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Fallout Games Teil 2 | Die Fallout TV Serie und der State of Fallout

65 Millionen Zuschauer in 16 Tagen. Die zweiterfolgreichste Serie auf Amazon Prime Video aller Zeiten, direkt hinter Herr der Ringe: Die Ringe der Macht. Und irgendwo in Deutschland sitzen zwei ausgebildete Spieleentwickler der Games Academy und denken sich: Wird auch verdammt nochmal Zeit, dass jemand die Fallout TV Serie richtig umsetzt.

Nachdem Gordon und Tobi in Teil 1 ihrer Fallout Games Retrospektive die komplette Spielereihe von Vault 13 bis zum Canvas-Taschen-Skandal auseinandergenommen haben, knöpfen sie sich jetzt die Amazon-Adaption vor. Und diskutieren nebenbei, was sie sich für die Zukunft der Fallout-Spiele wünschen – Spoiler: Es hat was mit einer gewissen Engine zu tun. Die Fallout TV Serie hat nicht nur die Spielverkäufe durch die Decke gejagt, sondern auch bewiesen, dass Spieleverfilmungen mehr sein können als billiger Cash-Grab. Schnallt euch an, es wird gebinged.


Der State of Fallout – Von Interplay bis zum Serien-Hype

Bevor die beiden zur Serie kommen, gibt es erstmal den obligatorischen Rehash. Nicht, weil sie keine anderen Ideen haben, sondern weil Tobi explizit davor warnt, sich die erste Fallout-Folge anzuhören. Die sei technisch “hinter einem Bettlaken” aufgenommen worden. Stattdessen gibt es den Schnelldurchlauf aller Fallout-Spiele – als Service für euch, damit ihr euch die alte Folge sparen könnt.

Was dabei rauskommt, ist eine kompakte Zusammenfassung der gesamten Reihenhistorie: Von Interplay und Black Isle Studios über das SPECIAL-System bis hin zu Bethesdas Perspektivwechsel mit Fallout 3. Passend dazu hat Tobi seine Freundin mit dem Fallout-TV-Serie-Hype angesteckt – die spielt jetzt im Nebenzimmer Fallout New Vegas, während die beiden den Podcast aufnehmen. Gordon dagegen hat sich Brotherhood of Steel auf der Xbox mit Upscaler vorgeknöpft. Der alte Schinken.

Tobi: “Ich würde fast behaupten, hört euch nicht die erste Folge an. Das ist ganz oft noch so die Experimentierphase. Die hat 4.700 Hörer – aber die Tomb Raider Spiele Teil 1 Folge hat doppelt so viele. Keine Ahnung warum.”

Gordon: “Die Freundin spielt im anderen Raum Fallout New Vegas. Die Serie hat uns total gehypt wieder. Aber bei mir ist es bei dem alten Schinken Brotherhood of Steel geblieben. Ehrlich gesagt hab ich keine Lust, mich nochmal an Fallout 4 zu setzen.”


Die Fallout TV Serie und das Crafting-Problem – Die ewige Engine-Debatte

Die Fallout TV Serie hat einen unbeabsichtigten Nebeneffekt: Die Leute wollen wieder Fallout spielen, und das Einzige, was halbwegs aktuell ist, ist Fallout 4 mit seinem Next-Gen-Update. Oder Fallout 76 auf einem überfüllten Server. Willkommen im Jahr 2024, wo Bethesda die größte Marketing-Chance aller Zeiten verschlafen hat.

Gordon macht seinem Unmut Luft – wieder einmal geht es um die Creation Engine. Wer in unserer id Software Retrospektive aufgepasst hat, weiß: Engines machen oder brechen ein Spiel. Und diese Engine macht Fallout seit Morrowind kaputt.

Gordon: “Die Leute sehen seit Oblivion gleich aus. Pfannkuchen mit Augen. Ich hab jetzt Grey Zone Warfare gespielt – Unreal Engine 5. Danach sieht alles andere scheiße aus. Und ich schwör dir: Fallout 5 wird mit der Scheiß-Engine rauskommen.”

Tobi: “Starfield war der Moment, wo mir wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Das ist ein Reskin von Fallout 4. Eine Total Conversion Mod. Da hab ich meinen Glauben an dieses Studio verloren.”

Das Crafting-System kommt ebenfalls nicht gut weg. Tobi hasst den Basenbau (“Es ist nie alles gerade, du konntest nichts ebnen”), Gordon hält das gesamte Loot-System für überflüssig (“Ich hab noch nie was außer Stimpaks und Radaway benutzt”). Beide sind sich einig: Für das nächste Fallout muss sich grundlegend was ändern. Wer gerne baut, darf weiterhören – alle anderen sind beim Videogamecast genau richtig.


Was sich Gordon und Tobi für Fallout 5 wünschen

Hier gehen die Meinungen der beiden Spieleentwickler auseinander – und genau das macht es spannend.

Gordons Wunschliste:

  • Einen puren Fallout-Shooter mit geilen Endbossen
  • Oder einen Looter-Shooter, der die Brücke zu Brotherhood of Steel schlägt
  • Den schwarzen Humor aus den ersten beiden Teilen zurückbringen
  • “Sugar Bombs und Red Rocket sind nur noch ikonischer Kram ohne Substanz dahinter”

Tobis Wunschliste:

  • Ein echtes Rollenspiel, kein Shooter mit RPG-Elementen
  • Koop-Modus – “Das fehlt mir total bei Fallout”
  • Auf gar keinen Fall noch eine Open World
  • Von ihm aus isometrische Perspektive, wie Alien Dark Descent oder Jagged Alliance 3
  • Kompakte Story wie bei The Outer Worlds, nur mit mehr Budget

Passend zum Thema Open World haben die beiden auch in ihrer Draußen – Open World Games Episode ausführlich diskutiert, warum offene Spielwelten nicht automatisch besser sind.

Tobis Argumentation zur Open World ist tatsächlich ziemlich clever: Die USA sind in der Mitte quasi leer. Wenn 95 % der Bevölkerung durch einen Atomkrieg wegradiert werden, ist da noch weniger. Eine Fallout-Open-World müsste eigentlich trostlos, gefährlich und fast unpassierbar sein – nicht ein Bällebad voller interessanter Fundstücke alle 200 Meter.

Tobi: “Von mir aus kann die Open World bleiben. Aber sie sollte ein Charakter sein, ein Hindernis. Wie bei Death Stranding. Der Trip an sich ist das Abenteuer. Nicht das Aufdecken von jedem Quadrat, weil da irgendwo ein Skelett auf einem Sonnenstuhl sitzt.”

Gordon: “Ich will auf gar keinen Fall noch eine Open World. Da breche ich im Strahl. Gebt mir Hubs, gebt mir Levels. Der Pinnacle of Creativity war in Teil 2 erreicht.”


Die Fallout TV Serie – Endlich wieder echtes Fallout

Und jetzt zum Hauptgang. Die Fallout TV Serie auf Amazon Prime Video. Acht Folgen, gedreht von Jonathan Nolan (ja, der Bruder), und das Ergebnis ist etwas, das weder Gordon noch Tobi erwartet hätten: Eine Spieleverfilmung, die tatsächlich funktioniert. Wer sich erinnert, wie katastrophal die Halo TV-Serie lief – das hier ist das exakte Gegenteil.

Die Fallout TV Serie erzählt ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit (2077) lernen wir Cooper Howard kennen – einen Cowboy-Schauspieler, der als Werbefigur für Vault-Tec arbeitet und langsam herausfindet, dass hinter den Vaults mehr steckt als Überlebensvorsorge. In der Gegenwart (~2296) begleiten wir Lucy, eine naive Vault-Bewohnerin aus Vault 33, die an die Oberfläche muss, um ihren entführten Vater zu finden.

Tobi: “Die haben eigentlich alles berücksichtigt. Der Adaptionsfaktor ist Through the Roof. Und am meisten hat mir gefallen, dass sie endlich den Humor wieder hinbekommen haben. Das hat die Essenz der ersten zwei Spiele besser eingefangen als alle Teile danach.”

Gordon: “Für mich hat es definitiv rausgerissen, dass sie diese Soundtracks aus Fallout 3 und 4 verwendet haben. Im Abspann und während der Serie. Lizenztechnisch könnte das schwierig sein – aber das ist richtig, richtig gut gewesen. Die Kirsche auf der Torte, auf der Sahne, auf der Kirsche.”


Die Charaktere der Fallout TV Serie – Lucy, der Ghoul und der opportunistische Maximus

Lucy MacLean (gespielt von Ella Purnell) startet als Verkörperung von Naivität. Sie verschenkt ihr Wasser an einen verstrahlten Farmer, der versucht, Pflanzen in Sand anzubauen. Sie hat ein Catchphrase (“Okidoki”), das sich einbrennt und am Ende ihre Entschlossenheit transportiert. Purnell hat laut eigener Aussage alle Fallout-Spiele gespielt und sich YouTube-Videos reingezogen, um den perfekten Vault-Bewohner darzustellen.

Der Ghoul/Cooper Howard (Walton Goggins) ist der ikonischste Charakter der Fallout TV Serie. Ein Cowboy, der 220 Jahre als Ghoul überlebt hat und jetzt als gefürchteter Kopfgeldjäger durch das Wasteland streift. Goggins hat die Spiele bewusst nie angespielt – er wollte sich komplett auf den Charakter konzentrieren. Das Ergebnis? Ein Darth-Vader-Arc par excellence: Die Welt hat ihn böse gemacht, aber in seinem Herz ist er immer noch gut.

Maximus ist der schwächste der drei Hauptcharaktere – da sind sich Gordon und Tobi einig. Ein Waisenkind aus dem Wasteland, das sich der Brotherhood of Steel angeschlossen hat und im Laufe der Serie seinen Ritter sterben lässt, um selbst eine Power-Rüstung zu tragen. Opportunistisch, unberechenbar, schwer sympathisch.

Tobi: “Es wirkt so, als hätten sie versucht, einen Spiel-Charakter nachzuempfinden. Also wie würde jemand da durchlaufen, der nicht sagt, ich will absolut gut sein oder absolut böse. Der nimmt die Power-Rüstung, schießt den kaputt – aber das landet nicht wirklich, finde ich.”

Gordon: “Lucy ist ein sehr pragmatischer Charakter. Die Naivität in Person. Und die Serie hat ihr Social Experiment bestanden: Meine Freundin kannte Fallout nicht und hat trotzdem alles verstanden und fand es super unterhaltsam.”


Vault-Tec, Kryokapseln und die große Verschwörung

SPOILER-WARNUNG – Ab hier wird der Plot besprochen.

Die große Enthüllung der Fallout TV Serie: Vault 31 ist kein normaler Vault, sondern eine Kryokapsel-Station für Vault-Tec-Mitarbeiter und Regierungsangehörige. Von dort werden seit 200 Jahren die Overseers der benachbarten Vaults 32 und 33 rekrutiert. Lucys Vater ist einer davon – und nicht der nette Overseer, als den ihn alle kennen.

Und dann der absolute Brainfuck: Die Serie deutet stark an, dass Vault-Tec selbst für die Zündung der Atombomben verantwortlich ist. Cooper belauscht über einen Sender im Pip-Boy seiner Frau ein Schattenregierungstreffen der größten Konzerne – RobCo, West-Tek und Vault-Tec – und hört, wie sie beschließen, die Bomben fallen zu lassen, um die Menschheit “neu zu starten”. Wer die Lore aus unserer Fallout Games Retrospektive kennt, ahnt, wie das mit dem forcierten Evolutionsvirus und den Supermutanten zusammenhängt.

Tobi: “Es wird zu 99 % aufgelöst, dass Vault-Tech für die Zündung der Atombomben verantwortlich ist. Das war kein Angriff von außen. Die haben das selber verursacht, um die Welt zu gewinnen – nicht um Frieden zu schaffen, sondern um zu gewinnen. Weil der einzige Faktor, den keiner umgehen kann, die Zeit ist.”


Wünsche für Staffel 2 der Fallout TV Serie – Deathclaws, keine Liebesgeschichte

Gordon hätte gerne Deathclaws und Supermutanten in der zweiten Staffel der Fallout TV Serie – einfach, weil sie dazugehören. Tobi lässt sich lieber überraschen und will sich nicht hypen. Das Star Wars Galaxies-Trauma sitzt tief.

Einig sind sie sich in einem Punkt: Lucy und Maximus dürfen auf keinen Fall ein Paar werden. “Ray und Finn, nicht Ray und Kylo Ren”, wie Gordon es formuliert. Wer unsere Spieleverfilmungen-Reihe verfolgt, weiß: Erzwungene Romanzen ruinieren Franchise-Adaptionen schneller als eine Mini-Nuke.

Am Ende der Staffel steht Lucys Vater in einer Power-Rüstung vor den Toren von New Vegas. Season 2 wird kommen – die Fallout TV Serie hat alle Rekorde gebrochen. Gordons größte Sorge? Dass Bethesda kein neues Spiel parat hat, um den Serien-Hype zu monetarisieren. Todd Howard, der “Vorzeigelabersack der Spiele-Branche”, hat das laut Gordon gar nicht mitbekommen. “Der ist im Indiana-Jones-Tunnel verschwunden.”

Gordon: “Todd Howard wird als Executive Producer aufgeführt. Aber ich glaube, der wusste gar nicht, dass die Serie fertig ist. Der hat davon keine Ahnung. Der ist so satt.”

Tobi: “Und ich schwör dir: Fallout 5 kommt mit der Scheiß-Engine. Ich beschwöre es. Mit jedem neuen Spiel, was er mit dieser Gumpen-Engine veröffentlichen kann, lebt Todd Howard 10 Jahre länger.”


🎮 Wusstet ihr schon?

📺 65 Millionen in 16 Tagen: Die Fallout TV Serie erreichte innerhalb von 16 Tagen nach Release 65 Millionen Zuschauer auf Amazon Prime Video – nur “Ringe der Macht” startete erfolgreicher. Staffel 2 legte mit 83 Millionen Zuschauern nochmal einen drauf.

🤠 Cooper Howard = Vault Boy: In der Serie wird enthüllt, dass Cooper Howard (der spätere Ghoul) als Schauspieler die Werbefigur für Vault-Tec war – und damit die direkte Vorlage für den ikonischen Vault Boy mit dem Daumen-hoch-Pose. In den Spielen hatte der Vault Boy bisher keinen konkreten Ursprung.

🎮 Goggins spielt nicht: Walton Goggins hat nie ein Fallout-Spiel angespielt und will das auch nicht. Er wollte sich komplett auf den Charakter konzentrieren, ohne von der Spielvorlage beeinflusst zu werden. Ella Purnell (Lucy) hat das Gegenteil gemacht und sich laut eigener Aussage alle Spiele und YouTube-Videos reingezogen.

🔬 Borderlands Science schlägt Supercomputer: Die im Podcast erwähnte Citizen-Science-Geschichte ist real: In Borderlands 3 gab es ab 2020 das Minigame “Borderlands Science”, bei dem 4,5 Millionen Spieler durch Puzzles halfen, das menschliche Darm-Mikrobiom zu kartieren. Die Ergebnisse wurden 2024 in Nature veröffentlicht und übertrafen die Genauigkeit aller bisherigen Computeralgorithmen.

🎤 Matt Berry als Mr. Handy: Der Roboter-Butler in der Fallout TV Serie wird von Matt Berry gesprochen – bekannt als Douglas Reynholm aus IT Crowd und aus What We Do in the Shadows. In den Spielen wurde Codsworth von Stephen Russell gesprochen. Berry spielt in der Serie eine Doppelrolle: den Mr. Handy und den Schauspieler Sebastian Leslie, der dem Roboter seine Stimme leiht.


Viel Spaß beim Hören!

Tobi & Gordon

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