwei Jahre ein neuer Titel, mal Sommerspiele, mal Winterspiele. Gordon hat den ersten Teil für den DS gespielt und fasst zusammen: “Eine reicht.” Und das stimmt. Die Steuerung ist auf die jeweilige Hardware angepasst, aber im Kern ist es ein generisches Minispiel-Game, in dem man auch andere Charaktere hätte einsetzen können.
Racing mit Sega-Allstars: Vom soliden Erstling zum besten Kart-Racer überhaupt
Jetzt wird’s richtig gut. Es gibt drei Racing-Titel in der Sonic-Reihe, und über alle drei können wir in einem Rutsch sprechen. Das erste, Sonic & Sega All-Stars Racing, ist solide – ein gutes Kart-Game mit einer irren Charakterliste, die tief in die Sega-Historie greift. Tobi rattert die Besetzung runter wie ein Lexikon: Die Bonanza Brothers, Samba de Amigo, Opa-Opa aus Fantasy Zone, Beat aus Jet Set Radio, Ryo Hazuki aus Shenmue in einer Gabelstapler-Variante, Alex Kidd, Ulala aus Space Channel 5, BD Joe von Crazy Taxi, die Chus aus ChuChu Rocket und AiAi aus Super Monkey Ball.
Gordon kommt sich dabei vor “wie Arthur aus King of Queens, der nur drauf wartet, bei jedem Wort eine Anekdote erzählen zu können.” Und Tobi muss tatsächlich bremsen, bevor Gordon bei jedem Charakter eine Tangente startet. Wusstet ihr übrigens, dass Super Monkey Ball das allererste Spiel war, das für iOS rauskam? Ja, wirklich.
Aber der eigentliche Star der Reihe ist Sonic & All-Stars Racing Transformed – und Tobi sagt es direkt: “Das ist meiner Meinung nach das beste Kart-Game bis dato.” Besser als Mario Kart. Kein krasser Rubberband-Effekt, ein echtes Rennspiel mit Items. Die Stages verändern sich von Runde zu Runde komplett, und euer Vehikel transformiert sich je nach Terrain – Auto, Boot oder Flugzeug, wie bei Diddy Kong Racing, nur dass es sich hier dynamisch während des Rennens verändert. Tobis Lieblingsstage? Die Skies of Arcadia Stage. “Wirklich cool.”
Die Charakterliste auf dem PC ist noch mal extra irre: Da kommen Football Manager, General Winter aus Company of Heroes, Willemus aus Rome 2: Total War, die Typen von Team Fortress 2, und – aus irgendwelchen Gründen – Rennfahrerin Danica Patrick dazu.
Und dann Team Sonic Racing – der dritte Teil, der leider alles zurückfährt. Nur noch Sonic-Charaktere, keine Transformation mehr, nur noch Kart. Dafür eine Teammechanik mit Dreier-Teams, gegenseitigem Boosten und Ultimate Moves statt zufälliger Power-Items. Das Konzept ist cool und stärker auf Multiplayer ausgerichtet, aber technisch war’s ein Desaster: Auf der Xbox One X nur 30 Frames für ein Rennspiel. “Alter, das ist ein Rennspiel”, regt sich Gordon auf. “Was ist denn das Problem? Spätestens der zweiten Runde müssten ja alle Assets geladen sein.” Dazu kam es als Budget-Titel für 30-40 Euro raus, und das merkt man.
Sonic the Hedgehog 4: Der Name, den sie sich für immer verbrannt haben
Hier passiert etwas Tragisches. Sega kündigt ein offizielles Sonic 4 an – nach Sonic 3 & Knuckles. Die Fans rasten aus vor Freude. Endlich! Alle erwarten ein klassisches 2D-Sonic. Und dann sehen sie es.
“Alle haben sich erhofft, wenn das Ding Sonic the Hedgehog 4 heißt – Scheiße, wir wissen was funktioniert, nämlich Sonic 1 bis 3 und Knuckles. Das ist das, was die Leute wollen. Das haben die uns auch oft genug im Internet gesagt.”
Episode 1 ist eine einzige Enttäuschung. Die Grafik? Ein komischer Render-Stil, plastikmäßig und unnatürlich. Der Sound? Sie haben versucht, den Mega-Drive-Sound zu emulieren, und es klingt wie jemand, der es nicht kann. Das Gameplay? Überall diese Sprungfedern, die euch durch halbe Levels katapultieren, ohne dass ihr irgendetwas tut. Und das Sprungverhalten fühlt sich einfach falsch an.
Gordon vergleicht das Drama mit Half-Life 2: Episode 2 – erst einen richtig guten Teil rausgebracht, dann mit Episoden experimentiert und nie über die zweite Episode hinausgekommen. “Half-Life 2 Episode 3? Nee, haben wir nicht rausgebracht”, grinst Gordon. “Oh nee, dann tut’s mir leid, dann kommt das auch nie.”
Tobi vermutet, dass der Entwickler Dimps – das ehemalige SNK-Team, das auch die Sonic-Advance-Reihe gemacht hat – einfach keine klare Direction von oben bekommen hat. Und dann kam das Feedback rein, und sie mussten alles nochmal umwerfen.
Episode 2 ist tatsächlich wesentlich besser. Die Musik funktioniert, der Grafikstil ist cooler, das Gameplay fühlt sich besser an. Ihr habt eine Teammechanik mit Tails – zusammen ein riesiges Rad formen, das Gegner überrollt, oder er fliegt euch nach oben. Die Sprungfedern-Hölle wurde abgeschafft, der Endboss ist ordentlich schwer. Metal Sonic kommt zurück. Aber es ist halt wieder kurz, weil episodisch. Und es leidet unter dem verbrannten Ruf von Episode 1.
“Die hätten das Ding einfach Sonic 5 nennen sollen”, sagt Tobi. “Aber dafür wäre es dann auch wieder zu kurz.” Merkt euch: Wenn ihr eine von den beiden Episoden spielen wollt, spielt Episode 2. Die Erste könnt ihr euch komplett schenken.
Sonic Colors: Endlich wieder aufatmen
Nach dem ganzen Experimentier-Chaos kommt 2010 ein Lichtblick: Sonic Colors für die Wii. Die DS-Version ist im Grunde Sonic Rush 3 – auch gut, alle Rush-Titel sind spielenswert. Aber auf der Wii haben sie das Boost-Gameplay von Unleashed genommen, es verfeinert und mit 2D-Abschnitten gemischt. Und das Ergebnis? “Ein richtig cooles Spiel, ehrlich gesagt”, sagt Tobi.
Der Aufhänger: Dr. Robotnik hat eine Raumstation mit Vergnügungspark gebaut und behauptet, er wolle sich für seine Missetaten entschuldigen. Natürlich nutzt er in Wirklichkeit die Wisps – ein ganzes Alienvolk mit unterschiedlichsten Formen und Fähigkeiten – als Energiequelle für seine Pläne. Die Wisps sind auch euer Gameplay-Gimmick: Verschiedene Kräfte, die ihr Stück für Stück freischaltet und retroaktiv in früheren Levels nutzen könnt.
Die Story und die Cutscenes sind das Highlight – “das lustigste Sonic Spiel bisher”, findet Tobi. Eggman ist extrem übertrieben dargestellt, die Dialoge sind wirklich witzig geschrieben. Und das Spiel sieht für ein Wii-Spiel verdammt gut aus: keine Frame-Einbrüche, alles butterweich. Tobis wichtigster Tipp: Mit dem GameCube-Controller spielen, nicht mit der Wii Remote. “Diese ganze Controller-Flickflack-Scheiße – lass das mal alles weg.”
Gordon, der bis dahin gar nicht wusste, dass Colors gut ist, will es sofort spielen. Über Dolphin emuliert wäre es noch cooler, mit hochskalierten Grafiken. “Super schade, dass die das nicht nativ in HD rausbringen”, seufzt Tobi. Inzwischen gibt es mit Sonic Colors: Ultimate tatsächlich eine HD-Version auf Steam – also ran da.
Sonic Generations: Das rundeste 3D-Sonic – und eine Liebeserklärung an die Fans
2011 wird dann richtig geliefert. Sonic Generations ist die ultimative Feier der kompletten Sonic-Historie, und Tobi nennt es “von den modernen Sonic Spielen das rundeste bisher.” Das Konzept: Durch ein Raumzeit-Kontinuum-Rift wird der Classic Sonic in die Moderne geholt und trifft auf den Modern Sonic. Jede Stage gibt es zweimal – einmal als reines 2D für Classic Sonic und einmal als Boost-Gameplay für Modern Sonic.
Alle Levels sind recycelt – aber aus den BESTEN Spielen. Green Hill Zone, Chemical Plant, Sky Sanctuary, Levels aus Sonic Adventure, Sonic 2006 (ja, sogar die funktionieren hier!) und Sonic Colors. Und das Geniale: Sie haben Levels aus Unleashed und 2006 so aufpoliert, dass sie in 60 Frames butterweich laufen und richtig Spaß machen. “Das sieht heute noch richtig cool aus”, sagt Tobi – und das Spiel ist mittlerweile 14 Jahre alt.
Zwischendurch kämpft ihr gegen Metal Sonic, Shadow und Silver als optionale Bosse. Das Spiel ist prallvoll mit Collectibles, Soundtracks aus allen Epochen und Artwork. Selbst die 3DS-Version hat exklusive Levels – Mushroom Hill statt Sky Sanctuary, Tropical Resort statt Planet Wisp – und ist eigenständig spielenswert.
“Wenn man Generations mochte, kann man auch das 3DS-Spiel spielen. Macht genauso viel Spaß.”
Das 2D-Gameplay fühlt sich hier endlich richtig gut an, und der Kontrollverlust, der bei vielen 3D-Sonic-Spielen nervt – zu wenig Orientierung, zu schnell ins Nichts fallen – ist deutlich besser. Sonic Generations ist auf Steam verfügbar, und mit Sonic x Shadow Generations gibt es inzwischen sogar ein Remaster.
Sonic Lost World: Mario Galaxy mit Igel – aber bitte mit Frustgarantie
Nach Colors, Generations und All-Stars Racing Transformed denkst du: Sega hat’s kapiert. Sie haben ein richtig gutes Ding am Laufen. Einfach weitermachen, oder? Nein. Natürlich nicht. Stattdessen: Alles über den Haufen geworfen, komplett von Null angefangen. Wieder.
Sonic Lost World klaut sich das Konzept von Mario Galaxy – sphärische Welten, um die ihr rotieren könnt, verschiedene Planeten, die miteinander verbunden sind. Klingt cool auf dem Papier. In der Praxis? “Es ist ein gutes Spiel”, sagt Tobi vorsichtig. “Aber auch nur gut.”
Das Gameplay wechselt ständig die Gimmicks: Mal rollt ihr als riesige Schneekugel durch die Gegend, mal grindet ihr auf Schienen, mal gibt es ein komplettes Parkour-System, das nirgendwo vernünftig erklärt wird. “Da gab’s Level, wo ich einfach nicht wusste, wie ich an bestimmte Bonus-Sachen rankommen muss”, erzählt Tobi. “Und gegen Ende des Spiels wird’s plötzlich erforderlich, und dann verstehst du erst: Ach, DAS sollte ich machen.” Es gibt ein Gatekeeping mit Flickies – den kleinen Vögeln aus dem Sonic-Universum – bei dem ihr ständig langweilige Minigames spielen müsst, weil ihr in den normalen Levels nie genug sammelt.
Die Bösewichte sind leider starke Stereotypen: “Der eine ist so ein Emo-Typ, die Frau natürlich immer dabei sich die Nägel zu machen – uncool, ehrlich gesagt.” Nur einer wurde für spätere Sonic Spiele gerettet, weil der Rest eher cringe war. Die PC-Version hat technische Probleme – 24 FPS trotz starker Hardware, und kein Fix hilft. Aber: Es sieht wunderschön aus, die DLCs sind klasse (besonders das Zelda-DLC, in dem Sonic in Links Klamotten Rupien sammelt), und wenn ihr euch drauf einlasst, macht es Spaß. Lost World gibt es auf Steam – aber testet vorher, ob es bei euch läuft.
Sonic Boom: Die CryEngine zum Weinen gebracht
Hier müssen wir kurz über die Sonic-Boom-Animationsserie reden: Die ist nämlich tatsächlich lustig. 50 Episoden pro Staffel, von einem französischen Studio gemacht, erste Staffel auf Netflix. “Das sind wirklich lustige Cartoons”, sagt Tobi. “Guckt euch mal ein, zwei Episoden an.” Redesign aller Charaktere: schlanker, Sportstape überall, und Knuckles sieht aus wie ein Schrank. “Wir brauchen noch mehr Accessoires!”, sagt Gordon im französischen Akzent.
Die Spiele dazu? Katastrophe. Sonic Boom: Rise of Lyric für die Wii U steht bei 32 auf Metacritic – und das zurecht. Das Spiel wurde von Big Red Button mit der CryEngine auf der Wii U entwickelt. Ja, ihr habt richtig gelesen: CryEngine auf der Wii U. Das Ergebnis ist ein Produktionschaos sondergleichen: schwarze Frames in den Cutscenes, fehlende Kollisionen – “da kannst du einfach in die Wand dahinter reinspringen, weil die Kollision fehlt”, erzählt Tobi fassungslos. Ein releastes Spiel. Auf einer Nintendo-Konsole.
Es gab den berühmten Infinite-Glitch mit Knuckles: Doppelsprung, Pause, Entpausieren, nochmal Doppelsprung – endlos. Rudimentäres Kampfsystem, fast leere Open-World-Hubs, wo man merkt, dass da eigentlich viel mehr hätte sein sollen. “Du hast das Gefühl, es wird von Zahnseide zusammengehalten”, fasst Tobi zusammen. “Oder von Zahnstochern.” Gordon ergänzt: “Zahnseide ist ja relativ reißfest, nur halt sehr dünn.”
Shattered Crystal für den 3DS? “Echt uninteressant und langweilig.” Fire & Ice als Nachfolger soll besser sein, aber auch maximal gut. Nicht spektakulär, nicht kaputt – nur eben auch nichts, wofür man morgens aufsteht.
Sonic Forces: Wenn Fans ihre eigenen Sonic-Avatare basteln
2017 kommen zwei Sonic Spiele gleichzeitig raus – und über das eine müssen wir zuerst sprechen, damit wir mit dem positiven enden können. Sonic Forces ist der neue Titel von Sonic Team. Die Story ist absurd düster: Dr. Eggman erobert mit dem mysteriösen Bösewicht Infinite 95% der Welt, Sonic wird gefangen genommen und monatelang gefoltert. “Gefoltert?”, fragt Gordon ungläubig. “Und danach ist er einfach so ‘Hey cool, endlich werde ich hier rausgeholt, alles cool’?” Ja. Sonic halt.
Das große Gimmick: Ihr könnt euch einen eigenen Charakter basteln – sechs Rassen, männlich oder weiblich, frei customizebar. Die Furry-Memes schreiben sich von selbst. Dieser Rookie schließt sich dem Widerstand an und kämpft mit Waffen, die von Wisps angetrieben werden. Dazu Classic Sonic (über den Phantom Ruby aus Sonic Mania in die Zukunft geschickt) und Modern Sonic – drei Spielstile.
Der Soundtrack ist ungewöhnlich – eher Techno-lastig, gesungen von dem Sänger von Hoobastank. “Hoobastank”, wiederholt Gordon. “Kenne ich.” Tobi liebt den Soundtrack so sehr, dass er ihn auf CD im Regal stehen hat. Die Fistbump-Attacke mit Sonic, während der Titelsong läuft? “Das ist so lustig und ja, ich finde, es hat sehr viel Charme”, schwärmt Tobi.
Aber: Die Classic-Sonic-Levels fühlen sich schlechter an als bei Generations, die Levels sind sehr kurz, und die Steuerung überreagiert ständig – der Analogstick ist einfach zu sensitiv. Es kam als Budget-Titel für 40 Euro, und das merkt man. Auf der Switch nur 30 FPS. Die öffentliche Meinung? Verrissen. Tobis Meinung? “Mir hat das verdammt Spaß gemacht.” Gordons Empfehlung: Hört auf Tobi, nicht aufs Internet. Wenn ihr es für 10-15 Euro findet, versucht’s mal – auf jeder Plattform außer der Switch. Sonic Forces auf Steam.
Sonic Mania: Das Spiel, auf das wir 20 Jahre gewartet haben
Und jetzt der krönende Abschluss. Das Spiel, das eigentlich Sonic 4 hätte sein müssen. Das Spiel, das zeigt, was passiert, wenn Fans die Kontrolle übernehmen. Sonic Mania.
Die Geschichte dahinter ist fast so gut wie das Spiel selbst: Christian Whitehead, ein Fan-Entwickler, der mit seiner Retro Engine bereits die Ports von Sonic CD, Sonic 1 und Sonic 2 gemacht hat, tut sich mit Simon Thomley (Headcannon) und PagodaWest Games zusammen. Gemeinsam bauen sie ein Fangame, das so gut ist, dass Sega sagt: “Macht ihr einfach mal ein offizielles Sequel.” Man muss sich das mal vorstellen – die Fans machen das Spiel, das der Entwickler selbst seit 20 Jahren nicht hinbekommt.
Und es ist brillant. Es spielt sich wie Sonic 3 & Knuckles, sieht aus wie ein Saturn-Sonic es hätte aussehen können, läuft in 16:9 statt 4:3 – was einen enormen Gameplay-Vorteil bringt, weil ihr endlich seht, was auf euch zukommt. “Das merkt man erst, wenn man zurückgeht zu den alten Spielen”, sagt Tobi. “Die hast du auswendig gekannt, weil du die so oft spielen MUSSTEST.”
Es gibt genau einen neuen Move: den Drop Dash. Sprung gedrückt halten, auf dem Boden aufkommen, instant Spin Dash. Klingt simpel, ist genial – es hält den Flow aufrecht, ohne alles zu verändern. “Sie haben sich wirklich konzentriert”, betont Tobi. “Sonic, Tails, Knuckles – fertig. Kein Feuer. Das ist Stein, Schere, Papier, und keine Axt und kein Spock.”
Die Special Stages? Saturn-artige 3D-Grafik, psychedelische Backgrounds, ein Rennen gegen ein UFO mit Chaos Emerald. Die Bonus Stages? Die blauen Kugeln aus Sonic 3. Die neuen Levels – Mirage Saloon, Press Garden, Studiopolis – sind das absolute Highlight, und die recycelten Levels wurden so überarbeitet, dass sie frisch wirken. Der Endboss-Fight gegen die Hard-Boiled Heavies und den “Egg-Reverie” ist der geheime Abschluss, wenn ihr alle Chaos Emeralds habt.
Und dann kam das Plus-Addon mit dem Encore Mode: Alle Stages leicht verändert, neue Tageszeiten, anderes Layout – und zwei neue Charaktere aus dem obskuren Arcade-Game Sega Sonic: Ray the Flying Squirrel (kann gleiten wie Marios Cape in Super Mario World, nur schneller) und Mighty the Armadillo (kann nicht von Stacheln verletzt werden und hat einen Ground Pound). Im Encore Mode habt ihr statt Leben einfach Charaktere, die sterben – maximal fünf, und wenn alle weg sind, ist Schluss.
“Das ist die Essenz von Sonic. Das ist das, was wir denken, was damals hätte rauskommen sollen.”
Und natürlich gibt es den “Knuckles & Knuckles”-Modus. Weil Memes.
Tobi hat das Spiel für Switch, Xbox One (Collectors Edition mit Plastik-Mega-Drive-Statue und Sega-Jingle), PS4 (physische Plus-Edition mit wendbarem Mega-Drive-Cover) und PC. “Ich wollte halt, dass Sega versteht: Dieses Spiel ist cool.” Gordon lacht: “Der gleiche Typ, der auf Netflix alle Folgen von Sonic Boom angeguckt hat, hat auch alle Versionen gekauft.” Sonic Mania auf Steam – kauft es einfach.
Segas großes Problem: Kein Vision Keeper für den wichtigsten Charakter
Was sich durch alle drei Teile unserer Sonic-Retrospektive zieht wie ein roter Faden: Sega hat keinen Miyamoto für Sonic. Gordon malt sich das Bild aus: Bei Nintendo sitzt Shigeru Miyamoto in seinem Büro, spielt sich den ganzen Tag an den Füßen, bis einer reinkommt und fragt, ob er das neue Zelda so nennen darf. Und Miyamoto holt ein dickes Pamphlet raus mit der Lore der nächsten 40 Jahre.
Bei Sega? “Da schreibst du eine E-Mail an die Geschäftsführung, sagst ‘dürfen wir das Sonic 4 nennen?’ und irgendeiner sagt ‘ja, mach ruhig’.” Kein Vision Keeper, kein alter Mann in einer Kammer mit Igelfarm und Sonic-Bildern an der Wand. Die haben die einzige wirklich wichtige Marke, die sie noch besitzen – ein Charakter, der alleine eine Konsolengeneration gerettet hat – und schaffen es nicht, eine konsistente Richtung vorzugeben.
“Es ist wie Zielschießen mit einer Pumpgun bei den Sonic-Titeln. So – hast du Glück wenn du ein gutes triffst.”
Und das Verrückte: Die Community hält trotzdem die Treue. Es gibt zwei jährliche Contests für Sonic-Hacking und Fangames. Die Fanbase in den USA ist riesig. Und am Ende sind es die Fans, die Sega zeigen, wie es geht – mit Sonic Mania. Now it’s the time to rise and shine as a fan.
Welche Sonic Spiele müsst ihr spielen? Tobis ultimative Empfehlung
Wenn ihr begrenzte Zeit habt und nur die besten Sonic Spiele spielen wollt, hier Tobis Kurzfassung aus drei Podcast-Teilen:
- Pflicht: Sonic 1, 2, 3 & Knuckles (die Klassiker), danach direkt Sonic Mania
- Bestes Kart-Racing: Sonic & All-Stars Racing Transformed
- Bestes modernes 3D-Sonic: Sonic Generations
- Lichtblick auf der Wii: Sonic Colors
- Solide, aber frustrierend: Sonic Lost World, Sonic Forces
- Nur Episode 2: Sonic the Hedgehog 4 (Episode 1 könnt ihr euch schenken)
- Finger weg: Sonic Boom: Rise of Lyric
🤔 Wusstet ihr schon?
- 🎮 Super Monkey Ball war das allererste Spiel, das 2008 im iOS App Store erschien – noch vor allen anderen Games auf dem iPhone.
- 🏎️ In Sonic & All-Stars Racing Transformed auf dem PC konnten die Team-Fortress-2-Charaktere als spielbare Racer freigeschaltet werden – eine Kooperation mit Valve.
- 🐍 Sonic Boom: Rise of Lyric wurde tatsächlich mit der CryEngine entwickelt – einer Engine, die vorher noch nie auf der Wii U eingesetzt worden war. Das Ergebnis: Metacritic-Score von 32.
- 🦔 Sonic Mania wurde von Fan-Entwickler Christian Whitehead (alias “Taxman”) und Simon Thomley (alias “Stealth” von Headcannon) entwickelt – zusammen mit PagodaWest Games. Es begann als Fangame und wurde von Sega zum offiziellen Sequel erhoben.
- 🎵 Die Vocals in Sonic Forces wurden vom Sänger der Band Hoobastank eingesungen – eine ungewöhnliche Wahl, die die Fans gespalten hat.
Die Spiele dieser Episode
| Spiel | Plattformen | Jahr | Shop |
|---|---|---|---|
| Sonic Unleashed | PS3, Xbox 360, Wii | 2008 | – |
| Sonic and the Black Knight | Wii | 2009 | – |
| Sonic & Sega All-Stars Racing | PS3, Xbox 360, Wii, DS, PC | 2010 | Steam |
| Sonic the Hedgehog 4: Episode 1 | PS3, Xbox 360, Wii, iOS, PC | 2010 | Steam |
| Sonic Colors | Wii, DS | 2010 | – |
| Sonic Colors: Ultimate | PS4, Xbox One, Switch, PC | 2021 | Steam |
| Sonic Generations | PS3, Xbox 360, 3DS, PC | 2011 | Steam |
| Sonic & All-Stars Racing Transformed | PS3, Xbox 360, Wii U, PC | 2012 | Steam |
| Sonic the Hedgehog 4: Episode 2 | PS3, Xbox 360, iOS, PC | 2012 | Steam |
| Sonic Lost World | Wii U, 3DS, PC | 2013 | Steam |
| Sonic Boom: Rise of Lyric | Wii U | 2014 | – |
| Sonic Boom: Shattered Crystal | 3DS | 2014 | – |
| Sonic Boom: Fire & Ice | 3DS | 2016 | – |
| Sonic Mania | PS4, Xbox One, Switch, PC | 2017 | Steam |
| Sonic Forces | PS4, Xbox One, Switch, PC | 2017 | Steam |
| Team Sonic Racing | PS4, Xbox One, Switch, PC | 2019 | Steam |
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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