Kohlenstoffdioxid, Lila Teppich und die einzig wahre Meinung zu uralten Spielen!
Engage! Die Videogamecast-Crew hat sich erneut in die unendlichen Weiten der Star-Trek-Spielegeschichte gewagt – und diesmal ist die Besatzung endlich wieder vollständig. Neben den Spieleentwicklern Gordon und Tobi ist diesmal Gast Jascha zurück am Mikrofon, seines Zeichens selbsternannter „Return of the King“ und Star-Trek-Lore-Lexikon auf zwei Beinen. Dazu gesellt sich Andi – bekannt von seinem eigenen Podcast Velo.fm und leidenschaftlicher Trek-Enthusiast – als vierter Mann im Hintergrund. Das Quartett ist komplett.
Was in der ersten Star-Trek-Folge mit 25th Anniversary als einzigem Highlight endete, geht jetzt in die nächste Runde: Vom Point-and-Click-Adventure über Game-Boy-Minispiel-Sammlungen bis hin zu FMV-Spektakeln mit echten Schauspielern – hier wird kein Stein (und kein Borg-Kubus) auf dem anderen gelassen. Zwischen tiefgreifenden Diskussionen über die Funktion des Transporter-Raums, die Schildfrequenz der Enterprise und die Frage, ob Scotty heimlich Bodybuilder ist, finden die drei tatsächlich auch noch Zeit, über die Spiele zu reden.
Darum geht’s
In dieser zweiten Star-Trek-Spielefolge nimmt sich das Trio acht weitere Spiele aus dem Franchise vor – von den frühen 90er-Adventures über Game-Boy-Kuriositäten bis zu den legendären FMV-Spielen mit John de Lancie als Q. Dabei wird nicht nur gespielt, sondern auch ausgiebig über Star-Trek-Lore debattiert, gelacht und gestritten.
Was euch erwartet: Point-and-Click-Adventures auf der Enterprise 🖖 Game-Boy-Minispiele mit prozedural generierten Quests 🕹️ Myst-Klone auf Deep Space Nine 👀 FMV-Wahnsinn mit echten Borg-Sets 🎬
Für wen: Für alle, die sich schon mal gefragt haben, warum O’Brien den ganzen Tag im Transporter-Raum steht und heimlich Pac-Man spielt. Für alle, die wissen wollen, ob Scotty seine Muskeln durch Eisentransport oder Whiskey aufgebaut hat. Kurz gesagt – für alle Nerds mit Herz, die an regnerischen Abenden lieber einen Borg-Kubus auseinandernehmen als Netflix zu gucken.
Die Spiele im Detail
Star Trek: Judgment Rites (PC, 1993)
🟢 Läuft problemlos – Via Steam oder DOSBox nativ spielbar
Tobi: „Wenn man den ersten Teil, 25th Anniversary, mochte, dann ist das eigentlich noch ein Stück besser. Man kann sogar die Kämpfe skippen, diese Schiffskämpfe.“
Gordon: „Es sieht aus wie 25th Anniversary, vom Stil her. Also Pixelart, Fotografie nachgemalt. Und vom Stil her genau das gleiche Spiel.“
Jascha: „Da hast du einen Dialog-Tree und kannst verschiedene Sachen sagen. Das ist ja ganz schön fortschrittlich für die Zeit.“
Verdict: 🏆 Der würdige Nachfolger von 25th Anniversary, mit skippbaren Schiffskämpfen und einem Ratingsystem wie bei den Sierra-Spielen. Wer den Vorgänger mochte, kriegt hier nochmal eine Schippe drauf – und diesmal kannst du die nervigen Weltraumkämpfe einfach wegdrücken. Fortschritt!
Mod-Empfehlung: Keine essenzielle Mod bekannt. Läuft über Steam problemlos auf modernen Systemen.
Star Trek: The Next Generation (Game Boy, 1993)
Tobi: „Das ist quasi zufallsgeneriert. Die Sternflotte sagt immer, oh wir haben einen Notfall dieser Art auf Planeten so und so. Und dann musst du sagen, bitte da hinfliegen, und je nachdem was du machen musst, kommt ein anderes Minigame.“
Gordon: „Ja, da muss man sich so Ringe fliegen. Sieht aus wie Superman für N64.“
Jascha: „Prozedural generierte Quests, tausende Stunden Spielspaß.“
Verdict: 😐 Eine endlose Abfolge von Minispielen ohne echtes Ziel – prozedural generierter Leerlauf auf dem Game Boy. „Tausende Stunden Spielspaß“ ist Jaschas freundlichste Umschreibung für „tausende Stunden dasselbe Minigame“. Für Game-Boy-Sammler, die wirklich ALLES haben wollen.
Star Trek Generations: Beyond the Nexus (Game Boy/Game Gear, 1994)
Tobi: „Das nimmt das Ganze aus dem letzten Spiel und macht einfach eine lineare Story draus. Und du verbringst viel mehr Zeit mit diesen Schiffskämpfen, die das Schlimmste eigentlich war.“
Gordon: „Das Schlimmste ist, dass das gefühlt mit zehn Frames läuft und alles hinterher schliert.“
Jascha: „Sei mal nicht so neidisch auf Patrick Stewarts symmetrisches Gesicht, ja? Der Gipfel von Männlichkeit ist das.“
Verdict: 😐 Die lineare Variante der Next-Generation-Minispiele, mit noch mehr von den nervigen Schiffskämpfen – also mehr von dem Teil, der am wenigsten Spaß macht. Läuft mit zehn Frames und schliert wie eine Windschutzscheibe im Regen. Immerhin auf dem Game Gear hübscher. Immerhin.
Star Trek: The Next Generation – Future’s Past (Super Nintendo/Mega Drive, 1994)
Tobi: „Das ist fast sehr ähnlich wie die Adventures, bloß halt mit mehr Action stattdessen. Du kriegst die Aufträge von der Sternenflotte rein, musst dann selbst dorthin navigieren.“
Gordon: „Was ist denn mit Worf los? Das sieht aus wie ein Backofen. Denen sind einfach die Pixel bei Worf ausgegangen.“
Jascha: „Gut war immer, dass du dir dann auch noch aussuchen kannst, mit welchem Warp-Faktor du gerne dahin fliegen willst.“
Verdict: 👍 Für Fans ein interessanter Mix aus Adventure und Action. Worf sieht zwar aus wie ein Backofen – denen sind schlicht die Pixel ausgegangen – aber Data ist erwartungsgemäß völlig overpowered. Pro-Tipp: Nimm einfach immer Data, der kann alles perfekt.
Star Trek: Deep Space Nine – Crossroads of Time (Super Nintendo/Mega Drive, 1995)
Tobi: „Es hat einen sehr schlechten Start, weil du wirst direkt erst mal durch zehn gleichaussehende Labyrinthe gejagt, unter Zeitdruck. Es ist einfach mega ätzend.“
Gordon: „Das sieht aus wie Ape’s Odyssey.“
Jascha: „Das finde ich ist, dass du siehst, dass es zwei Philosophien gibt, um Star-Trek-Videospiele zu machen. Es gibt welche, die versuchen wie die Serie zu sein. Und dann gibt es die andere, wo du halt ein Spiel hast und klatschst einen Star-Trek-Skin drüber.“
Verdict: 😐 Cinematic Platformer im Prince-of-Persia-Stil, der sich als Star-Trek-Spiel verkleidet hat. Das ganze Spiel dauert nur eine Stunde, aber der Einstieg ist eine Qual – zehn identische Labyrinthe unter Zeitdruck, das ist weniger Star Trek und mehr Saw. Jascha bringt es auf den Punkt: Star-Trek-Skin über ein generisches Spiel geklatscht.
Star Trek: Deep Space Nine – Harbinger (PC, 1996)
🟡 Kleine Anpassungen nötig – Läuft über DOSBox, Sound knackt teilweise
Tobi: „Das ist im Grunde der Myst-Klon von Star Trek. Die erste Hälfte ist ziemlich cool, ehrlich gesagt, mit den Charakteren zu interagieren. Es wirkt halt ein bisschen leer, wie halt diese Spiele so sind.“
Gordon: „Was ist denn das auf einmal? Guck dir den Cisco an – der sieht aus, als ob der aus Primitives gebaut wäre.“
Jascha: „Captain Cisco, gespielt von Kanye West.“
Verdict: 👍 Die erste Hälfte mit Detective-Arbeit auf Deep Space Nine ist überraschend gut – durch die Station laufen, mit Charakteren interagieren, Mordfälle aufklären. Die zweite Hälfte mit dem Labyrinth und den One-Hit-Kill-Drohnen ist dann eine Tortur, die niemand gebraucht hat. Originalsprecher an Bord, Charaktermodelle aus der Hölle. Captain Cisco sieht aus, als hätte jemand Kanye West aus Dreiecken zusammengeklebt.
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| Nicht mehr erhältlich (Abandonware) | — | PCGW 🟡 |
Mod-Empfehlung: Vorverpackte DOSBox-Versionen auf Seiten wie Collection Chamber erleichtern die Installation erheblich.
Star Trek: TNG – A Final Unity (PC, 1995)
🟡 Kleine Anpassungen nötig – Läuft über DOSBox, Sound knackt auf der Brücke
Tobi: „Das ist eigentlich die Fortführung von diesem 25th Anniversary. Hat genau dieselben Mechaniken. Aber da muss man schon ein bisschen Retro-Charme abkönnen.“
Gordon: „Die haben sogar hier Aufnahmen gemacht und die einfach keyframed. Das sieht auf jeden Fall krasser aus von den Set-Pieces als irgendeine Next-Generation-Folge.“
Jascha: „Ich finde tatsächlich vom Aussehen her eigentlich schon okay. Das kann man auch heutzutage noch spielen und stirbt nicht nach fünf Minuten.“
Verdict: 🏆 Non-lineares Next-Generation-Adventure mit echter Crew-Auswahl und organischen Alien-Welten. Die 25th-Anniversary-Formel übertragen auf Picard und Co. – und es funktioniert! Rätsel sind allerdings teilweise so konvolut, dass ein Walkthrough quasi Pflicht ist, es sei denn ihr habt einen Vulkanier im Freundeskreis, der euch die Logik erklärt.
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| Nicht mehr erhältlich (Abandonware) | — | PCGW 🟡 |
Mod-Empfehlung: Vorverpackte DOSBox-Versionen auf Seiten wie Collection Chamber. Soundkarte korrekt einstellen (Sound Blaster 16)!
Star Trek: Starfleet Academy – Starship Bridge Simulator (Super Nintendo/Sega 32X, 1995)
Tobi: „Es ist eine Starship-Bridge-Simulation, in der du auf die Akademie gehst und simulierte Missionen fliegen musst. Gerade die 32X-Version war ganz interessant.“
Gordon: „So viele Farben hab ich in meinem Leben noch nie nebeneinander gesehen. Es gibt kein Dithering in der Zukunft mehr, keine Farbabstufung. Es sind alles Volltöne.“
Jascha: „Von der Brücke aus sieht man sogar Dinge, die man in der Serie nie sieht. Superflut noch eins.“
Verdict: 😐 Ambitionierter Bridge-Simulator, der an der Hardware scheitert. Die Farben sehen aus, als hätte jemand einen Eimer Regenbogen über das SNES geschüttet – kein Dithering, keine Farbabstufung, alles Volltöne. Die 32X-Version ist technisch besser, aber wer hatte schon ein 32X? Genau. Niemand.
Star Trek: Borg (PC, 1996)
🟡 Kleine Anpassungen nötig – Über DOSBox in Windows aufzusetzen
Jascha: „Du spielst einen Engineer, dessen Vater bei Wolf 359 gestorben ist. Q gibt dir die Möglichkeit zurückzugehen. Er stellt es als ‚Hey, willst du ein paar Borg abschlachten, dann komm doch mit‘ dar.“
Gordon: „Ey, ohne Scheiß, die haben sogar hier den John de Lancie gekriegt, den Q-Schauspieler. Also super. Die Sets sind auch echte Sets.“
Jascha: „Das ganze Spiel ist ein einziger großer Gotcha, weil sie geben dir immer zwei Sachen und das ist beides falsch. Einmal musst du auf Q’s Gesicht klicken und ihm eine auf die Nase hauen.“
Verdict: 🏆🏆 Das beste FMV-Spiel mit Star-Trek-Lizenz – und mit Abstand das kreativste. John de Lancie als Q ist so brillant, dass man vergisst, dass man eigentlich ein Spiel spielt. Die Sets sehen aus wie in der Serie, die Borg-Assimilierungs-Puzzlemechanik ist genial (du lässt dich absichtlich assimilieren, um ein Passwort zu klauen – Bill & Ted lassen grüßen), und das Ganze ist in unter 2 Stunden durch. Absolute Pflicht, auch für Nicht-Trekkies.
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Mod-Empfehlung: Vorverpackte DOSBox/Windows-3.1-Versionen auf Collection Chamber oder ähnlichen Seiten.
Star Trek: Klingon (PC, 1996)
🟡 Kleine Anpassungen nötig – Über DOSBox in Windows aufzusetzen
Tobi: „Das Krasse an Klingon ist, das wurde aufgezogen als Lehrfaden, der dir beibringen sollte, wie sich Klingonen verhalten und auch die Sprache. In der Box war eine CD drin: Power Klingon.“
Gordon: „Die haben sämtliche Sets hier anscheinend gekriegt für dieses Computerspiel und sämtliche Masken. Das sind ja alles Originalsachen. Das ist ja das Gleiche wie das andere, FMV und Setpiece-mäßig total krass.“
Jascha: „Bei Star Trek Klingon bringt dir der Gowron klingonische Kultur bei. Und immer wenn du dich doof anstellst, experiencest du Bisch.“
Verdict: 🏆 Das klingonische Pendant zu Star Trek: Borg – gleiche FMV-Qualität, mit dem echten Gowron-Darsteller und einer Bonus-CD zum Klingonisch-Lernen. Ja, wirklich. „Power Klingon“ lag in der Box. Wer schon immer mal „Experience Bisch!“ zu seinem Chef sagen wollte, lernt hier die korrekte Aussprache.
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| Nicht mehr erhältlich (Abandonware) | — | PCGW 🟡 |
Mod-Empfehlung: Vorverpackte DOSBox/Windows-3.1-Versionen auf Collection Chamber oder ähnlichen Seiten.
Wusstet ihr schon?
🖖 In der Podcast-Folge entbrannte eine hitzige Debatte darüber, warum man auf der Enterprise einen Transporter-Raum braucht, wenn man auch von überall zurückgebeamt werden kann. Gordons Theorie: O’Brien spielt die ganze Zeit Pac-Man auf seiner Konsole und erzeugt die Transporter-Geräusche selbst mit einem Synthesizer.
🏋️ In Judgment Rites haben alle Charaktere offensichtlich exzessiv trainiert. Scottys Rücken sieht laut Gordon „krasser aus als manch Mensch von vorne.“ Originalzitat: „Der benutzt nie den Transporter, der rennt immer.“ Erklärung für die Muskeln: gefunden.
🎬 In Star Trek: Borg gibt es ein Puzzle, bei dem du dich absichtlich von den Borg assimilieren lassen musst, um das Passwort für ihren Computer zu erfahren. Q setzt dich dann zurück und du kannst das Passwort eintippen. Zeitreise-Cheating auf Bill-&-Ted-Niveau.
👔 Für den Film Star Trek: Generations war kein Budget für neue Uniformen da. Die Crew musste die Kostüme der Deep-Space-Nine-Produktion tragen – Riker hatte hochgekrempelte Ärmel, weil er Worfs Uniform trug, und Picard zuppelte permanent an seinem Outfit. Budget-Engineering at its finest, Teil 2.
🔤 Im Abspann von „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ steht tatsächlich „Uhuru“ statt „Uhura“ – ein Tippfehler, der bis heute nie korrigiert wurde. In einem Film über die Zukunft der Menschheit kann niemand den Namen einer der Hauptfiguren richtig schreiben. Ironisch.
Outro
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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