Kaum hat die Branche die letzte Engine-Generation verdaut, kündigt Epic schon die Unreal Engine 6 an – und Gordon ist baff: “Ich hab so das Gefühl, dass nicht mal die Unreal Engine 5 eine richtige Marktdurchdringung erreicht hat.” Für Tobi ist die Ankündigung vor allem ein Versuch, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, während Epic mit Fortnite und dem Epic Games Store Milliarden verbrennt. Genau dieses Spannungsfeld zwischen großen Tönen und bröckelnden Geschäftsmodellen zieht sich durch die ganze Folge.
Außerdem dabei: das überraschende Aus von Destiny 2, Bubsys stilles Comeback mit Bubsy 4D und ein MiSTer-Handheld-Prototyp. Gordon und Tobi, zwei ausgebildete Game Designer, sortieren in rund 30 Minuten die News der Woche. Keine Sorge, liebe GameStar, wir wollen euch immer noch keine Konkurrenz machen.
Aus dem Studio: Klingel-Hitzschlag & ein Tatort an der Warschauer Straße
Der Start ist klassisch chaotisch: Bei Gordon hat sich wegen der Hitze die Türklingel verzogen und Dauerklingeln ausgelöst – der Amazon-Bote konnte nichts dafür. Tobi liefert die schräge Berlin-Anekdote der Woche: An der Warschauer Straße lief ihm ein Typ mit blutenden Löchern in der Seite über den Weg, die Polizei sperrte kurz darauf alles als Tatort ab. “Wo bin ich hier gelandet?” Dazu gibt’s ausführlich die Umzugs-Saga inklusive Küchenplanung (Poco vs. Küchenstudio vs. IKEA, grifflose Fronten, Laminat statt Furnier) – das Thema, das Tobis Gehirn gerade komplett ausfüllt.
🚀 Unreal Engine 6: Epic zieht den Karren aus dem Dreck
Das Schwergewicht der Folge: Epic hat die Unreal Engine 6 angekündigt – überraschend früh, denn gefühlt hat nicht mal die Unreal Engine 5 (man denke an die Matrix-Demo) richtig Fuß gefasst. Tobi ordnet die Ankündigung im größeren Kontext ein: Epic verliert massiv Geld. Der Epic Games Store hat über eine Milliarde in Gratisspiele versenkt, ohne dass nennenswert gekauft wird, und auch das Fortnite-Geschäft (inklusive eines neuen Roblox-artigen UGC-Modus) bröckelt.
“Warum sollte ich im Epic Store kaufen? Gleiche Spiele, gleiche Qualität, aber mehr Nachteile – bei Steam sind sie oft günstiger. Steam ist bei mir sogar im Autostart.” – Gordon
Beide sehen denselben Fehler wie bei vielen großen Playern: Man hielt die Gelddruckmaschine Fortnite für unkaputtbar und reinvestierte alles in den Store und den jahrelangen Rechtsstreit gegen Apple und Google. Nach 1.000 Entlassungen und Tim Sweeneys Aussage, man brauche noch viel Geld, um das gerissene Loch zu stopfen, wirkt die Engine-Ankündigung wie ein “Es läuft alles bestens”-Signal. Immerhin: Rocket League soll das erste Spiel auf der Unreal Engine 6 werden. Mehr zur Engine gibt’s bei Unreal Engine auf Wikipedia.
🐱 Bubsy 4D: Das Comeback, das niemand mitbekommen hat
Bubsy ist zurück – mit Bubsy 4D, entwickelt vom Indie-Studio Fabraz und veröffentlicht von Atari. Optisch überraschend cool im Cel-Shading-Look, findet Gordon (“würde ich mir tatsächlich mal angucken”). Das eigentlich Bemerkenswerte: Es gab praktisch kein Marketing. “Es ist rausgekommen und keine Sau hat irgendwas gesagt.” Daraus wird ein kleiner Exkurs über die ewigen 90er-Maskottchen-Versuche – Bubsy, Zool, James Pond, Plok –, die für die beiden alle in dieselbe austauschbare Soße gehörten.
“Das waren für mich alle so Versuche, irgendwie ein Maskottchen zu etablieren, die alle irgendwie scheiße waren.” – Gordon
Tobi hingegen hat die ersten beiden Bubsy-Teile damals auf dem Mega Drive sogar ziemlich lange gespielt – “in der Phase, wo ich es noch nicht besser wusste, was ein gutes Spiel ist”. Eine eigene Bubsy-Podcast-Folge ist sogar im Gespräch.
🕹️ MiSTer-Handheld: Schicker Prototyp, fragwürdiges Design
Vom MiSTer-Multisystem-Team kommt ein Handheld-Prototyp – über den schon mehrfach spekuliert wurde, ohne dass je etwas erschien. Gordon findet die bisherigen Bilder eher unfertig (“erinnert an ein Gizmondo oder ein Mod-Projekt”) und liefert direkt seine Wunschvorstellung: Man möge die alten Pressformen eines Sega Game Gear nutzen und einen MiSTer-Handheld in dessen Gehäuse pressen. “Das hätte was – das würde ich kaufen.” Wegen der vielen nötigen FPGA-Layer bräuchte es aber ohnehin ein komplett neues Board.
💀 Destiny 2 wird abgeschaltet – und keiner hat’s gewusst
Die große, traurige News: Destiny 2 wird offiziell abgeschaltet – und laut Berichten wussten nicht mal Teile der Entwickler vorab davon. Tobi entwirrt das ganze Geflecht aus Fehlentscheidungen auf beiden Seiten: Sony hat erst Concord (rund 400 Millionen Dollar) in den Sand gesetzt, dann gefeierte Studios wie Bluepoint zusammengelegt und mitten im Live-Service-Betrieb (Helldivers 2, Marathon) verkündet, keine Singleplayer-PC-Ports mehr zu machen. Bungie wiederum schafft es seit einer Dekade nicht, Destiny zu managen, und hat sogar bezahlten Kampagnen-Content wieder aus dem Spiel entfernt.
Im “Delta aus beiden” ist nun Marathon gefangen: Stark gestartet (88.000 Spieler am ersten Wochenende laut Steam-Peak), dann rapide abgestürzt – aktuell deutlich weniger Spieler als das totgesagte Destiny 2 selbst. Gordon findet es fahrlässig, sich beim PR-Handling auf Sony zu verlassen (“guck dir das Helldivers-2-Debakel an”). Sein einziger konstruktiver Vorschlag: ein In-Game-Portal von Destiny zu Marathon, um die Spieler mitzunehmen. Mehr zur Reihe gibt’s bei Destiny 2 auf Wikipedia. Wie Sony schon bei den PC-Ports zauderte, haben wir in unserer News aus KW 21 beleuchtet.
“Bei Sony weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut – mitten im Live-Service verkünden sie, dass sie keine PC-Spiele mehr machen. Wo ist eure größte Audience gerade?” – Tobi
🐺 Geheimtipp: Wolfhounds
Zum Abschluss eine positive Entdeckung: Wolfhounds, ein Sidescroller-Metroidvania im NES-/SNES-Zwischenlook mit Return-to-Castle-Wolfenstein-Setting. Reduzierter Pixelstil, aber animationstechnisch superb – Gordon vergleicht es mit Shovel Knight. Auf echter NES-Hardware wäre das mit seinen Gimmicks nie möglich gewesen. Ein schönes Beispiel dafür, dass Retro-Ästhetik und moderne Technik wunderbar zusammenpassen können.
🔥 Rant der Woche: Sonys linke und rechte Hand
Der größte Aufreger der Folge ist Sonys Missmanagement im Live-Service-Bereich. Erst Concord für rund 400 Millionen Dollar in den Sand setzen, dann gefeierte Studios zusammenlegen und ausgerechnet mitten im Betrieb von Helldivers 2 und Marathon verkünden, keine Singleplayer-PC-Ports mehr zu machen – für Gordon ein Paradebeispiel dafür, dass “die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut”. Dass sich Bungie beim PR-Handling ausgerechnet auf den Konzern verlassen hat, der schon das Helldivers-2-Debakel mit Account-Zwang und Region-Locks verbockt hat, nennt er schlicht “fahrlässig”. Am Ende ist Destiny 2 das Opfer einer Strategie, die niemand mehr durchblickt.
Wusstet ihr schon?
- 🚀 Die Unreal Engine stammt ursprünglich aus dem Shooter Unreal von 1998 und ist heute die meistlizenzierte Spiele-Engine der Welt – Epic finanziert sie maßgeblich über Fortnite.
- 🎮 Destiny stammt von Bungie, den Schöpfern von Halo – der erste Teil hatte mit rund 500 Millionen Dollar eines der höchsten Budgets der Spielegeschichte.
- 🐱 Bubsy gilt seit dem desaströsen 3D-Ableger “Bubsy 3D” (1996) als Sinnbild für gescheiterte Jump-‘n’-Run-Maskottchen der 90er – Comeback-Versuche gibt es trotzdem immer wieder.
Von der überraschend frühen Unreal Engine 6 über das Destiny-2-Aus bis zu Bubsys stillem Comeback – KW 22 zeigte eine Branche zwischen großen Ankündigungen und harten Realitäten. Wer mehr News will, hört rein in unsere News aus KW 21 oder direkt in die News-Folge zur KW 23.
Outro
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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