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Analogue, Everdrives & FPGA – Die ultimative Retro Konsole für Puristen

Stellt euch vor, ihr sitzt vor eurem 4K-OLED, steckt ein 30 Jahre altes Mega-Drive-Modul in eine Konsole, die aussieht wie aus der Zukunft – und das Bild, der Sound, die Latenz: alles perfekt. Kein Input Lag, kein Farbmatsch, keine Soundglitches. Willkommen in der Welt von Analogue, FPGA und Everdrives – wo die Retro Konsole endlich so funktioniert, wie sie hätte funktionieren müssen, als eure Eltern noch Röhrenfernseher hatten.

Gordon und Tobi, zwei ausgebildete Spieleentwickler und Hosts des Videogamecasts, nehmen sich in dieser Folge das Thema vor, das jeden Retro-Nerd mit etwas zu viel Taschengeld nachts wachhält: Welche Hardware brauche ich wirklich, um meine alten Module in 2026 vernünftig zu zocken? Die Antwort ist komplizierter – und teurer – als ihr denkt.

Schon bei der Aussprache wird’s kompliziert. Tobi spricht es “Denglisch” aus: Analog NT. Gordon will es richtig machen. Am Ende einigen sie sich auf: Egal.

“Wenn man so ein Wort 5000 Mal hintereinander sagt, dann verliert es irgendwann die Bedeutung. Aber nicht das Wort Analogue.” – Gordon

Und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn die Firma Analogue aus Seattle hat in den letzten Jahren eine Art Kult um sich aufgebaut, der irgendwo zwischen Apple-Jünger und Vinylsammler liegt. Gordon vergleicht das Ganze mit audiophilen Menschen, “die sich für 100.000 Euro eine Stereoanlage zu Hause hinstellen und dann Millionen für komische Kabel ausgeben, die auch nicht besser sind als alle anderen Kabel.” Der typische Ölbach-Kabel-Käufer im Media Markt, nur halt für Pixel statt Dezibel. Tobi kontert trocken: “Du kaufst dir ein Stück deiner Jugend zurück.”


Von Holzgehäusen zum FPGA-Imperium – Die Geschichte von Analogue

Bevor wir über FPGA reden, müssen wir über einen Typen reden: Christopher Taber. 2011 gründet er Analogue in Seattle, zunächst mit einer charmant verrückten Idee – er baut neue Gehäuse für Neo-Geo-Konsolen. Aus Holz. Dazu passende Arcade Sticks, ebenfalls handgefertigt. Das klingt nach Etsy-Shop, ist aber der Startschuss für etwas viel Größeres.

Das zweite Projekt war der Analog NT: Eine NES-Konsole, zusammengebaut aus echten, recycelten NES-Platinen. Handgelötet, im Aluminiumgehäuse, für rund 500 Dollar. Tobi erklärt, was das bedeutet: Normalerweise braucht man Maschinen, um Leiterbahnen zu ätzen und Transistoren auf PCBs zu setzen – “kein Mensch hat so eine ruhige Hand, um das selber darauf zu löten.” Aber bei dem Teil? Von Hand gemacht. Absoluter Overkill. Kein Wunder, dass sie davon nicht viele gebaut haben.

Denn dann kam der NT Mini – und mit ihm der Durchbruch. Das war die erste echte FPGA-basierte Retro Konsole von Analogue. 579 Dollar, Aluminium-Gehäuse, alle analogen und digitalen Outputs die man sich wünschen kann – VGA, S-Video, SCART RGB, HDMI. Sogar Lightguns funktionieren, weil du das Ding an einen Röhrenmonitor anschließen kannst. Und heute? Versucht mal, einen auf eBay zu finden.

“2000 Euro für eine 8-Bit-Spielekonsole? Nie im Leben. Ich bin nicht so geil auf 8-Bit.” – Gordon

1.541,49 Dollar plus 55 Dollar Versand plus 384 Dollar Einfuhrumsatzsteuer. Gordon hat das live nachgeschlagen. Komplett in Box, Original 8-Bit NES Controller dabei, schwarze Edition, anodized Aluminium mit transparenter Unterseite. “Sieht schon ziemlich fancy aus”, gibt er zu, “wenn du auf die Idee kommst, deine 2000-Euro-Spielekonsole mal auf den Kopf zu stellen.” Aber kaufen? Nicht für Gordon. “Nicht mal wenn ich 2000 Euro zum Spaß und Spökes machen hätte.”

Und dann kam noch was obendrauf: Kevin Horton, in der Szene bekannt als “Kevtris”, hat eine offizielle Firmware für den NT Mini geschrieben, die alle 8-Bit-Cores enthält, die er je reverse-engineered hat – NES, ColecoVision, Atari VCS, Sega Master System, Game Gear. Du steckst also ein NES-Modul rein, aber kannst per Firmware auch alle anderen 8-Bit-Systeme spielen. Halt nur mit ROMs, weil du ja keine Master-System-Cartridge in einen NES-Slot kriegst.

Wenn euch das Thema FPGA in einem anderen Kontext interessiert, schaut auch in unseren Artikel zu Gaming Setups 2021, wo Gordon und Tobi den MiSTer FPGA unter die Lupe nehmen.


Was ist FPGA überhaupt – und warum ist es besser als Software-Emulation?

Kurz technisch, aber bleibt dran. FPGA steht für “Field Programmable Gate Array” – ein Chip, oder besser ein Array von Chips, das du so konfigurieren kannst, dass es sich wie ein komplett anderes Chipset verhält. Bis auf die Spannung zwischen den einzelnen Chips: akkurat. Der entscheidende Unterschied zur Software-Emulation: Wo ein Emulator die Originalhardware in Software nachahmt (und dabei immer leichte Abweichungen produziert), wird der FPGA-Chip quasi zur Originalkonsole.

Null Lag. Hundert Prozent Kompatibilität. Perfekter Sound. Das Signal wird intern skaliert, ohne Verzögerung, direkt auf Full HD ausgegeben. Und du kannst weiterhin die Originalmodule benutzen. Das ist der Grund, warum diese Retro Konsolen keine Emulationsboxen sind, sondern Hardware-Nachbildungen.

Der Mann hinter den FPGA-Cores heißt Kevin Horton, in der Szene als “Kevtris” bekannt. Ein ehemaliger Kryotechnik-Ingenieur, der seit Jahren 8-Bit-Systeme reverse-engineered. Er hat über 5.000 Stunden allein in den Core für den NT Mini gesteckt. Tobi erzählt, dass selbst Horton in Interviews zugegeben hat: Was sie mit dem NT Mini gemacht hatten – handgelötetes Aluminium-Monster für 579 Dollar – war “eigentlich ziemlicher Schwachsinn”, weil es einfach zu teuer war. Die Lehre daraus wurde der Super NT.

Und ja – diese FPGA-Konsolen geben alles exakt so wieder wie das Original. Auch die Framedrops. Star Fox auf dem Super NT? Läuft genauso lahm wie 1993. “Das stört mich ja richtig”, meckert Gordon. “Da hätte ich mir gewünscht, dass sie das wenigstens so hinbiegen, dass es spielbar ist.” Aber nein – akkurat heißt akkurat. Auf Software-Emulatoren kannst du das Super Nintendo virtuell overclocken, auf dem Super NT nicht. Schade Schokolade.


Super NT – Die Retro Konsole für die SNES-Masse

Der nächste logische Schritt nach dem NT Mini: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt. Der Analogue Super NT hat alles, was den NT Mini groß gemacht hat – minus das Aluminiumgehäuse und die analogen Outputs. Dafür kostet er “nur” rund 200 Dollar, kommt in Kunststoff und nur mit HDMI.

Tobi hat die schwarze Version und hält sie stolz in die Kamera. Er erklärt fachmännisch den Unterschied: ABS-Kunststoff, derselbe wie bei Legosteinen. “Die sehen auch nach 30 Jahren genauso aus. Die nehmen heutzutage kein Brom mehr zum Feuerfestmachen, deswegen vergilben die auch nicht.” Gordon hingegen geht parallel auf die Analogue-Webseite und lästert über die Farbvarianten: “Die hässliche US-Version” mit den lila Tasten, die schwarze, eine japanische Variante, und die transparente Version – “natürlich die einzige, die ausverkauft ist.”

Aber was heißt schon “nur HDMI”? 1080p, kein Lag, perfekte SNES-Wiedergabe über FPGA. Und das Ding frisst alles: Normale Cartridges, Super-FX-Chip-Spiele wie Star Fox und Yoshi’s Island, sogar den Super Game Boy – ihr könnt auf dem Super NT also tatsächlich Game-Boy-Spiele auf Full HD hochpusten. “Wusste ich gar nicht!”, staunt Gordon.

Dann gibt’s da noch die technische Tiefe, die Tobi ausbreitet: Scanlines, Bloom-Optionen, Pixel-Skalierung in 4x oder 4,5x, Interpolationsfilter für die nicht-quadratischen Pixel der CRT-Ära. CRT-Monitore hatten nämlich rechteckige Pixel, nicht quadratische wie heutige Displays – und wenn du das Original-Bild 1:1 auf einen modernen Fernseher überträgst, sieht es zu schmal aus. Skalierst du es korrekt, fangen die Pixel beim Scrollen an zu flimmern. Gordon versteht maximal die Hälfte und vergleicht das Ganze mit audiophilen Stereo-Enthusiasten: “Der typische Ölbach-Kabel-Käufer im Media Markt.” Tobi gibt zu: “Ich habe den Realitätsbezug an der Stelle komplett verloren.”

Als Bonus liegt Super Turrican: Director’s Cut vorinstalliert bei. Factor 5 hatte 1993 aus Speicherplatzgründen – weil größere Module teurer waren – Level und Inhalte rausschneiden müssen. Für den Super NT haben sie einfach alles wiederhergestellt, ein komplett neues Level dazu, neue Musik und verbesserte Grafik. Sogar eine Fake-Box lag bei, die aussieht wie eine echte SNES-Verpackung. Zum-ins-Regal-stellen. Natürlich. Factor 5 hatte das alles einfach noch parat – “absolute Technikfreaks”, wie Tobi sie nennt.

Wer wissen will, wie Gordon und Tobi ihre Gaming-Setups generell aufbauen, findet in unserem Gaming Setups 2019 alle Details – von stinkenden Hori-Controllern bis zum 400-Euro-HDMI-Mod.


Mega SG – Blast Processing in 1080p

“Dein scheiß Nintendo-Krams kann mal den Buckel runterrutschen. Ich will eine schwarze Powerkonsole haben. Ich will Sonic spielen!” – Gordon ist emotional. Und das hat einen Grund: Er ist mit dem Mega Drive aufgewachsen, nicht mit dem Super Nintendo. Andere Freunde hatten SNES, aber Gordon hat Mega Drive gespielt “bis zum Tag, wo das N64 rausgekommen ist.”

Der Analogue Mega SG war zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade frisch erschienen, und Tobi hatte vorbestellt – “gleich bei der ersten Ankündigung. Obwohl wir ja eigentlich Verfechter davon sind, nichts vorzubestellen.” Aber was soll da schiefgehen? Nach allem, was der Super NT vorgemacht hat?

Und dann legt Gordon erstmal einen epischen Rant über das originale Mega Drive hin. Seine Beschreibung: “Wie ein schlechtes Auto. Es hat funktioniert, es fuhr, aber du hattest nur einen Gang.” Sound? Mono aus der Konsole. Wolltest du Stereo, musstest du Kopfhörer vorne reinstecken. Tobi hat sich sogar ein spezielles RGB-Kabel von Retro Gaming Cables schicken lassen, bei dem eine extra Schnur nach vorne in den Kopfhöreranschluss geht – nur damit Stereo hinten rauskommt. Street Fighter auf dem Drei-Button-Controller? “Muss Start gedrückt halten und dann wurden die Punches zu Kicks.” Und wenn du einen Sechs-Button-Controller wolltest, musstest du den extra kaufen. “Das sagt ja schon einiges.”

Mega Drive, Master System, Game Gear – alles über einen einzigen FPGA-Chip. Mega CD kompatibel, ein Adapter liegt bei. 32X? Nein, darauf hat Analogue verzichtet. Und die Begründung, die Gordon dem Analogue-Chef in den Mund legt, ist Gold: “Was gab’s da? Scheiß Controller. Ja, wir haben ja eine Schwesterfirma, die Controller herstellt. Den CD-Schmu? Wenn wir noch Platz finden, packen wir das mit rauf. Aber auf gar keinen Fall die Pilzkacke oben drauf. Da kam kein einziges gutes Spiel für raus. Scheiß drauf.”

Tobis Referenztest? Streets of Rage 2, sogar in der Japanfassung (Bare Knuckle 2). “Perfekt. Keinerlei Sound Glitches, keinerlei andere Probleme.” Und wer Streets of Rage 2 auf dem originalen Mega Drive über Composite an einen modernen TV angeschlossen hat, weiß, was für ein Quantensprung das ist. Er hat auch Castlevania: Bloodlines und Contra: Hard Corps angespielt – alles einwandfrei.

Das vorinstallierte Spiel ist Ultracore – ursprünglich “Hardcore” genannt, ein Run-and-Gun von Digital Illusions, den späteren Machern der Battlefield-Reihe. Das Spiel war 1994 zu 99 Prozent fertig und wurde dann eingestampft. Tobi hat die Entstehungsgeschichte recherchiert: Der Analogue-Chef musste sich durch sämtliche Entwickler durchfragen, “einzeln durchgeklappert, ob jemand weiß, wo der Code noch sein könnte.” Am Ende fanden sie eine 99-prozentig fertige Version auf einer alten Festplatte, “von der man auch die Daten noch retten musste.” Beinahe wäre das Ding für immer verloren gewesen. So läuft Videospiel-Archäologie.

Gordon zum Gameplay: “Spielt sich wie so ein Amiga-Knaller. Sehr Turrican-mäßig. Eher düster, ein bisschen monochromer, aber sehr viele Gegner gleichzeitig und du hörst eigentlich nur Schussgeräusche die ganze Zeit.” Das erinnert die beiden an ihre eigene Games-Academy-Zeit – sie haben ja selbst mal ein Spiel gemacht, Captain Flint, auf einer selbstgebauten Cartridge. Tobis Exemplar ist leider kaputt gegangen: “Die Hülle hat sich einfach aufgelöst.” Gordons existiert noch – irgendwo.

Übrigens: Der Gründer von Analogue, Christopher Taber, ist gleichzeitig Chief Marketing Officer von 8BitDo. Das erklärt, warum die Controller-Kooperation so reibungslos funktioniert. Tobi: “Der hängt einfach mit in der Firma drin.” Er macht sogar privat die Produktfotografien für beide Unternehmen.

Passend zum Thema Mega Drive: Wenn ihr Bock auf die komplette Sonic-Reihe habt, schaut in unsere Sonic-Retrospektive rein.


Everdrives – Die ROM-Lösung aus der Ukraine (und Gordons moralischer Kompass)

Parallel zur Analogue-Welt gibt es noch eine andere FPGA-Revolution: Everdrives von krikzz.com, entwickelt und produziert in der Ukraine. FPGA-basierte Cartridges, die ihr in eure Konsole steckt, mit einer SD-Karte voller ROMs.

Der SD2SNES (inzwischen als FXPak Pro bekannt) kostet 197 Dollar plus Versand plus Mehrwertsteuer. Tobi hat einen bestellt und wartet. Und wartet. “Kommt aus der Ukraine, hat als minimale Versanddauer 20 Tage angegeben. Fünf Tage braucht das Ding theoretisch, und den Rest verbringt es halt im Zoll.” Zehn Tage wartet er zum Aufnahmezeitpunkt schon auf irgendeine Nachricht vom Zoll. Der Everdrive GB X7 für den Game Boy liegt bei 142 Dollar über Amazon, direkt beim Hersteller 129 Dollar.

An der Stelle entspinnt sich eine der besten Nebendiskussionen der Episode: Gordon fragt sich laut, ob das Runterladen von ROMs überhaupt okay ist. Seine Logik: “Mega Man X3 für tausend Dollar kaufen? Es juckt doch kein Capcom, ob ich mir den Müll aus dem Internet runterlade! Die würden keinen Cent… die Mega Man X Collection kaufen alle.” Die kann er halt nur nicht auf seinem Super NT spielen. “Dann lädst du halt ein ROM drauf, was eh jeder macht, wenn er nicht gerade noch mal 1000 Euro ausgeben möchte, um sich das Originalmodul zu kaufen, was er dann ins Regal stellt und doch nicht spielt.”

Tobi hat übrigens auch eine Retrode zu Hause – ein Gerät, mit dem man ROMs aus den Originalmodulen selbst extrahieren kann. Der “okay Weg”, wie Gordon es nennt. “Warum auch immer ich mir das gekauft habe, aber ich habe das.”

Die Alternative zu Everdrives? Custom Firmware auf dem Super NT oder Mega SG – sogenannte “Jailbreaks” aus der Community. Einfach auf die SD-Karte flashen, ROMs draufpacken, fertig. “Konnte ich jetzt erstmal mit der ersten Version der Jailbreak-Firmware testen”, berichtet Tobi. “Die Firmware wurde so nach einer Woche bereitgestellt und ich warte immer noch auf meine Everdrives.” Batterie-Saves werden sogar emuliert. Der Vorteil vom Everdrive: Wenn du irgendwann mal auf einer echten Konsole spielen willst, hast du was in der Hand. Und für den Game Boy geht die SD-Karten-Lösung ohnehin nicht – da brauchst du ein Everdrive.


Controller: 2,4 GHz, Bluetooth und Gordons Sehnenscheidenentzündung

Man kann die beste Retro Konsole der Welt haben – wenn der Controller Mist ist, macht das Zocken keinen Spaß. Seit dem Super NT arbeitet Analogue mit 8BitDo zusammen, und es gibt zwei Varianten:

2,4 GHz: Rund 3 Millisekunden Latenz. Der Receiver ist fest mit der Konsole verbunden. Ideal für alle, die null Kompromisse bei der Reaktionszeit wollen.

Bluetooth: Rund 20 Millisekunden Latenz. Universell einsetzbar – Switch, PC, Android, MacOS. Praktischer, aber minimal langsamer. “Beides 2,4 GHz”, merkt Tobi an, “Bluetooth ist halt einfach… das musst du lizenzieren. Deswegen haben viele Hersteller keinen Bock auf Lizenzgebühren.” Microsoft, Logitech – die machen lieber ihre eigenen proprietären Stecker.

Das Mega-Drive-D-Pad verdient eine eigene Erwähnung, und hier werden Gordon und Tobi richtig leidenschaftlich. Das runde Steuerkreuz – “eine richtig runde Scheibe, wo du auch ganz angenehm die Diagonalen drücken kannst” – war und ist besser für Fighting Games als das SNES-Kreuz. Beim SNES musstest du mit dem “ersten Gelenkknubbel deines Daumens” drücken, um Diagonalen hinzukriegen. Beim Mega Drive reichte die Fingerspitze. Tobi hat den 8BitDo-Controller sogar einem Prügelspieltest in King of Fighters 98 auf Steam unterzogen – Input-Anzeige an, Halbkreise und Viertelkreise testen. Ergebnis: “Geht echt super.”

Aber dann kommt Gordons großer Controller-Rant. Und der ist episch. Der originale Mega-Drive-Controller? “Kacke.” Das Kabel? “Zu steif.” Der Stecker? “So ein komischer Neun-Pin-Stecker, der gummimäßig war, den hast du versucht in das männliche Loch reinzufummeln, das war super spack, immer ganz eng.” Die Zugentlastung? “Außerhalb des Controllers! Das Kabel ging nicht richtig rein!” Im Vergleich dazu der Super-Nintendo-Controller: Breiter, flacher Stecker, der super ins SNES reingepasst hat. “Ganz fluffig.” Beim Mega Drive? Alles Kacke.

Und als Krönung:

“Also mein Mega Drive Controller – das ist der einzige Controller, von dem ich jemals eine Sehnenscheidenentzündung bekommen habe.” – Gordon

Gordons Familie hatte sogar die Infrarot-Variante. Die war “okay”, hatte aber natürlich Latenz – “mit der kleinen Lampe, die angegangen ist, wenn die Batterie alle war. Außer die Batterie war zu alle, um die kleine Lampe leuchten zu lassen.”

Tobi hingegen hat sich bereits die Retrobit-Controller vorbestellt – offizielle Sega-Nachbauten für Mega Drive und Saturn. Zwei für den Saturn, zwei für den Mega Drive. Alle Reviews bestätigen: “Auf demselben Qualitätsniveau wie die Originalcontroller.” Gordon: “Du musst anbauen bei dir an der Wohnung.”

Wer tiefer ins Controller-Thema einsteigen will, dem sei unser ultimativer Controller-Kaufratgeber 2026 ans Herz gelegt.


RetroUSB AVS – Die Budget-Alternative für NES-Fans

Nicht jeder will oder kann 579 Dollar für einen NT Mini ausgeben (geschweige denn 2.000 auf eBay). Tobi hat eine Alternative: den RetroUSB AVS. Den hält er auch in die Kamera. “Sieht ein bisschen anders aus”, gibt er zu. Ein Mini-USB-Port statt USB-C (“hätte ich ja sofort ausgelötet”), kein SD-Kartenslot, aber dafür vier Controller-Ports vorne und – Überraschung – wenn du die Klappe aufmachst, findest du innen einen Famicom-Slot. “Ach krass, das wusste ich gar nicht!”, staunt Gordon.

250 Dollar. 720p statt 1080p. Aber solide gebaut, direkt aus Kalifornien, “einfach ein Typ, der das zu Hause macht.” Die Website ist “ein bisschen oldschool”, aber das Gerät funktioniert einwandfrei. 720p ist übrigens ein sauberes Vielfaches für 4K-Skalierung – “das ist völlig okay, wenn man das auf so einem Display verwendet.” Für die Retro Konsole zum fairen Preis also durchaus eine Option.

Gordon findet, dass das Design an den NES-Prototypen erinnert – den, der vor dem Videogame-Crash-bedingt als Videorecorder getarnt wurde. Er schickt Tobi ein Bild über Discord: “Ähnlichkeiten gibt’s auf jeden Fall.” Den Prototyp-Controller findet Gordon auch geil: “Sieht aus wie eine Fernbedienung. Einfach overengineered, das ganze Teil.”


Love Hultén & Boxy Pixel – Wenn Retro zum Designobjekt wird

Und dann gibt’s da noch die absolute Oberkante. Love Hultén, schwedischer Designer, baut handgefertigte Retro-Konsolen aus Holz. Tobi kennt den “schon seit fünf, sechs Jahren.” Das R-Kaid-R z.B.: limitiert auf 50 Stück, ab 2.800 Dollar aufwärts. Sanwa Arcade Buttons, 50er/60er-Jahre-Design, Walnussholz. Es gibt Bartops, einen NES-Nachbau mit Glashaube namens “Pyua”, dazu ein Regal, in das NES-Cartridges perfekt reinpassen – “ich finde das Regal eigentlich noch besser als die Konsole”, sagt Tobi. Der Typ baut sogar Lego-Computersteine in Groß nach und macht sie bedienbar.

“Für Leute, die privat Ferrari fahren.” – Gordon

Tobi hat sogar eines der Stücke mal in echt gesehen und angefasst – das “Pixel Vision”, eine Art Game Boy Advance SP aus Holz mit Klappteil. “Super super cool.”

Gordon erwähnt auch den Boxy Pixel-Typen, der Handheld-Gehäuse aus einem Stück Aluminium fräst. “Die Idee hatte ich auch schon mal. Aber ja, lustigerweise hat mir dann auch der Enthusiasmus gefehlt.”


Gordons drei Mega-Drive-Spiele und Tobis PAL-Frust

Zwischendurch gibt’s einen wunderbaren Moment, als Gordon seine Mega-Drive-Sammlung offenbart. Drei Spiele. PAL-Versionen. Sonic 1 (“okay, nicht das beste”), Golden Axe (“okay”), und Altered Beast (“kannst du knicken, würde ich heutzutage nicht mal mit der Kneifzange anfassen”). Also praktisch die Launch-Titel.

Tobi hat zwar auch nicht viel mehr, aber er hat eine Strategie: “Bevor ich angefangen habe so richtig zu sammeln, bin ich auf den Trichter gekommen: Das sind aber alles PAL-Versionen. Wenn ich ernsthaft sammeln wollte, müsste ich mir die japanischen oder amerikanischen Module holen.” Also hat er nur japanische Module – die haben auch die geileren Verpackungen. Das einzige PAL-Stück, auf das er stolz ist: Secret of Mana in der Big Box, “mit dem ganzen Zeug noch.” Gordon: “Das ist halt deine Rente, wenn du das komplett hast.”

Und Gordon so zum Mega Drive generell: Blast Processing, Sonic schneller als Mario? “Spielt das mal nebeneinander. Wir befinden uns in PALien. Sonic ist eine lahme Ente gewesen. Und die Musik war halt auch ziemlich lahm.”


Was kommt als nächstes? Minikonsolen, N64 und die Saturn-Frage

Dann kommt der Blick in die Zukunft – und hier wird’s richtig spannend.

Der Mega Drive Mini kommt, und Tobi hat die entscheidende Info: M2 macht die Emulation, nicht das berüchtigte AtGames. Und hier geht beiden der Puls hoch. “Darf man auf gar gar gar gar gar keinen Fall ungeduldig sein und sich so eine andere Variante kaufen!”, warnt Gordon. AtGames, “diese anderen Varianten, die gibt’s gefühlt schon seit 20 Jahren bei Aldi und Lidl auf dem Grabbeltisch” – die Verpackung sieht ordentlich aus, Sonic ist drauf, “und dann packt man das Zeug aus und der Controller ist kacke und die Emulation ist kacke und der Videoausgang ist kacke. Es ist einfach nur alles kacke.” Man wurde 20 Jahre lang verarscht. Selbst wenn man Originalcartridges reingesteckt hat, sah es immer noch beschissen aus.

M2 hingegen steht für Qualität – ehemalige Treasure-Mitarbeiter, die seit Ewigkeiten die Sega Ages Serie betreuen und auf der Switch gerade Sonic 1 mit eingebautem Spin Dash und Drop Dash von Sonic Mania rausgebracht haben. Sogar Alex Kidd fürs Master System haben sie portiert – “eigentlich unspielbar ohne die Rewind-Funktion, weil du bei jedem Kontakt stirbst”, sagt Tobi, der sich trotzdem durchgekämpft hat.

Tobis Rat: “Wartet ab bis die ersten Samples rausgeschickt werden. Nicht den Fehler tun und das blind vorbestellen. Sonst kriegt ihr eine digitale Nackenklatsche von uns.”

N64 Mini? “Halte ich für relativ wahrscheinlich”, sagt Tobi. Das Problem: Der Analogstick. “Das könnte tatsächlich eine richtige Herausforderung werden, das ordentlich neu zu bauen. Ohne dass die Controller so schnell kaputt gehen wie früher.” Und dann packen sie vielleicht auch noch Mario Party drauf – und jeder will Shy Guy im Kreis fliegen lassen und zerstört die Controller dabei.

Saturn Mini? CD-basiert, also wesentlich mehr Speicher nötig. “So ein Nintendo Mini hat 512 MB oder so. Das würde nicht mal für eine CD-Variante reichen.” Aber wenn sie es hinkriegen und Panzer Dragoon Saga draufpacken? “Das wurde bisher noch nie re-released!” Oder die japanischen Shining Force 3-Episoden, von denen nur Teil 1 in den Westen kam – “haben anscheinend schon geahnt: Wir bringen nur diesen raus, und haben das Ende einfach umgeschrieben, dass das so plötzlich endet.”

PlayStation 2 Mini? “Wird nicht passieren”, sind sich beide einig. Nach dem PS Classic Flop – “90 oder 100 Euro ausgegeben und dann wurde das sofort runtergesetzt, als die ersten Leute geschrieben haben: Alter, warum ist das denn so kacke?”

Wer mehr über Minikonsolen erfahren will, findet in unserer ausführlichen Minikonsolen-Retrospektive alles, was man zu dem Thema wissen muss.


Die Stumpfer-Philosophie: Muss es wirklich die Retro Konsole für 500 Euro sein?

Tobi bringt zum Schluss einen Punkt, der im FPGA-Hype gerne untergeht – und der so ehrlich ist, wie der Videogamecast eben ist:

“Ich habe auch schon Leute gesehen, die spielen auf einem regulären Super Nintendo, angeschlossen an einen Full HD Fernseher, in 16:9, mit 50 Hz PAL-Spielen. Und es macht wahrscheinlich auch Spaß.” – Tobi

Gordon gibt zu: “Ich habe ja auch keine von den Analogue-Konsolen. Dafür habe ich halt diese Classic Mini Konsolen. Mir ist das ausreichend.” Er hat einen umgebauten Super Nintendo und einen Framemeister – wenn er es cool spielen will, geht das auch. “Vielleicht schwenke ich da irgendwann mal um.”

Und Tobi? Der sagt über sich selbst: “Ich habe den Realitätsbezug an der Stelle komplett verloren inzwischen.” Gordon antwortet trocken: “Gut, dass du es wenigstens selber zugibst. Das ist der erste Schritt, um aus deiner Sucht rauszukommen.”

“Du bist alt genug und ich kann es total nachvollziehen. Hätte ich so viel Zaster übrig, würde ich es wahrscheinlich genauso machen.” – Gordon zu Tobi

Neunzig Prozent aller Retro-Gamer werden den Unterschied zwischen einem Super NT in 1080p und einem originalen SNES über Composite nicht bemerken. Die Analogue-Konsolen, die Everdrives, der ganze FPGA-Kram: Das ist für Leute, die den Unterschied nicht nur bemerken, sondern die es stört. Retro-Puristen eben. Und für die gibt es in 2026 mehr Optionen als jemals zuvor.


🧠 Wusstet ihr schon?

🎮 Analogue wurde 2011 von Christopher Taber in Seattle gegründet – sein erstes Produkt waren handgefertigte Holzgehäuse für Neo-Geo-Konsolen und dazu passende Arcade Sticks.

🔧 Kevin “Kevtris” Horton, der Mann hinter den Analogue-FPGA-Cores, war vorher Kryotechnik-Ingenieur und hat über 5.000 Stunden allein in den NT-Mini-Core investiert.

🇺🇦 Alle Everdrives werden von krikzz.com in der Ukraine entwickelt und produziert – der SD2SNES heißt inzwischen FXPak Pro und kostet 197 Dollar.

🎮 Ultracore, das vorinstallierte Spiel auf dem Mega SG, war 1994 von Digital Illusions (den späteren DICE-Machern von Battlefield) zu 99 % fertiggestellt worden – der Code wurde Jahre später auf einer alten Festplatte wiedergefunden, von der die Daten erst gerettet werden mussten.

📦 Die Super Turrican: Director’s Cut auf dem Super NT ist rund 50 % größer als die damalige Retail-Version – Factor 5 musste 1993 Level und Inhalte streichen, weil größere SNES-Module mehr kosteten.


Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
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