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Gaming Setups 2021 – Mister FPGA, Xbox-SSD-Mod und der Dreamcast-Controller-Krieg

Zwei Jahre nach dem ersten Gaming-Setup-Guide hat sich eine Menge getan – und gleichzeitig erstaunlich wenig. Das perfekte Gaming Setup für Retro-Konsolen ist immer noch ein Puzzle aus Kabeln, Adaptern und japanischen Geräten mit unlesbarer Beschriftung. Aber es gibt einen neuen Spieler auf dem Feld, der alles verändert: Das Mister FPGA-Projekt. Zwei ausgebildete Spieleentwickler packen aus – und einer von ihnen hat sich tatsächlich getraut, bei laufender Xbox das IDE-Kabel abzuziehen.

In Teil 2 unserer Gaming-Setup-Reihe geht es um die Frage: Brauche ich wirklich noch Original-Konsolen, wenn ein einziges Board alle Systeme bis zum Neo Geo abbilden kann? Plus: Warum die Polymega für 500 Euro ein Problem hat, warum Tobis Xbox jetzt eine SSD hat, und warum 2,4 GHz besser ist als Bluetooth.

Mister FPGA – Eine Platine, 50 Systeme, null Bullshit

Das mit Abstand spannendste Thema seit dem letzten Gaming Setup ist das Mister-Projekt. Tobi hat sich komplett darauf eingeschossen – und das aus gutem Grund. Das Mister basiert auf dem DE10-Nano Board von Intel, einem FPGA-Chip, der andere Systeme auf Hardware-Ebene nachbilden kann. Klingt wie die Analogue-Konsolen aus Teil 1? Ist es auch – nur open source, günstiger und mit mittlerweile über 50 unterstützten Systemen.

Von NES über Mega Drive und Neo Geo bis hin zum 486er PC – das Mister bildet alles ab. Sogar ein komplettes Windows-Setup kannst du auf dem Ding aufsetzen. Die Arcade-Cores sind besonders beeindruckend: Ein Entwickler namens “Jotego” arbeitet gerade am CPS-2-Core, also dem Capcom-Board, auf dem Klassiker wie Alien vs. Predator und Super Street Fighter II liefen.

“Stellt euch das mal vor: Eine kleine Gruppe von Menschen schreibt die Funktion eines komplexen Computersystems auf einen modernen Chip. Es ist wie Zauberei.” – Tobi

Das Grundsetup kostet rund 330 Euro mit allem Drum und Dran – also weniger als eine einzelne Analogue-Konsole nach Import und Steuern. Der Output geht direkt per HDMI in 1080p raus, mit Integer Scaling für pixelgenaue Darstellung. Tobis Fazit: “Das ist meine One-Stop-Solution für alles bis zur 16-Bit-Generation.”

Die Einschränkung: 32-Bit-Systeme können die aktuellen FPGA-Chips noch nicht. An einem PlayStation-Core wird gearbeitet, aber das N64 ist wegen seiner hohen Datendurchsatzrate vermutlich außerhalb der Reichweite des DE10-Nano. Und Original-Cartridges kannst du natürlich nicht einstecken – wer das will, ist bei Analogue besser aufgehoben.

Xbox Original: Operation am offenen Herzen

Tobi hat sich an seine originale Xbox gewagt – und eine SSD eingebaut. Das klingt simpler als es war. Die Xbox verlangt, dass die Festplatte mit einem Security-Key gesperrt ist. Also musste er bei laufender Konsole das IDE-Kabel vom DVD-Laufwerk abziehen und innerhalb von fünf Sekunden an die neue SSD umstecken. Gordon hatte vorher noch geraten: “Mach doch mal eine Trockenübung.”

Hat beim ersten Versuch geklappt. Ein Terabyte Platz für Xbox-Spiele, die jetzt per Komponentenkabel in bis zu 1080i auf dem Fernseher landen. “Das Menü von der Soft-Mod läuft mit 1080i, und das sieht aus wie 1080p, weil der Fernseher das Deinterlacing macht. Echt lustig.”

Wer das nachmachen will: Die Xbox lässt sich über verschiedene Exploits softmodden – unter anderem über Splinter Cell. Der Memory-Card-Port ist im Grunde ein USB-2.0-Anschluss. Steck einen alten USB-Stick rein und los geht’s. Kostenloser Tipp aus dem Podcast: Auf YouTube nach “Mr. Mario” suchen für Schritt-für-Schritt-Guides.

MODE – Optische Laufwerke sind so 1994

Für alle, die noch Original-Konsolen mit CD-Laufwerk haben: Der MODE (Multi Optical Disc Emulator) von Terra Onion ersetzt das optische Laufwerk durch eine Platine. Plug-and-Play für Dreamcast und Saturn, mit Löt-Kit auch für PlayStation 1. Deine Spiele laufen dann von SD-Karte, USB-Stick oder sogar einer SATA-Festplatte.

“Bei der Dreamcast sind es nur zwei Stecker – altes Laufwerk raus, neue Platine rein, fertig”, erklärt Tobi. Der Preis liegt bei 182 Euro, was nicht wenig ist – aber wenn die Alternative ein sterbender Laser im 25 Jahre alten Laufwerk ist, relativiert sich das schnell.

8BitDo Arcade Stick und warum 2,4 GHz besser ist als Bluetooth

Bei den Controllern hat Tobi den 8BitDo Arcade Stick für sich entdeckt – 80 bis 90 Euro, Switch- und PC-kompatibel, mit eigenem 2,4-GHz-Dongle. Und genau der macht den Unterschied: Bluetooth hat variablen Lag zwischen drei und fünf Frames. Bei 2,4 GHz ist der Lag konstant – du weißt immer, wann dein Input ankommt. Für Fighting Games ein echter Vorteil. Wer tiefer in die Controller-Materie einsteigen will, findet in unserem Controller-Kaufratgeber 2026 die komplette Übersicht.

Gordons Controller-Problem ist derweil ein anderes: Die klebrigen PS3-Analogsticks und das sich auflösende Gummi am Elite Controller. “Die haben ölbasierten Kunststoff verwendet. Der trennt sich langsam auf.” Lösung: Ersatz-Thumbsticks für 10 Euro von eBay. Der Mann mit den 16 Xbox-Controllern hat auch dafür eine Schublade.

Polymega – 500 Euro und trotzdem Software-Emulation?

Die Polymega war mal als FPGA-Revolution angekündigt. Inzwischen läuft sie auf Software-Emulation – was den Preis von 500 Euro für die Basiseinheit schwer rechtfertigt. Tobi: “Da haben sie eigentlich die ursprüngliche Prämisse aufgegeben.” Die Basiseinheit spielt CD-Systeme ab (Saturn, PlayStation, Sega CD), für Cartridge-Konsolen brauchst du teure Zusatzmodule.

Fairerweise: Für den Saturn hat Polymega anscheinend custom an der Emulation gearbeitet, weil es bisher keinen richtig guten Saturn-Emulator gab. Und das Gerät sieht mit seinem Retro-Futuristic-Design verdammt gut aus. Aber für denselben Preis bekommt man ein komplettes Mister-Setup mit mehr Systemen und besserer Genauigkeit.

Die Zukunft: AI-Upscaling für Retro-Spiele?

Am Ende wird’s visionär: Gordon bringt AI-Enhancement ins Spiel. Wenn Babylon 5 per KI auf HD hochgerechnet werden kann – warum nicht auch Super-Nintendo-Spiele? Tobi ist skeptisch was Echtzeit-Verarbeitung angeht, sieht aber Potenzial: “Wenn du so einen billigen Single-Use-AI-Chip hast, der aus einem 240p-Signal ein 1080p-Signal macht – das könnte das nächste geile Ding werden.”

Nvidias DLSS macht im Prinzip genau das, sitzt aber direkt am Grafikchip. Für ein externes Gerät zwischen Konsole und Fernseher wäre der Rechenaufwand deutlich höher. Aber fünf Jahre weiter gedacht? Nicht ausgeschlossen.


Dies ist Teil 2 unserer Gaming-Setup-Reihe. Teil 1 findet ihr hier – dort geht es um die Grundlagen: Signalketten, CRT vs. Flachbild, Framemeister, OSSC und FPGA-Konsolen von Analogue. Und wer sich speziell für Analogue und Everdrives interessiert, dem sei unsere dedizierte Folge dazu empfohlen.


🎮 Wusstet ihr schon?

🔧 Der Memory-Card-Port der originalen Xbox ist im Grunde ein USB-2.0-Anschluss. Mit einem alten USB-Stick kann man die Konsole darüber softmodden.

🎮 Das Mister-Projekt basiert auf dem DE10-Nano Board von Intel, das ursprünglich für Universitäten entwickelt wurde und von Intel subventioniert wird – deswegen kostet es nur rund 100 Dollar.

📡 2,4-GHz-Wireless-Controller haben konstanten Lag, Bluetooth-Controller haben variablen Lag von 3-5 Frames – ein Unterschied, der bei Fighting Games spürbar ist.

🕹️ Das FPGA-Projekt “Mister” entstand aus dem Projekt “MiST” – ein Kofferwort aus Miga und Atari ST, den beiden Computern, die damit ursprünglich emuliert werden sollten.

💰 Die Polymega wurde ursprünglich als FPGA-Konsole angekündigt, wechselte aber im Laufe der Entwicklung zu Software-Emulation – bei einem Basispreis von 500 Euro.

🐒 Donkey Kong 64 wurde mit dem N64 Expansion Pack gebundelt – im Podcast behauptet Tobi, das lag an einem Speicherleck. Tatsächlich wurde das zusätzliche RAM für die dynamische Lichtberechnung benötigt.


Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de
Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast

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