Ihr kennt das: Ihr kauft euch eine “Ultimate Collection” mit 17 Spielen, startet den ersten Titel – und nichts funktioniert. Kein Sound, falsche Auflösung, 1000 Frames pro Sekunde oder einfach ein schwarzer Bildschirm. Willkommen bei der Command & Conquer Ultimate Collection auf Origin. Oder wie EA den Launcher inzwischen nennt. Keiner weiß es so genau.
Im zweiten Teil der Command and Conquer Spiele Retrospektive im Videogamecast haben Gordon und Tobi die Ärmel hochgekrempelt – und die Spiele tatsächlich noch mal angefasst. Tobi hat sämtliche Konsolen-Ports verglichen (N64, PlayStation, Saturn), Gordon hat sich durch das PC Gaming Wiki gewühlt und ein altes Retrogamer-Magazin ausgegraben. Zusammen haben sie es sogar geschafft, Red Alert 2 im Multiplayer zum Laufen zu kriegen. Es hat nur den halben Abend gedauert. Wie in Teil 1 der C&C-Retrospektive geht’s um persönliche Erfahrungen, technische Katastrophen und die Frage: Warum verkauft EA Spiele, die nicht funktionieren?
Konsolen-Ports: Wenn der Saturn aussieht wie Dune 2
Tobi hat für diesen Podcast etwas getan, was die wenigsten Menschen im Jahr 2022 noch tun: Er hat Command & Conquer auf dem Sega Saturn gestartet. Über ein direktes RGB-Signal, wohlgemerkt – die Bildqualität ist top. Das Ergebnis? “Das sieht mega kacke aus. Also mega mega kacke. Aber es sieht genauso aus wie Dune 2.” Und das ist kein Kompliment.
Die Saturn-Version hat keine Bauanimationen für Gebäude – die erscheinen einfach. Auf dem PC war das einer der coolsten Momente: Wie sich die Gebäude von innen nach außen in 20 bis 30 Frames aufbauen, das sah richtig gut aus. Auf dem Saturn? Poof. Da steht’s. Dazu bewegen sich alle Einheiten in Zeitlupe. “Guck mal wie langsam sich die Männchen bewegen. Wenn du das auf dem PC spielen würdest, die werden locker doppelt bis dreifach so schnell.”
Die N64-Version hingegen ist ein komplett anderes Tier: Alles in 3D, mit echten Höhenunterschieden im Terrain. Klingt erstmal geil – aber mit dem Expansion Pack wird’s zum Diashow-Simulator. “Wenn du das Expansion Pack anmachst, dann ist das echt 10 Frames oder so.” Das Problem? Die Schweine haben die Auflösung hochgedreht, weil mehr RAM verfügbar war. Ergebnis: unspielbar.
Der Gewinner unter den Konsolen-Ports? Die PlayStation – vor allem mit Maus. Tobi hat das auf dem MiSTer FPGA ausprobiert: USB-Maus anschließen, die wird als PlayStation-Maus durchgeschleift, und Red Alert spielt sich damit “extrem cool”. Das erste C&C leider nicht – nicht kompatibel. Aber Red Alert auf der PS1 mit Maus? Das funktioniert tatsächlich richtig gut.
Die Ultimate Collection: 17 “Klassiker” und nichts funktioniert
Gordon und Tobi haben beide die Command & Conquer Ultimate Collection bei Origin gekauft. 17 Spiele. Klingt nach einem Schnäppchen. Gordon hat sie alle aufgezählt – und ja, es sind tatsächlich 17, wenn man die Missions-CDs und Add-ons einzeln zählt:
Command & Conquer, Der Ausnahmezustand, Alarmstufe Rot, Gegenschlag, Vergeltungsschlag, Tiberian Sun, Feuersturm, Alarmstufe Rot 2, Yuris Rache, Generals, Die Stunde Null, Renegade, Tiberium Wars, Kanes Rache, Alarmstufe Rot 3, Der Aufstand, Tiberian Twilight.
“Schon frech zu sagen ’17 Kampfstrategie-Klassiker’, wenn sie die Missions-CD von Teil 1 dazuzählen”, merkt Gordon an. “Und ein Klassiker ist auf jeden Fall NICHT Command & Conquer 4: Tiberian Twilight. Auf gar keinen Fall.”
Das eigentliche Problem: Kaum ein Spiel in dieser Collection funktioniert out of the box. Keine Auflösungsoptionen, keine Patches, einfach die nackten Executables. Red Alert 2 war die Hölle – Multiplayer-Launcher installieren, Renderer umstellen, Origin-Launcher patchen, Registry-Einträge fixen, und dann noch Alt+Enter für den Fenstermodus. “Alone in the Dark von 1992 kriegen wir gestreamt. Aber nicht Red Alert 2. Ich bitte euch.”
Tobis Tipp: Die Spiele bis hoch zu Tiberian Sun sind inzwischen offiziell Freeware. Es gibt Fan-Downloader, die alles automatisch runterladen, installieren und patchen. Das ist die bessere Variante – ehrlich gesagt die einzige spielbare Variante. Für den Rest hilft das PC Gaming Wiki.
Gameplay-Feinheiten: Vom dümmsten Sammler der Spielegeschichte
Beim Nachspielen sind Gordon und Tobi ein paar Details aufgefallen, die man als Kind nicht so wahrgenommen hat. Zum Beispiel: Die Wegfindung. Bei den Command and Conquer Spielen bis Teil 1 gab’s keine “Angriffsbewegung” – wenn du deinen Truppen einen Bewegungsbefehl gibst, laufen die stur geradeaus. Gegner werden ignoriert. Soldaten rennen an feindlichen Panzern vorbei ins offene Feuer. Erst wenn du gezielt auf einen Gegner klickst, wird angegriffen.
Und dann der Sammler. Oh Gott, der Sammler. “Gleichzeitig die Einheit, die am meisten ausgehalten hat – und die dümmste Einheit im ganzen Spiel”, fasst Gordon zusammen. Du musstest den permanent manuell zurückschicken, weil er sich in irgendwelchen Ecken festgefahren hat. Bei Tiberian Sun wurde das mit den Schwebeeinheiten zumindest etwas besser – die konnten über andere Einheiten drüberschweben.
Und dann dieser Moment am Ende jeder Mission: Du hast die komplette gegnerische Basis zerstört, eine Armee von Infanteristen in Sekunden plattgemacht – und dann fährt dich ein blöder Sammler über die halbe Map und du musst 10 Minuten Einheiten nachbauen, nur um dieses eine letzte Fahrzeug zu erwischen. “Das kannst du mir nicht erzählen, dass irgendeiner das D20 gewürfelt hat und gesagt hat: Richtig nerviger Scheißdreck, den lasse ich drin.”
Gordon: “Du hast eine ganze Armee von Infanteristen, die in Sekunden den ganzen Scheiß plattgemacht haben. Und dann fährt dich so ein blöder Sammler über den Haufen.”
Red Alert 2: Udo Kier, Kampfzeppeline und Kraken
Gordon hat Red Alert 2 persönlich kaum gespielt – er hat vor allem bei seinem Kumpel Clemens zugeguckt. “War eigentlich so ein bisschen beschämt, dass ich das selber nie gespielt habe, weil Red Alert fand ich ja richtig geil.” Was ihm sofort wieder einfiel: Die Kampfzeppeline in Paris. Und der Bösewicht.
Denn wer spielt Yuri, den psychisch begabten Antagonisten? Kein Geringerer als Udo Kier – deutscher Exportschlager nach Hollywood, in über 280 Filmen zu sehen, und in Red Alert 2 mit einer “sehr überzeugenden Maske”. Gordon: “Hätten sie jetzt ‘Udo’ auf seine Stirn drauf geschrieben, hätte auch funktioniert.” Udo Kier verstarb im November 2025 im Alter von 81 Jahren – seine Rolle als Yuri bleibt unvergessen.
Red Alert 2 hat die Campy-Skala von Alarmstufe Rot noch mal ordentlich hochgedreht. Gleich in der ersten Alliierten-Mission wird die Freiheitsstatue zerstört, bei den Sowjets greifst du das Pentagon an. Tanja ist wieder dabei, sprengt alles mit C4 in die Luft. Und die Einheiten? Kraken. Kampfzeppeline. Schrottpanzer. “Dass du sofort den Kraken erwähnt hast – what the fuck was ist das denn”, lacht Gordon.
Generals: Das erste 3D-C&C und der lustigste Kopierschutz aller Zeiten
2003 kam Generals raus – und für Gordon war es eine Revolution. Das erste Command & Conquer komplett in 3D, mit freier Kamerarotation und Zoom. “Die haben so Hochhäuser gezeigt und dann diese Düsenjäger, die da durchgeflogen sind – das sah super, super cool aus.”
Das Problem: In Deutschland war das Spiel massiv zensiert. Es hieß “Generäle” statt “Generals”, alle Menschen wurden durch Roboter und Cyborgs ersetzt, das Intro wurde komplett entfernt, und die Selbstmord-Einheiten? Gestrichen. “Die haben da ganze Einheiten rausgekürzt. Du hast nicht diese geile Synchronisation gehabt von den Figuren.” Die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) hatte 2003 zugeschlagen – die unzensierte Version wurde indiziert.
Und dann der Kopierschutz – eine Geschichte, die Gordon bis heute nicht loslässt: “Viele werden jetzt lachen, weil ich glaube, das haben auch gar nicht so viele Leute in Deutschland im Original gehabt.” Wer eine Raubkopie spielte, dessen Gebäude explodierten nach 30 Sekunden. Einfach so. Bumm. Alles weg. “Wir hatten alle komischerweise den gleichen Fehler.” Spoiler: Es war kein Fehler.
Was Generals aber wirklich besonders machte, war die dritte Fraktion: Die GLA (Global Liberation Army) – im Grunde die Taliban. Schrottpanzer, Pickups mit 50er-Kaliber, Raketennester, Tunnelgräber. Und die beste Einheit im ganzen Spiel: Der Angry Mob. Ein riesiger Haufen aus zehn Figuren mit Fackeln und AK-47s, die “We need shoes!” und “AK-47s for everyone!” brüllen. “Das war der Hammer, diese Figuren durch die Gegend zu scheuchen. Wie Life of Brian. ‘Folgt dem Schuh! Nein, folgt der Flasche!’”
Was Gordon besonders liebte: Die Einheiten verbesserten sich nicht nur auf dem Papier – sie sahen auch besser aus. Der Scorpion Tank bekam bei Level-Up eine Rakete an der Seite, dann einen besseren Kanonenturm, bessere Panzerung. “Das ist was ich mir immer gewünscht habe. Wenn du die halt durchziehst und nicht als Kanonenfutter behandelst, dann werden die auch wirklich optisch besser.”
Und das Addon Zero Hour? Da kamen erst die namensgebenden Generals rein – Spezialisierungen, die das Kernspiel verändern. “Die haben das Kernfeature des Spiels halt gestrichen, nur um es dann ein Jahr später im Addon nachzureichen.” Klassiker.
Tobi: “Wie stellt sich ein Achtjähriger vor, dass eine böse Basis aussieht? Da ist eine Hand. Weil das Ding heißt Hand von Nod. Das ist halt wirklich das Scheiß-Gebäude – eine riesige Hand.”
EA schluckt Westwood: Der Anfang vom Ende
Zwischen Red Alert 1 und Tiberian Sun passierte das, was bei vielen Studios der Anfang vom Ende war: EA kaufte Westwood. 1998 für 122,5 Millionen Dollar – und dann wurde das Studio Stück für Stück umgebaut. Gordon korrigiert: “Die wurden nicht reduziert, sondern das Gegenteil. Die wurden von unter 20 auf über 60 Mann hochgeschraubt.” Mehr Leute, mehr Druck, weniger kreative Freiheit. Die gleiche Geschichte wie bei Bullfrog mit Dungeon Keeper, wie Tobi anmerkt – Peter Molyneux wurde zum Vice President befördert, hatte keine Zeit mehr für die Entwicklung, und das Team hat am Wochenende bei ihm zu Hause playtesting gemacht.
“Muss man sich mal vorstellen, wie sinnlos das alles ist. Politics”, seufzt Gordon. 2003 wurde Westwood dann endgültig geschlossen.
Ausblick: Das Ende der Ära
Was Gordon und Tobi an der C&C-Reihe fasziniert: Sie war Wegbereiter. Ohne Command & Conquer wäre das RTS-Genre nicht so schnell explodiert. Danach sprossen die Konkurrenten wie Pilze aus dem Boden: Total Annihilation, KKND, Dark Reign, Earth 2150. Und dann kam 2006 Company of Heroes von Relic Entertainment und hat – in Gordons Worten – “mit allen anderen Strategiespielen den Boden aufgewischt”. Aber das ist Geschichte für Teil 3 der C&C-Retrospektive – wo es um Tiberium Wars mit Hollywood-Cast, Red Alert 3 als das “Last Action Hero der Strategiespiele” und den spektakulären Totalausfall Tiberian Twilight geht.
Spieler-Typen: Mechanik vs. Spektakel
Zwischendurch entbrennt eine Grundsatzdiskussion, die weit über Command & Conquer hinausgeht: Was für ein Spielertyp bist du? Tobi outet sich als Spektakel-Spieler: “Ich baue die Einheiten, weil ich die Animation cool finde. Nicht weil sie die effektivsten sind.” Gordon hingegen ist der Effizienz-Typ, der sich vorher Buildorders durchliest, bei Warcraft 3 Frozen Throne monatelang mit einer Spielergruppe trainiert hat, und Mass Effect dreimal durchgespielt hat, weil ein Achievement nicht getriggert hat.
“Es gibt wirklich diese Unterscheidung zwischen Leuten, die Spiele primär für die Mechaniken schätzen – und Leuten, die einfach bespaßt werden wollen”, stellt Tobi fest. “Spielst du lieber Schach in Schwarz-Weiß, weil es mechanisch geil ist? Oder magst du’s lieber, wenn die Anime-Frau rumhüpft und ihre Brüste wackeln?”
Bei Command & Conquer trifft sich beides: Die Einheiten sind mechanisch unterschiedlich genug, um Taktiker zu befriedigen – aber die FMV-Videos, die cheesy Stories und die optischen Upgrades der Einheiten sind pures Spektakel. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Reihe so viele verschiedene Spielertypen angesprochen hat.
Wusstet ihr schon? 🎮
🎭 Udo Kier, der Yuri in Red Alert 2 spielte, war ein deutscher Schauspieler mit über 280 Filmrollen – von Andy Warhols Frankenstein über Blade bis Ace Ventura. Er verstarb am 23. November 2025 im Alter von 81 Jahren in Palm Springs, Kalifornien.
💥 Der Kopierschutz von C&C Generals war legendär: Bei Raubkopien explodierten sämtliche Gebäude nach 30 Sekunden Spielzeit. Das gleiche System wurde auch bei Red Alert 2 eingesetzt.
🤖 In der deutschen Version von Generals (“Generäle”) wurden alle Menschen durch Roboter und Cyborgs ersetzt, das Intro entfernt und Selbstmord-Einheiten gestrichen. Die Originalversion wurde von der BPjM indiziert – und ist auf Steam bis heute noch zensiert.
👟 Die GLA-Einheit “Angry Mob” in Generals brüllt unter anderem “We need shoes!”, “AK-47s for everyone!” und “I will fight for shoes!” – eine der denkwürdigsten Einheiten-Synchronisationen der Spielegeschichte.
🏆 Die “Ultimate Collection” enthält 17 C&C-Titel, darunter auch die Missions-CD “Der Ausnahmezustand” – die aus heutiger Sicht nicht mal als DLC durchgehen würde, sondern eher als Patch mit ein paar vergessenen Maps.
🖱️ Die PlayStation-Version von Red Alert lässt sich mit der offiziellen PlayStation-Maus spielen – und funktioniert sogar auf dem MiSTer FPGA mit einer normalen USB-Maus über die PS1-Emulation.
🎮 C&C auf dem N64 war komplett in 3D mit echten Höhenunterschieden im Terrain – aber mit eingestecktem Expansion Pack sank die Framerate auf circa 10 FPS, weil die Entwickler die Auflösung auf 640×480 hochdrehen wollten.
⚔️ Die drei großen RTS-Säulen der 90er/2000er waren Command & Conquer (Westwood), Warcraft/Starcraft (Blizzard) und Age of Empires (Ensemble Studios). Company of Heroes (Relic, 2006) wird von Gordon als das Spiel bezeichnet, das “allen anderen Strategiespielen den Boden aufgewischt hat”.
Command & Conquer Remastered Collection auf Steam:
Command & Conquer Remastered Collection auf Steam

Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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