Kaum eine Woche vergeht, in der ein Konzern nicht beweist, wie egal ihm seine Kunden sind – und KW 30 ist ein Musterbeispiel. Die geplante God of War Serie steht still, weil sich der Kratos-Darsteller am Set verletzt hat. Nintendo will euch selbst dann kein Geld zurückgeben, wenn der Staat Nintendo Zölle erstattet. Dazu ein sterbendes PS5-Laufwerk und ein GameStop-CEO, der zum Disc-Aus nur mit den Schultern zuckt.
Außerdem dabei: eine geballte Ladung Recomp- und Decompile-News, Cliff Bleszinski über seinen Alkoholismus während Gears of War, und die Sorge, was Netflix und Amazon aus Lara Croft und der God of War Serie mit Kratos machen. Gordon und Tobi arbeiten sich mal wieder an der Konzern-Logik ab – laut, ehrlich und mit dem üblichen Hang zur Eskalation.
Aus dem Studio: Umzug, IKEA und ein Opa mit Hausverbot
Tobi steckt mitten im Umzug – und die kurze Anekdote über eine IKEA-Küchenlieferung, die nicht so wollte wie versprochen, sorgt zum Einstieg für die passende Kundendienst-Wut. Mehr sei nicht verraten, im Podcast wird es deutlicher.
Passend dazu Gordons Klassiker: ein faktisches Hausverbot im Sony-Store, weil sein Opa laut wurde, nachdem ein Sony-Vaio-Laptop mehrfach “repariert” zurückkam, ohne dass sich etwas geändert hatte. Tobis Reaktion, halb im Scherz: “Kann dein Opa mit mir zu IKEA?”
💸 Nintendo, die Zölle und das eiskalte “Ihr habt es trotzdem gekauft”
Der US Supreme Court hat Trumps IEEPA-Zölle für verfassungswidrig erklärt, und US-Verbraucher ziehen per Sammelklage gegen Nintendo. Der Knaller: In seiner Klageerwiderung argumentiert Nintendo, dass es Käufern nichts zurückzahlen muss – selbst dann nicht, wenn Nintendo selbst vom Staat Zollrückerstattungen kassiert. Tobi liefert den Kontext, von der EU-Pflicht zu austauschbaren Akkus bis zu den Preiserhöhungen rund um die Switch 2.
“Nintendo sagt aber so, zurückerstatten, das nehmen wir gerne, aber an die Käufer geben wir halt nichts zurück. Ich würde sagen, also finde ich, finde ich okay.” – Gordon
Gordon findet die Logik tatsächlich nachvollziehbar – ihr habt es zu dem Preis gekauft, Ende der Diskussion. Tobi sieht es kälter: “Nintendo ist das alles scheißegal.” Ein Verdict gibt es hier keins, nur zwei Männer, die sich an derselben Konzern-Arroganz unterschiedlich stark reiben.
💿 Physisch vs. digital: Ist die Disc schon tot?
Auslöser ist ein Analystenbericht zu Sonys Verkaufszahlen und dem physisch-digital-Verhältnis bei Titeln wie Spider-Man 2. Tobi bleibt skeptisch – ein einzelner Analyst ist noch keine gesicherte Sony-Zahl. Gordon dagegen sieht den physischen Markt bei Neuveröffentlichungen faktisch als erledigt: Sein Blick ins Media-Markt-Regal reichte, das war quasi leer.
“Der Zug ist abgefahren. Als PC-Spieler juckt mich nicht, dass die nicht auf der Disc ausgeliefert werden.” – Gordon
Von da geht es zu unnötig riesigen Patches – ein Call of Duty Modern Warfare mit 85 GB als Paradebeispiel – und zu Tobis ganz persönlichem Frust über sein PS5-Laufwerk, das langsam zur Deko verkommt.
“Ich fühle mich halt betrogen, weil ich habe mir diese PS5 gekauft mit Laufwerk und dann sagen die mir irgendwann, ja, für dein Laufwerk kriegst du nichts mehr – ist doch Bullshit.” – Tobi
Eingebettet: Ein GameStop-CEO äußert sich achselzuckend zu “keine Disc-Spiele mehr”, woraufhin Tobi ihn sinngemäß als Trittbrettfahrer und “Lolcow der Industrie” abstempelt, inklusive Martin-Shkreli-Vergleich. Auch die Steam Machine bekommt ihr Fett weg: “underpowered und overpriced”, bei rund 500 Euro Startpreis hätte das Ding funktionieren können. Verkauft hat es sich trotzdem – wer die Hardware-Debatte vertiefen will, dem sei unser Steam Controller 2026 im Test und die Steam-Machine-Folge aus News KW 26 ans Herz gelegt.
🕹️ Recomps, Decomps und ein besoffenes Gears of War
Aus Tobis Lieblings-Youtuber Video Game Esoterica kommt die geballte Ladung Nerd-Nachschub: eine Pokémon-Red-Recompilation (Gordon freut sich als Fan der ersten Stunde, sieht ohne Modding-Erweiterungen aber wenig Mehrwert), ein neues PS1-Recomp-Tool, ein Work-in-Progress-Dreamcast-FPGA-Core für den MiSTer, ein zu 100 % dekompiliertes Pikmin, ein Sin-&-Punishment-Recomp des N64-Treasure-Klassikers und ein Gears of War 2 PC-Port. Gordon würde Letzteren im Koop mit Tobi anspielen – kann sich nur kaum noch an den Inhalt erinnern.
Passend dazu: Cliff Bleszinski, Lead Designer der Gears-of-War-Trilogie, hat öffentlich über seinen Alkoholismus während der Entwicklung gesprochen. Die Gears-of-War-Trilogie sei “largely developed hungover by me. I was, at that point, a functioning alcoholic”, so Bleszinski. Gordon erinnert nebenbei daran, dass Cliffy B auch das ursprüngliche Fortnite mitverantwortet hat – jene Koop-Survival-/Tower-Defense-Version, die er selbst mal “mit Müller und noch zwei anderen” gespielt hat. Wer der Mann ist, klären wir weiter unten.
📺 God of War Serie: Kratos-Darsteller verletzt, Produktion stockt
Für die geplante God of War Serie bei Amazon hat sich Kratos-Darsteller Ryan Hurst am Set verletzt, die Produktion pausiert und wird umbesetzt. Gordon hofft ausdrücklich, dass es eine physische und keine psychische, druckbedingte Verletzung ist – und ordnet das Besetzungsproblem generell ein: Einen glaubwürdigen Kratos für die God of War Serie zu finden, ist ungefähr so heikel wie damals Pablo Schreiber als Master Chief.
Die zweite TV-Baustelle: Tobi ist besorgt über die geplante Tomb-Raider-Serie von Netflix/Amazon. Er verweist auf die bereits gelaufene animierte Tomb-Raider-Serie (“nach einer Episode ausgestiegen”) und auf Autorin Phoebe Waller-Bridge. Beide sind sich einig, dass Lara Croft bewusst simpel und “badass” bleiben sollte, statt überkonstruiert zu werden – das funktionierende Typecasting eines Vin Diesel oder Jason Statham ist ihnen lieber als jede zerredete Figur. Wer Lust auf die Spiele-Historie dahinter hat: In unserem kompletten Tomb-Raider-Guide gehen wir alle Teile durch. Und ja, auch bei der God of War Serie mit Kratos gilt: lieber wuchtig und klar als klug gemeint und langweilig.
Wer ist eigentlich Cliffy B? Eine kurze Karriere-Biografie
Weil sein Name in dieser Folge gleich mehrfach fällt, hier die Kurzfassung eines der prägendsten und lautesten Designer der Branche.
Cliff Bleszinski, geboren am 12. Februar 1975 in North Andover, Massachusetts, ist einer der bekanntesten Game Designer der USA. Sein Vater arbeitete als Ingenieur bei Polaroid und starb 1990, woraufhin die Familie in die Vororte von Los Angeles zog. Schon als Teenager programmierte Bleszinski eigene Spiele; sein Titel Dare to Dream brachte ihn 1992 zu Epic Games, wo er über die Jahre zum Design Director aufstieg und insgesamt rund 20 Jahre blieb – bis Oktober 2012.
Bei Epic verantwortete er eine beeindruckende Reihe: das Jump-‘n’-Run Jazz Jackrabbit (1994, mit Arjan Brussee), den Shooter-Meilenstein Unreal (1998), als Lead Designer Unreal Tournament (1999) und schließlich die Gears-of-War-Trilogie (2006, 2008, 2011), die die Deckungs-Shooter-Ära einer ganzen Konsolengeneration prägte. 2011 stellte er bei den Spike Video Game Awards zudem ein damals unscheinbares neues Projekt vor: Fortnite – seinerzeit ein Koop-Survival-/Bau-Spiel, das erst Jahre später als Battle Royale zum weltweiten Phänomen wurde.
2014 gründete er sein eigenes Studio, Boss Key Productions. Der Arena-Shooter LawBreakers (2017) fand trotz guter Kritiken kaum Spieler, das im Schnellverfahren nachgeschobene Battle Royale Radical Heights (2018) kam als Rettungsversuch zu spät – im Mai 2018 schloss Boss Key seine Türen. Seitdem war es ruhig um Bleszinski, der sich unter anderem am Theater versuchte und ein Memoir schrieb. 2026 machte er wieder Schlagzeilen: mit der offenen Aufarbeitung seines Alkoholismus (siehe oben) und der Ankündigung, in die Spielebranche zurückkehren zu wollen.
Wusstet ihr schon?
- ⚖️ Nintendo argumentierte in einer Klageerwiderung zu einer Sammelklage US-amerikanischer Verbraucher, dass es Käufer nicht entschädigen müsse – selbst wenn Nintendo selbst US-Zollrückerstattungen erhält (Quelle: Game Rant, “Nintendo is Being Sued Over Tariff Refunds”, April 2026).
- 🍺 Cliff Bleszinski erklärte, die komplette Gears-of-War-Trilogie sei von ihm “largely developed hungover” worden – er sei zu dieser Zeit ein “functioning alcoholic” gewesen (Quelle: 80 Level, 2026).
- 🏥 Nach einem alkoholbedingten Krankenhausaufenthalt am 23. März 2026 hörte Bleszinski mit dem Trinken auf, begann eine ambulante Behandlung und plant sein Comeback in der Spielebranche (Quelle: Game Rant, 2026).
- 🎮 Bleszinski war der Design Director, der Fortnite 2011 bei den Spike Video Game Awards erstmals der Öffentlichkeit vorstellte – damals als Koop-Survival-/Bau-Spiel, nicht als Battle Royale (Quelle: Gamereactor).
- 🐰 Bevor er mit Unreal und Gears of War berühmt wurde, schuf Bleszinski 1994 gemeinsam mit Arjan Brussee das Jump-‘n’-Run Jazz Jackrabbit für Epic (Quelle: Wikipedia).
- 💪 Ryan Hurst wurde als Kratos in Amazons God of War Serie neu besetzt, nachdem er sich im Juni 2026 bei einem Stunt am Set einen Bizepsriss zugezogen hatte – vier bereits gedrehte Episoden mussten neu gedreht werden (Quelle: Engadget, Juli 2026).
Von Nintendos Zoll-Frechheit über die sterbende Disc bis zur God of War Serie mit einem verletzten Kratos – KW 30 hat wieder alles, worüber man sich schön aufregen kann. Den kompletten Rant gibt es nur in voller Länge auf die Ohren; die Vorwoche findet ihr in unseren News aus KW 29.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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