Stellt euch vor, ihr sitzt zum ersten Mal wirklich im Kart. Nicht hinter Mario, sondern als Mario. Ihr dreht den Kopf nach hinten, seht den roten Panzer kommen – und könnt trotzdem nichts machen. Mario Kart 64 in VR ist da, kostenlos, mit Head-Tracking. “Das ist genau das, wofür das gemacht wurde”, sagt Gordon, und ausnahmsweise widerspricht ihm keiner.
Außerdem dabei: Microsofts Plan für eine lückenlose Xbox-Bibliothek, ein Projekt namens Xodus, das nächste Serverabschaltungs-Karussell, Rock Paper Shotguns Stop-Killing-Games-Blamage und eine Recompilation-Runde, die schneller läuft als jeder offizielle Remaster. Und Tobi hat einen guten Grund, warum die nächste Folge etwas dauert.
🏔️ Aus dem Studio: Urlaub, iPad und ein Vater in Wartestellung
Die Folge startet mit einem Klassiker: Gordon nimmt über die iPad-App auf und findet den Punkt nicht, an dem man seinen eigenen Namen ändert. “Peoplepanel? Keine Ahnung. Ist auch scheißegal, ist alles überflüssig hier.” Am Ende heißt er im Call einfach Triberg Media. Dazu meldet er sich aus dem Urlaub in Österreich, wo der Realitätsverlust total ist: Wochentag unbekannt, Kalenderwoche sowieso.
Der eigentliche Grund, warum die Folge fast ausgefallen wäre: Tobi wird Vater. Die Aufnahme entstand im Wartemodus, Gordon hatte für den Fall der Fälle schon Plan B – die News allein runterrattern. Musste er nicht. Dafür dauert die nächste Folge etwas länger. Aus sehr guten Gründen.
🐧 Xodus: Xbox und Game Pass auf Linux
Fangen wir mit der Meldung an, bei der wir im Podcast selbst danebenlagen. Gordon hat das Ding als “Exodus Projekt” vorgestellt, das die Xbox-Authentifizierung für den Game Pass knackt. So ist es nicht: Das Projekt heißt Xodus und bringt die Xbox-PC-App samt Game Pass unter Linux zum Laufen. Kein DRM-Bypass, sondern ein Kompatibilitätsprojekt für Leute, die von Windows weg wollen.
Die eigentliche Diskussion drehte sich ohnehin um etwas anderes: um die Frage, was “kaufen” digital noch bedeutet. Gordon regt sich darüber auf, dass Käufe verschwinden und Anbieter dann mit dem Lizenzmodell wedeln. “Da steht jetzt kaufen. Da steht nicht jetzt leihen auf unbestimmte Zeit.” Tobi bringt das Google-Beispiel, bei dem gekaufte Filme aus Kundenbibliotheken verschwunden sind. Irgendwann muss das mal richtig knallen, sonst ändert sich nichts.
📀 Project Helix: Microsoft will die komplette Xbox-Geschichte
Die stärkste Meldung der Woche kommt aus geleakten Microsoft-Unterlagen. Die nächste Xbox – Project Helix – soll Spiele aller Xbox-Generationen abspielen: Original Xbox, Xbox 360, Xbox One, Series X|S. Jason Ronald hatte die Rückkehr der Abwärtskompatibilität schon auf der GDC 2026 zum 25. Xbox-Geburtstag angekündigt.
Dazu die geleakte Disc-to-Digital-Roadmap: Ab August 2026 sollen Xbox-One- und Series-Discs in die digitale Bibliothek eingelesen werden, im Oktober folgt der Original-Xbox-Katalog auf dem PC, 2027/2028 die 360-Integration.
“Ich finde das System gar nicht so schlecht. Es wird findige Leute geben, die das umgehen – aber wenn es für 80 Prozent der Leute gut ist, interessieren mich die anderen 20 nicht.” – Gordon
Der Haken bleibt derselbe wie immer: Bei Microsofts eigenen Marken ist das kein Problem, bei allem anderen müssen erst die Publisher mitspielen. Der Stein der Weisen für Preservation ist das nicht, aber die Richtung stimmt.
💀 Server aus, Spiel weg – das Monatsritual
Passend dazu die nächste Abschaltrunde, nachdem wir schon in den News der Vorwoche über Entlassungswellen und FPGA-Klone gesprochen hatten. Im August verlieren NBA 2K Playgrounds 2 und WWE 2K Battlegrounds (beide 20.08.), Warface: Clutch (25.08.) sowie NHL 22 und NHL 23 ihre Server. Grid Legends und Sociable Soccer 25 hatten wir für August auf dem Zettel – die trifft es eher im September, Sociable Soccer 25 offiziell am 28.09.2026.
Gordons Position dazu ist unmissverständlich: Dass ein Spiel abgeschaltet wird, wenn es sich wirtschaftlich nicht mehr trägt, ist nachvollziehbar. Aber dann bitte den Code offenlegen. “Gib mir doch die scheiß Exe-Datei für meinen Computer, damit ich den Dedicated Server laufen lassen kann. Und gut ist.” Ob zehn oder tausend Leute noch spielen, spielt dabei keine Rolle.
📰 Rock Paper Shotgun und die Hausaufgaben
Womit wir bei Stop Killing Games wären – und bei Tobis Aufreger der Woche. Rock Paper Shotgun hat Entwickler von Anthem, SpaceCraft und Warframe befragt, was die Initiative technisch und finanziell bedeuten würde.
Tobis Problem: Die Fragestellung lief darauf hinaus, ob man bestehende Live-Service-Spiele komplett umbauen müsse. Darum geht es der Initiative nicht – sie zielt auf künftige Spiele, die von vornherein einen Plan für Server-Shutdown und Redundanz haben sollen.
“Ihr holt prominente Leute aus der Industrie für ein Interview ran und macht nicht mal die Basics, um zu checken, was Stop Killing Games eigentlich will.” – Tobi
Ergebnis: Rock Paper Shotgun ist aus Tobis Feed geflogen. Was ihn selbst ärgert, weil die eigentlich gute Sachen machen. Wir hatten das Thema schon in unseren News zum Controller-Schock bei 007 First Light.
🎮 Mario Kart 64 in VR – und die restliche Recomp-Flut
Und jetzt zum Spaßteil. Auf GitHub liegt ein Mod, der Mario Kart 64 in echtes VR verwandelt: First-Person aus dem Kart heraus, Head-Tracking, stereoskopisches 3D. Gebaut hat das RaYRoD TV auf Basis von SpaghettiKart, dem PC-Port von Harbour Masters. Das Ding lag monatelang unbeachtet herum – bis ein Video auftauchte und die Sache durch die Decke ging.
Gordon hat schon Pläne: VR-Brille rauskramen und gucken, ob Multiplayer läuft. Sich im Rennen umdrehen und den roten Panzer kommen sehen – genau die Art von Feature, für die Recompilations gemacht sind.
Der Rest der Runde: Diddy Kong Racing hat seit dem 2. August einen nativen PC-Port für Windows, macOS und Linux, inklusive Ultrawide-Support – ROM vorausgesetzt. Dazu ein F-Zero X PC-Port samt 64DD-Strecken, ein Condemned 2-Projekt für die Xbox 360, eine Crash-Bandicoot-Recompilation und ein Donkey Kong Land-Port, der die Game-Boy-Sprites durch Super-Nintendo-Grafik ersetzt. Wie der Zauber technisch funktioniert, haben wir im Guide zu Silent Hill und Fatal Frame als PC-Recomp auseinandergenommen.
Tobi hat außerdem die beiden Symphony-of-the-Night-Ports verglichen: Die XBLA-Fassung wirkt weichgezeichnet und träger, die PSX-Variante ist schärfer und läuft geschmeidiger. Zur Erinnerung, wie wenig da zur Verfügung stand: zwei Megabyte Hauptspeicher, ein Megabyte VRAM.
🔫 30 Jahre Quake – und wie man Mods richtig macht
MachineGames hat zum 30. Geburtstag von Quake eine neue offizielle Episode nachgelegt: Dawn of the Machine, 19 Maps, neuer Soundtrack, kostenlos für alle Quake-Besitzer, veröffentlicht zur QuakeCon am 6. August. Quake selbst erschien am 22. Juni 1996.
Tobi hat sie noch nicht durchgespielt, hebt aber etwas anderes hervor: den Mod-Manager. Der ist nämlich kuratiert – eine handgepflegte Liste statt eines Wühltischs. Mit dabei sind sogar alte Bot-Projekte aus den 2000ern, gebaut von Leuten, die heute bei MachineGames arbeiten. Der Kreis schliesst sich.
Genau da wird Gordon grundsätzlich: Kuratierung ist kein Nachteil, sondern macht die Sache wertvoller. “Wie viel Lust habe ich, mich durch 10.000 Einträge Scheiße zu wühlen?” Das ist auch seine Erklärung dafür, warum Nintendo seine Klassiker nicht modbar macht: nicht Technik, sondern Angst vor Kontrollverlust. Dabei würden die Leute Mario Kart 64 wahrscheinlich ein zweites Mal kaufen, nur um Mods installieren zu können.
Von dort ging es in eine Grundsatzdebatte über Spielekultur. Gordon hat früher Studierende dazu verdonnert, alte Spiele zu spielen – und stieß auf Widerstand. Sein Vergleich: Wer Musiker werden will, muss bestimmte Stücke gehört haben. Man fängt in der Ursuppe an. Tobi ergänzt, dass ohnehin nichts zu hundert Prozent originär ist.
🛠️ Kleinkram aus der Bastelecke
Zwei Randnotizen für die Hardware-Fraktion. Im Dreamcast-FPGA-Core laufen die ersten Spiele – bemerkenswert schnell nach der Ankündigung, dass es den Core überhaupt gibt. Für Tobi weniger relevant, weil seine Dreamcast längst per Terra-Onion-Board von Festplatte startet.
Und dann Gordons ewige Retro-Baustelle: ein europäisches TurboGrafx, das trotz getauschtem Quarz und exakt befolgter Anleitung nicht will. Tobi hat das Gerät seinerzeit für rund 200 Euro gekauft und beim Umbau geschrottet – seine “größte Retro-Schande”. Fehlt nur noch ein Controller zum Gegentesten.
💡 Wusstet ihr schon?
- 🕹️ Quake erschien am 22. Juni 1996 – die neue Episode Dawn of the Machine kam exakt 30 Jahre später zur QuakeCon 2026.
- 💾 Die PlayStation kam mit zwei Megabyte Hauptspeicher und einem Megabyte VRAM aus. Das ist weniger, als heute ein durchschnittlicher E-Mail-Anhang wiegt.
- 🏁 Der Mario Kart 64-VR-Mod basiert nicht auf dem Original-ROM allein, sondern auf SpaghettiKart – dem inoffiziellen PC-Port des Harbour-Masters-Kollektivs.
Und damit sind wir durch. Gordon kramt die VR-Brille raus, Tobi hat gerade andere Prioritäten als Quake-Mods – die nächste Folge kommt, wenn sie kommt. Alles Gute, Tobi. Bis dahin läuft Mario Kart 64 in VR ja nicht weg.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast


Danke für die Klarstellung zu Xodus hier im Artikel, ich wollte schon einen bösen Kommentar schreiben 😉 Ich habe mich sehr über die Meldung gefreut, auch wenn das Projekt noch nicht fertig nutzbar ist. Meine Xbox ist eingemottet und ich bin auf PC mit Bazzite/Linux umgestiegen, habe aber natürlich relativ viele Spiele in meinen Xbox Account und so dann hoffentlich bald die Möglichkeit zumindest die Play Anywhere Titel wieder zu spielen.
Die ganze Thematik rund um digitale Käufe und dass damit eigentlich nur die Lizenz zur Nutzung so lange der Store die Rechte hält erworben wird, sehe ich auch recht kritisch. Gerade über Filme und Serien ärgert mich das schon sehr lange. Musik kann ich DRM frei quasi überall kaufen, Spiele zumindest auf GOG, aber Filme und Serien? Hier gibt es meines Wissens nach keine Plattform, welche DRM frei verkauft. Im schlimmsten Fall (Apple TV) bin ich sogar noch an ein Betriebssystem gebunden, in der Apple TV App für Android kann man gekaufte Filme z. B. nicht schauen. Ggf. ist das eine unpopular opinion, aber in meinem Moralverständnis finde ich es vollkommen okay sich (natürlich hypothetisch!) digital gekaufte Filme nochmal als Sicherheitskopie zu besorgen, bezahlt hat man ja dafür und man umgeht nur den Kopierschutz für die private Nutzung. Wenn ich mir die BluRay kaufe, kann ich diese ja auch überall schauen.