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Die Ys Serie

Tobi hat einen Wandteppich. Gordon hat keine Ahnung. Und Jascha ist zum ersten Mal dabei.

Wenn bei Tobi zu Hause an der Tür ein riesiger Stoffteppich mit dem Logo einer japanischen Action-RPG-Reihe prangt, von der Gordon noch nie im Leben gehört hat – dann wisst ihr, dass ihr beim Videogamecast richtig seid. Die Ys Serie von Nihon Falcom läuft seit 1987 und hat mehr Remakes produziert als mancher Publisher Originalspiele. Neun Hauptteile, unzählige Portierungen, absurde Untertitel und ein rothaariger Held namens Adol Christin, der seit fast vier Jahrzehnten die Welt rettet. Und bei dem man den Namen besser nicht mit einem F dahinter ausspricht.

Gordon gibt offen zu: “Ich mag einfach keine Rollenspiele, die auf dem Final Fantasy Kampfsystem basieren. Diese rundenbasierten, sehr statischen Kämpfe – das ist mir einfach zu langweilig.” Umso überraschter war er, als Tobi ihm die Ys Serie vorstellte. Denn diese Action-RPGs haben mit Final Fantasy so viel zu tun wie ein Rennwagen mit einem Traktor: Beide haben vier Räder, aber die Erfahrung könnte unterschiedlicher nicht sein.

Zusammen mit Gast Jascha nehmen sich die drei Game Designer die komplette Ys Serie vor – von den 8-Bit-Anfängen auf dem PC-88 bis zu den modernen Teilen auf Steam. Schnallt euch an für Rock-Soundtracks, Bump-Systeme und die Frage, warum ein Spiel namens “Lacrimosa of Dana” wie ein Joghurt-Werbespot klingt.


Von NEC PC-88 bis Master System – Die Anfänge einer Legende

Die Ys Serie beginnt 1987 beim japanischen Entwickler Nihon Falcom – einer Firma, die bis heute existiert und diese Reihe bis heute weiterführt. Was allein schon bemerkenswert ist in einer Branche, in der Studios schneller sterben als Adol Christin in einem Enddungeon.

Die ersten Spiele erschienen auf dem NEC PC-88, einem japanischen Heimcomputer, und wurden später auf alles portiert, was irgendwie einen Bildschirm hatte: Master System, NES, TurboGrafx-16 CD, MS-DOS und noch ein halbes Dutzend Plattformen mehr. Allein vom ersten Teil gibt es so viele Versionen, dass selbst Tobi sie nicht alle aufzählen kann.

Gordon: “Die Master System Variante werde ich niemals spielen. Das sieht so scheiße aus, das sieht aus wie mit Paint gemalt.”

Tobis Empfehlung für den Einstieg: Die TurboGrafx-CD-Version, die in den Westen als “Ys I & II” kam. Die hat voll eingesprochene Cutscenes, CD-Audio-Soundtrack und sieht bis heute verdammt gut aus. “Diese Anime-Cutscenes sind so gut gemacht, die kannst du heute noch jemandem zeigen.”

Das Kampfsystem der frühen Teile ist legendär simpel und gleichzeitig überraschend tief: das sogenannte Bump-System. Du läufst einfach in die Gegner rein. Ja, wirklich. Aber – und das ist der Clou – wenn du sie nicht exakt mittig triffst, sondern leicht versetzt, hast du einen massiven Vorteil. Dann triffst fast nur du und wirst selbst kaum getroffen. Klingt absurd? Funktioniert erstaunlich gut und macht süchtig.

Tobi: “Du rennst einfach durch die Gegner durch. Das erste Spiel kann man in sieben Stunden durchspielen, und du hast halt einfach ständig Spaß. Das ist die komplette Antithese zu diesen 80-Stunden-Kloppern.”

Die ersten beiden Teile erzählen eine zusammenhängende Story – du besiegst den Endboss in Teil 1 und wirst direkt in die verschwundene Insel von Ys teleportiert, wo Teil 2 beginnt. In der TurboGrafx-Version haben sie das sogar zu einem einzigen Spiel zusammengepackt: “Ancient Ys Vanished”. Teil 3 hingegen ist ein Sidescroller, der stark an Zelda II erinnert und eigentlich gar kein Ys-Spiel sein sollte – haben sie dann aber kurzfristig doch dazu gemacht.

Was sich durch alle frühen Spiele zieht: Die Entwickler von Nihon Falcom, die das Urteam bildeten, haben sich später abgespalten und Quintet gegründet – das Studio hinter Klassikern wie Terranigma und ActRaiser. Die Ys-DNA steckt also in deutlich mehr Spielen, als man denkt.


Die mittlere Ära – Von PS2 bis PSP und dämliche Untertitel

Nach Teil 5 auf dem Super Nintendo wurde es lange still um die Ys Serie. Erst 2003 kam mit Ys VI: The Ark of Napishtim der Neustart – diesmal für die PlayStation 2. Und damit begannen auch die legendär bescheuerten Untertitel, über die sich die drei im Podcast ausgiebig lustig machen.

Gordon: “The Ark of Napishtim? Lacrimosa of Dana? Das klingt wie ein Joghurt-Werbespot.”

Tobi: “Das kann ich auch nicht verteidigen, das klingt wirklich dämlich. Aber was soll’s – ist immer noch besser als Kingdom Hearts Titel.”

Ys VI brachte ein komplett neues Spielsystem: 3D-Umgebungen in der Isometrie-Perspektive mit 2D-Sprites, Sprungangriffe, Special Attacks und richtig fordernde Endbosse. Die Bosskämpfe sind seitdem ein Markenzeichen der Serie – da muss man rumspringen, ausweichen und strategisch denken.

Danach kam das Remake von Teil 3 als “Ys: The Oath in Felghana” (Oath = Schwur, nicht Oat = Blödmann, wie Gordon erst dachte), das Tobi als das beste Spiel dieser Ära bezeichnet. Und dann Ys Origin – ein Prequel zu den ersten beiden Teilen, das komplett in einem einzigen Tower spielt. Drei verschiedene Charaktere, jeweils sechs bis sieben Stunden Spielzeit, komplett unterschiedliche Spielstile. Bei Speedrunnern extrem beliebt.

Alle diese Spiele sind inzwischen auf Steam verfügbar und laufen laut Tobi perfekt – was man dem Entwickler Nihon Falcom hoch anrechnen muss. “Die haben wirklich alles portiert, und es läuft alles. Das machen andere nicht.”


Die moderne Ära – Party-System, Schiffbruch und Wandteppiche

Ab Ys Seven (2009, ursprünglich PSP) wurde alles komplett auf 3D umgestellt – auch die Charaktere. Und es kam das Party-System: Drei Mitglieder gleichzeitig, aufgeteilt in Schadensklassen (Slash, Pierce, Strike). Du steuerst einen, die anderen zwei kämpfen KI-gesteuert mit. Klingt nach einem simplen Gimmick, funktioniert aber grandios, weil du gegen bestimmte Gegnertypen den richtigen Schadenstyp brauchst.

Tobi: “Dogi schlägt einfach nur mit seinen Fäusten zu. Der ist einfach so krass. Und die knacken dann halt schwer gepanzerte Gegner – so eine fette Monsterschildkröte, da kannst du den Weak Point nur für massive Damage treffen, wenn du Dogi einsetzt.”

Ys VIII: Lacrimosa of Dana ist für Tobi das beste Spiel der gesamten Serie – und der Grund für den Wandteppich an seiner Tür. Die Collector’s Edition enthält neben einem Artbook auch “Adols Journal” – ein Dreingabebuch, geschrieben als hätte der Hauptcharakter das Abenteuer wirklich erlebt. “Eins der coolsten Dreingabebücher, die ich in letzter Zeit gesehen habe.”

Das Setup: Du bist mal wieder schiffbrüchig, diesmal auf einer Insel. Ein titanicmäßiges Schiff ist gesunken, und du musst die Überlebenden finden und für dein Lager rekrutieren. Erst ab einer bestimmten Helferzahl kannst du Blockaden überwinden und in der Story weiterkommen. Dazu kommen riesige Gegner, die fünfmal so hoch sind wie deine Charaktere, und eine zweite Protagonistin namens Dana, die du zeitversetzt in der Vergangenheit spielst.

Was Tobi allerdings stört – und daraus wird im Podcast eine ausgedehnte Diskussion: Die Kostüm-DLCs. 30 Euro für ein paar Outfits und Bonus-Items, die das Spiel leichter machen. In einem Singleplayer-Spiel. “Das sieht doch kein anderer, wie dein scheiß Charakter aussieht! Das können halt wirklich nur zwei fliegende Hände und eine Waffe sein.”


Rock statt Orchestral – Warum die Ys-Soundtracks so besonders sind

Ein Aspekt, den alle drei im Podcast hervorheben: Die Musik. Während Final Fantasy und Co. auf orchestrale Fantasy-Klänge setzen, knallt die Ys Serie dir seit Jahrzehnten Rock um die Ohren. Treibend, schnell, mit E-Gitarren und Drums – perfekt zum Action-Gameplay. Die TurboGrafx-CD-Versionen haben sogar Redbook Audio, was bedeutet: Du konntest die Spiele-CD in einen CD-Player stecken und den Soundtrack hören.

Gordon: “Ich weiß, ich habe das damals mal bei Extreme Assault ausprobiert – hat auf jeden Fall auch funktioniert. Es hat bei vielen PC-Spielen funktioniert.”

Daraus entsteht eine herrliche Nebendiskussion über Schulhofgeschichten: “Der Freund eines Kumpels, dessen Onkel bei Nintendo arbeitet, der hat dann ein PlayStation-Spiel in den PC gepackt und das hat dann funktioniert.” Videotheken-Mitarbeiter, die Kunden erklären mussten, warum ein PlayStation-Spiel nicht auf dem Computer läuft. Und die Warnung “Please do not put this in your CD Player”, die natürlich niemand befolgt hat.


Die DLC-Debatte – Wo hört Fanservice auf?

Was als Besprechung der Ys Serie anfängt, wird zur grundsätzlichen Debatte über japanische Geschäftsmodelle. Tobi ärgert sich, dass Ys IX: Monstrum Nox mit DLCs zusammen fast 100 Euro kostet. Gordon findet das grundsätzlich fragwürdig bei einem Singleplayer-Spiel. Und Jascha bringt den kulturellen Kontext ein.

Jascha: “Das ist halt so ein kulturelles Ding. In Japan, Korea, China – Charaktere anpassen und Kostüme kaufen, das ist halt das Geschäftsmodell schlechthin.”

Was die drei einig macht: Bei Free-to-Play-Spielen wie Fortnite ist das Modell absolut nachvollziehbar. Aber 60 Euro Vollpreis plus 30 Euro Kostüm-DLC? “Dann lieber warten auf den Sale.” Tobis Fazit: Er kauft sich Ys IX definitiv – aber erst, wenn es günstiger wird.


Wo anfangen? Tobis Guide für Ys-Einsteiger

Wer jetzt Lust bekommen hat: Alle Hauptspiele der Ys Serie sind auf Steam verfügbar und laufen laut Tobi perfekt. Hier die Einstiegsempfehlung:

  • Für Retro-Fans: Ys I & II Chronicles+ auf Steam – die modernisierte Version der Klassiker mit der geilen Musik und den Anime-Cutscenes
  • Für Action-Fans: Ys Origin – das Prequel im Darm Tower (ja, der heißt wirklich so), perfekt für Speedrunner
  • Für den besten Einstieg: Ab Ys VI: The Ark of Napishtim, wenn man mit den ganz alten nicht anfangen kann
  • Tobis Favorit: Ys VIII: Lacrimosa of Dana – das beste Spiel der ganzen Serie

Tobi: “Wenn ich mal nicht weiß, was ich spielen möchte, einfach nur irgendwas habe, wo ich durchziehen kann von Anfang bis Ende ohne nachzudenken – dann ist Ys eigentlich so auf der Topliste.”

Gordon: “Wenn das hier halt so schön einfach locker flockig geht, muss ich mir das glaube ich mal antun.”


Wusstet ihr schon?

🎮 Das “Bump”-Kampfsystem – In den frühen Ys-Spielen kämpfst du, indem du einfach in Gegner reinläufst. Triffst du sie leicht versetzt statt mittig, bekommst du einen massiven Vorteil und wirst kaum getroffen.

🎬 Das Urteam von Ys gründete Quintet – Die Entwickler Hashimoto und Miyasaki verließen Nihon Falcom nach Teil 3 und gründeten das Studio hinter Terranigma und ActRaiser.

💀 Adol Christin ist 24 Jahre alt – In Ys VIII/IX ist der Protagonist “uralt” für japanische Spielverhältnisse. Zum Vergleich: Ash Ketchum ist seit zwei Jahrzehnten 11.

🕹️ Der Enddungeon von Ys VI heißt “Darm Tower” – Ja, wirklich. Im Japanischen auch. Gordon: “Kriegst du mich sofort mit.”

🔧 Alle Ys-Spiele sind auf Steam verfügbar – Nihon Falcom hat die komplette Hauptserie portiert – und alles läuft laut Tobi perfekt. Das machen andere Entwickler nicht.


Outro

Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast

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