199 Dollar für einen N64-Nachbau. Exakt der Preis, den das Original 1996 gekostet hat, was entweder rührende Preisdisziplin ist oder der beste Marketing-Gag des Jahres. Der ModRetro M64 steht im Regal, Palmer Luckey zielt damit ungeniert auf Analogue, und im Studio gehen die Meinungen sofort auseinander: Gordon will das Ding ins Wohnzimmer stellen, Tobi guckt gelangweilt zu seinem MiSTer rüber.
Außerdem in KW 32: Croc 2 kommt zurück, Ron Gilbert baut nochmal ein Thimbleweed Park, Pokémon Rot läuft nativ am PC – und zum Schluss Zahlen aus der Branche, nach denen ihr euch den Rest des Sommers freiwillig ins Bett legt. Aufgenommen bei 29 Grad. Man hört jeden einzelnen davon.
🥵 Aus dem Studio: geschwitzt, gebaut, komplett vergessen
Fangen wir mit der Schande an: Die Sonntagsfolge gibt es nicht. Nicht verschoben. Nicht abgestürzt. Schlicht nie aufgenommen. “Wir haben einfach keine aufgenommen”, sagt Tobi mit der Ruhe eines Mannes, der drei Wochen lang eine IKEA-Küche zusammengeschraubt hat. Nach all den Jahren ist das Premiere, und die Ausrede lautet: Es war zu warm.
“Ich schwitze beim Sitzen. Das ist für mich neu.” – Gordon
Tobis Konter darauf drucken wir hier nicht ab, das ist besser für alle Beteiligten. Ansonsten: Küche fertig (Linie Metod, Rückwände labbrig wie erwartet, Rest solide), Gordon hat live zwei Geister-Audiogeräte in seinem Windows deaktiviert, deren Herkunft bis heute ungeklärt ist. Ab Wochenende sitzt er in Österreich, Equipment kommt mit, der Akzent wächst unterwegs.
🎮 Was wir gespielt haben
Gordon hat Windows von seinem ROG Ally geworfen und SteamOS installiert – vorher war das Gerät für ihn Deko. Tobi wollte auf seinem Schenker nachziehen und scheitert an Intel plus Nvidia, einer Kombination, für die Bazzite freundlicherweise selbst “Beta mit bekannten Problemen” ins Kleingedruckte schreibt. Er hat stattdessen das Croc-Remaster gespielt, Banjo-Kazooie am PC durchgezockt und zuletzt das Adventure Nightmare Frames.
🐊 Croc 2 kommt – und diesmal mit dem Namen von 1999
Argonaut Games bringt den Nachfolger zurück: Croc 2 Kingdom of the Gobbos, über 40 Level, Q4 2026, für Switch, PS4, PS5, Xbox Series X/S und PC via Steam und GOG. Der sperrige Untertitel ist kein Marketing-Unfall, sondern der originale Arbeitstitel. Dazu wieder ein digitales Museum voller Concept Art, geschnittener Inhalte und Entwickler-Interviews – also genau der Kram, für den man eigentlich kauft.
Tobi hat den ersten Remaster durch und lobt vor allem, dass Croc endlich nicht mehr fährt wie ein Gabelstapler: Aus Tank Controls wurde volle 3D-Steuerung. Gordon stellt klar, dass Tank Controls damals niemand toll fand, sondern schlicht kein Controller vor dem N64 einen Analogstick hatte. Beste Fußnote der Ära: Argonaut pitchte bei Nintendo ein Yoshi-Spiel, bekam eine Absage und schnitzte auf der PlayStation ein Krokodil daraus. Mario 64 hat trotzdem allen die Schuhe ausgezogen, Bubsy 3D am gnadenlosesten.
🕵️ Thimbleweed Park 2 – 2028, und diesmal zahlt jemand anderes
Ron Gilbert legt nach: Anfang 2028, Steam und GOG, Windows, Mac und Linux, wieder ein Mordfall in Thimbleweed Park. An Bord sind Mark Ferrari, Gary Winnick, David Fox, Octavi Navarro und Robert Megone, also das halbe Originalteam. Kein Kickstarter diesmal, sondern ein privater Investor und Selbstverlag – man hat offenbar dazugelernt.
Gordon kennt David Fox aus einem Interview und findet die Personalie deutlich spannender als das Genre, weil ihm Adventures zu viel Rumklicken und zu wenig Spiel sind. Tobi liefert die Chronologie: Anfang der 2000er hat sich das Genre selbst erledigt, als alle auf 3D umgestiegen sind – Simon the Sorcerer 3D, King’s Quest: Mask of Eternity und ein Gabriel Knight 3, das aussah, als hätte es jemand aus Kaugummi modelliert.
“Der letzte Adventure-Hype ist auch schon wieder 20 Jahre her.” – Gordon
Seine These: Adventures stehen heute exakt da, wo klassische Echtzeitstrategie steht. Lange totgesagt, jetzt ordentliches Revival, aber mit einer Zielgruppe, die mit dem Genre gemeinsam graue Haare bekommen hat.
🔧 Portrunde: Pokémon nativ, Banjo neu gebaut, Alucard doppelt
Gen1Recomp setzt Rot, Blau und Gelb als native Neuimplementierung um, läuft unter Windows und Android und zieht alle Daten aus dem ROM, das ihr selbst mitbringt. Dazu gibt es optional einen Voxel-Mod, der die Game-Boy-Optik in eine 3D-Kulisse verwandelt. Begeisterung: überschaubar.
“Die alten Pokémon-Spiele spielst du wegen der Optik. Sonst musst du den alten Kram ja nicht spielen.” – Gordon
Worauf Gordon wirklich wartet, sind die Emulator-Mods auf den nativen Ports: Quality of Life, neue Speedruns und meinetwegen das Mew unter dem LKW endlich als echter Content statt als Schulhoflüge. Dazu kommt Banjo-Kazooie von Harbour Masters, diesmal von Grund auf aus der Lighthouse-Decompilation, mit Randomizer und Online-Koop – Tobis Tipp: Sichtweiten-Mod an, “best ever”. Bei Symphony of the Night gibt es inzwischen zwei Wege, die ältere Xbox-Live-Arcade-Variante und einen Recomp der US-PlayStation-Fassung. Wie dieser ganze Zauber technisch funktioniert, steht in unserem How-To zu Silent Hill und Fatal Frame am PC. Auf Tobis Liste stehen außerdem Syphon Filter und Diddy Kong Racing, das dank Decompilation mittlerweile auf einer Dreamcast läuft – ein Satz, der ungefähr 25 Jahre zu spät kommt. Gordon bleibt derweil bei seiner Lieblingskontroverse: Neben Mario Kart 64 hat Diddy Kong Racing immer verloren, spätestens im Multiplayer bei gefühlt zehn Frames.
🕹️ ModRetro M64: FPGA zum Preis von 1996
Nach dem Game-Boy-Klon Chromatic ist der ModRetro M64 die zweite Hardware der Firma: AMD-FPGA mit angepasstem MiSTer-N64-Core, bis zu 4K über HDMI, Originalmodul rein, fertig. 199 Dollar Einstieg, während Analogue fürs 3D aktuell 269,99 aufruft. Ob ein Pad im Karton liegt, war im Studio strittig – ModRetro wirbt mit einer transluzenten Nachbildung des Dreizack-Controllers, also vorher aufs Bundle schauen, bevor ihr mit einer Konsole und ohne Steuerung dasteht (Details bei Notebookcheck).
Für Gordon zählt vor allem das Gehäuse: spritzgegossen, wohnzimmertauglich, kein 3D-Druck-Bastelklotz mit sichtbaren Layern. Tobi bleibt beim MiSTer.
“Wenn dir reicht, dass du es in derselben Performance spielst wie auf dem originalen N64 – für mich ist das der Killer.” – Tobi
Die Zielgruppe ist trotzdem glasklar: neuer Fernseher, alte Modulsammlung, null Bock auf Scaler-Ketten und Forenbeiträge von 2013. Und die braucht so ein Gerät ohnehin, weil die Originalkonsolen reihenweise sterben und ein Recap mit frischen Kondensatoren genau einer von tausend hinbekommt. Alle anderen drücken einmal auf Power, sehen ein Wölkchen und werfen das Ding weg. Wo der M64 zwischen Analogue, Everdrives und MiSTer steht, haben wir in unserer Grundlagenfolge zu Analogue, Everdrives und FPGA auseinandergenommen.
🎪 Pixel Arcadia: ein Showcase ohne Bühnenzirkus
Am 24. August läuft die erste Ausgabe von Pixel Arcadia: 90 Minuten, ausschließlich Retro und Indie, gesponsert unter anderem von GOG und Clear River Games. Keine Laudatio, kein Moderator, der uns erklärt, wie sehr Spiele verbinden – nur Trailer. Gordon nennt es eine heruntergebrochene Keighley-Show, was hier ausnahmsweise ein Kompliment ist. Termin liegt direkt vor der Gamescom-Woche.
💀 Rant der Woche: 14.259 Entlassungen und ein Bonus obendrauf
Der ASGC Games Industry Layoffs Tracker hat seine Prognose für 2026 um 78 Prozent nach oben korrigiert: von 8.025 auf 14.259 Entlassungen weltweit (GamesIndustry.biz). Tobis Umrechnung fürs Bauchgefühl: rund zehn komplette Assassin’s-Creed-Teams, einfach weg.
Und weil es sonst zu wenig weh täte, dazu die Bilanz bei EA: Im Geschäftsjahr 2026 flogen Leute aus den Battlefield-Studios, CEO Andrew Wilson kam auf 38,7 Millionen Dollar Vergütung, knapp acht Millionen mehr als im Vorjahr. Parallel läuft die 55-Milliarden-Übernahme durch ein Konsortium rund um den saudischen Staatsfonds, EU-Freigabe liegt vor. Man könnte auch mal oben kürzen statt unten, aber das steht offenbar in keinem Excel-Sheet. Gordons Kommentar dazu ist kürzer als dieser Absatz und leider nicht jugendfrei. Wer den gebrannten Vormonat noch im Kontext braucht: steht in den News aus KW 31.
💡 Wusstet ihr schon?
- 🕹️ Die 199 Dollar für den ModRetro M64 sind exakt der US-Startpreis des Nintendo 64 von 1996.
- 🐊 Croc war ursprünglich ein Yoshi-Pitch bei Nintendo. Nach der Absage wurde daraus ein Krokodil auf der PlayStation.
- 🎬 Thimbleweed Park 2 kommt ohne Kickstarter: Terrible Toybox veröffentlicht selbst, finanziert über einen privaten Investor.
Ein ModRetro M64 im Wohnzimmer, Croc 2 zum Jahresende, Alucard gleich zweimal am PC – und dazu eine Branche, die sich selbst in Stücke schneidet. Willkommen im Sommer 2026. Nächste Woche rückt die Gamescom näher, und wir hoffen inständig auf Nachrichten, die nicht in Kündigungsschreiben enden.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast

