Von Pixelkotze bis Arkham-Meisterwerk: 32 Spiele im knallharten Check
Wie der Dunkle Ritter fast 20 Jahre lang an miesen Videospielen scheiterte – und dann doch noch zum Gaming-Phänomen wurde
Es gibt eine Frage, die Gordon und Tobi nach ihrem 34-teiligen Spider-Man-Marathon nicht mehr losließ: Wenn der freundliche Nachbar aus Queens so viele Videospiele bekommen hat – wie sieht es eigentlich beim anderen großen Superhelden aus? Beim Dunklen Ritter. Bei Batman.
Die Antwort führte die beiden Spieleentwickler vom Videogamecast durch fast 40 Jahre Gaming-Geschichte, durch 32 verschiedene Titel, durch Höhen, die bis heute unerreicht sind – und durch Tiefen, die selbst hartgesottene Retro-Fans zum Verzweifeln bringen. Was sie dabei entdeckten, erzählt nicht nur die Geschichte eines Superhelden in Pixeln, sondern auch die Geschichte einer ganzen Industrie, die erst lernen musste, was ein gutes Lizenzspiel ausmacht.
Die komplette Analyse findet ihr in vier ausführlichen Podcast-Episoden – die Links zu den jeweiligen Folgen findet ihr am Ende des Artikels und an den passenden Stellen im Text.
Der Mann ohne Superkräfte
Bevor wir in die Spielegeschichte eintauchen, muss eine Sache geklärt werden, die Gordon gleich zu Beginn der ersten Podcast-Folge anspricht: Batman hat keine Superkräfte. Seine einzige Superkraft ist Geld – wie bei Iron Man, nur mit mehr Daddy Issues und weniger Humor.
Das klingt nach einer Nebensächlichkeit, erklärt aber, warum Batman-Spiele so oft scheiterten. Spider-Man kann an Wänden kleben und Netze schwingen. Superman kann fliegen und ist unverwundbar. Aber Batman? Der muss improvisieren. Mit Gadgets, mit Kampfkunst, mit seiner Intelligenz. Das in ein Videospiel zu übersetzen, hat Entwickler jahrzehntelang vor Probleme gestellt.

Hinzu kommt die Frage der Identität: Welchen Batman will man eigentlich darstellen? Den klamaukigen Helden der 60er-Jahre-TV-Serie, wo jeder Faustschlag mit einem comichaften „Boing!“ oder „Disch!“ unterlegt wurde? Den düsteren Rächer aus Frank Millers Comics? Den Tim-Burton-Batman mit seiner Gothic-Ästhetik? Oder den Christopher-Nolan-Realisten?
Fun Fact am Rande: Der Joker-Darsteller der 60er-Serie weigerte sich, seinen Bart abzurasieren. Die Produzenten haben ihn einfach überschminkt. Diese Entscheidung war so prägend, dass sogar die offizielle Lego-Figur dieses Detail berücksichtigt.
Die Anfänge: Wenn ein Cape noch nicht reichte (1986–1995)
Ein Puzzler, der nichts mit Batman zu tun hat

Das allererste Batman-Spiel erschien 1986 für Amstrad CPC und ZX Spectrum. Es war ein isometrischer Puzzler, und Gordon bringt das Problem auf den Punkt:
„Das hat nichts mit Batman zu tun. Da ist ja nichts anderes, was mit Batman zu tun hat.“
Tobi ergänzt die ernüchternde Wahrheit hinter vielen frühen Lizenzspielen: „Das ist ein vorhandenes Spiel, auf das man die Grafiken draufgesetzt hat. Jetzt ist es ein Batman-Spiel.“ Eine Praxis, die damals gang und gäbe war – und die erklärt, warum so viele Spieler traumatische Erinnerungen an ihre Kindheits-Lizenzspiele haben.
Dann kam Sunsoft

Die Wende kam 1989, als der japanische Publisher Sunsoft die Lizenz für das NES-Spiel zum Tim-Burton-Film erhielt. Was danach passierte, war eine der ersten echten Erfolgsgeschichten der Superhelden-Spiele.
„Das Ding ist echt ein Actionknaller“, schwärmt Gordon. „Das spielt sich flüssig, die Gegner sind herausfordernd, die Steuerung passt.“
Aber das eigentliche Highlight des Spiels ist etwas anderes. Etwas, das man auch 35 Jahre später noch hören kann und sofort versteht, warum dieses Spiel legendär wurde:
„Der Soundtrack“, sagt Tobi, „den kann man sich heute noch reinziehen. Der ist wirklich gut.“
Sunsoft hatte verstanden, was viele Entwickler erst Jahrzehnte später begreifen sollten: Ein Lizenzspiel muss nicht nur das Original respektieren – es muss eigenständig gut sein. Die Wall-Jump-Mechanik, die knackige Herausforderung, die präzise Steuerung – all das machte Batman: The Video Game zu einem der besten NES-Titel überhaupt, nicht nur zu einem der besten Batman-Spiele.
Auch die Game Boy-Version von 1990 überzeugte. „Besser als die meisten Spider-Man-Game-Boy-Spiele auf jeden Fall“, urteilt Gordon. Die Mega Drive-Version hingegen? Dröge, langsam, und Batman sieht laut Gordon aus, „als ob er einen überdimensionierten Latex-Anzug hätte. Fünf Nummern zu groß.“
Das SNES-Meisterwerk

1994 erschien dann ein Spiel, das Gordon als „eines der besten Spiele überhaupt für Super Nintendo“ bezeichnet: The Adventures of Batman & Robin.
Basierend auf der Batman: The Animated Series – jener Zeichentrickserie, die bis heute als eine der besten Batman-Interpretationen überhaupt gilt – bot das Spiel nicht nur den ikonischen Look der Serie, sondern nutzte die Hardware bis an ihre Grenzen aus.
„Die haben sämtliche Raffinesse des Systems ausgenutzt“, erklärt Tobi, „Mode 7 für richtig eindrucksvolle Level.“
Für Nicht-Technik-Nerds: Mode 7 war ein Grafikmodus des SNES, der pseudo-3D-Effekte ermöglichte. In Batman führte das zu Levels, die selbst heute noch beeindrucken – ein Side-Scroller, der aussieht, als würde er in die Tiefe gehen.
Die Mega Drive-Version von 1995 war technisch ebenfalls beeindruckend, allerdings so brutal schwer, dass Gordon und Tobi sie für praktisch unspielbar halten. Die Sega CD-Fassung? „Wenn du das in echt spielst auf der Konsole, keine Chance in Echtzeit. Never.“
Der Absturz

Und dann kam Batman Forever. Der Film mit Val Kilmer. Das Spiel, das eine ganze Generation traumatisierte.
Die Idee klang auf dem Papier vernünftig: Mortal Kombat war gerade der heißeste Scheiß, digitalisierte Schauspieler-Sprites der letzte Schrei. Warum also nicht Val Kilmer digitalisieren und in einen Side-Scroller packen?
„Das funktioniert nicht wirklich gut“, fasst Tobi zusammen.
Gordon ist direkter: „Die sind nämlich alle gleich kacke.“ Gemeint sind alle Versionen – SNES, Mega Drive, Game Boy, Windows. Keine davon funktioniert.
Falls ihr als Kind vergeblich versucht habt, dieses Spiel durchzuspielen, und euch bis heute fragt, ob ihr einfach zu schlecht wart: Ihr wart nicht das Problem. Das Spiel ist Müll. Die Steuerung ist Müll. Das Konzept war Müll. Ihr könnt aufhören, euch zu schämen.
Das Tal der Tränen (1996–2005)
Die zweite Podcast-Folge widmet sich komplett dieser dunklen Ära.
Gordon und Tobi nennen die Dekade zwischen 1996 und 2005 liebevoll das „Tal der Tränen“. Eine Zeit, in der ambitionierte Ideen grandios scheiterten, Entwickler ihrer Zeit voraus waren, aber nicht die technischen Mittel hatten – und in der Lizenzgurken am Fließband produziert wurden, die niemand brauchte.
Der Saiyajin-Batman

Den Anfang machte 1996 das Arcade-Spin-off zu Batman Forever. Ein Beat’em-up, so überladen und absurd, dass man es kaum beschreiben kann.
„Batman rastet total aus“, erzählt Gordon. „Der ist wie auf Speed. Der schlägt die Leute windelweich und dann gibt’s quasi so eine Explosion auf dem Bildschirm. Und Batman erhebt sich wie eine Gottheit über alle!“
Tobi ergänzt das vielleicht beste Bild, das man für dieses Spiel finden kann: „Es sieht die ganze Zeit so aus, als ob du ein Saiyajin wirst. Der Batman wird total gelb und superschnell.“
Ein Fun Fact für Sammler: Die Saturn-Version dieses Spiels ist heute ein echtes Sammlerstück. Die US-Version wechselt für rund 400 Dollar den Besitzer. Warum? Keine Ahnung. Es ist immer noch kein gutes Spiel. Aber manchmal funktioniert der Markt eben so.
Die verpasste Chance

1998 erschien ein Spiel, das seiner Zeit um fast 15 Jahre voraus war. Batman & Robin für die PlayStation – ja, das Spiel zum Clooney-Film mit den Nippeln am Batsuit – hatte eine Vision, die erst mit Arkham Knight Realität werden sollte.
„Es ist so eine Art Proto-Arkham-City!“, erkennt Gordon an. „Du kannst durch die Straßen fahren, du kannst zufällige Verbrechen verhindern. Die haben sich eigentlich echt viel Mühe gemacht – aber haben das nachher halt einfach total vermurkst.“
Open-World-Gameplay. Batmobil fahren. Hinweise analysieren. Alles Konzepte, die wir heute als selbstverständlich für ein Batman-Spiel ansehen. Nur leider war die Technik 1998 nicht bereit, die Engine nicht stabil, die Umsetzung katastrophal.
„Es ist so unglaublich unangenehm zu spielen“, sagt Tobi. „Sehr over-engineered, viel zu kompliziert gedacht. Zum Schluss stehen echt alle Gegner nur auf der Stelle. Das sieht aus, als wär’s nie fertiggestellt worden.“
Eine der größten verpassten Chancen der Gaming-Geschichte. Irgendwo in einem Paralleluniversum existiert eine Version dieses Spiels, die funktioniert – und hat dort die Superhelden-Games zehn Jahre früher revolutioniert.
Der absolute Tiefpunkt

Wenn es einen einzigen Titel gibt, der das „Tal der Tränen“ definiert, dann ist es Batman: Dark Tomorrow aus dem Jahr 2003. Ein Spiel mit einem Metacritic-Score im niedrigen Zwanziger-Bereich – und selbst das fühlt sich noch großzügig an.
„Ich habe es geschafft, in diesem Spiel nicht mal das erste Level hinzukriegen!“, erzählt Gordon ungläubig. „Wir sind immer vorher runtergefallen. Das kann doch nicht sein – ich habe so viele Spiele in meinem Leben gespielt!“
Tobi, der als professioneller Spieleentwickler ebenfalls mehr Spiele gespielt hat als die meisten Menschen jemals werden, pflichtete ihm bei: „Die Kamera ist ganz furchtbar. Die Animationen sind superhölzern. Die ganze Steuerung fühlt sich unglaublich steif und unintuitiv an. Das ist wirklich die absolut unterste Kategorie.“
Wenn zwei Menschen, die ihr Leben lang Spiele entwickeln und spielen, nicht einmal das erste Level eines Spiels schaffen können, sagt das mehr über die Qualität aus als jeder Test-Score.
Dazwischen gab es noch Batman: Gotham City Racer – „übelste Shovelware“ mit untexturierten Gebäuden, deren Fenster in den Boden gehen. Und Batman Vengeance, das für seine Zeit okay war, aber nach den Arkham-Spielen komplett irrelevant wirkt.
Der Hoffnungsschimmer

2005, nach fast zehn Jahren der Enttäuschung, kam endlich ein Lichtblick. Ausgerechnet ein Film-Tie-In – normalerweise die unterste Schublade der Spieleentwicklung.
Batman Begins, das Spiel zum Christopher-Nolan-Film, bewies, dass es auch anders geht.
„Das Spiel hat sich richtig cool angefühlt, wie ein Action-Titel!“, schwärmt Gordon. „Die Tumbler-Sequenzen sind original Burnout 1:1. Du rammst Gegner mit Take-Downs weg – ist doch super geil!“
Tobi hebt den ungewöhnlich hohen Produktionswert hervor: „Die haben ziemlich viel investiert, dass es aus einem Guss ist mit dem Film. Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson – alle mit Stimme und eingescannten Gesichtern dabei.“
Stealth-Gameplay, das funktioniert. Fahrsequenzen, die sich wie ein eigenständiges Rennspiel anfühlen. Und eine Präsentation, die den Film respektiert, ohne ihn nur nachzuerzählen. Batman Begins zeigte zum ersten Mal, was möglich wäre, wenn ein Entwickler sich wirklich Mühe gibt.
Der Weg war geebnet. Vier Jahre später sollte alles anders werden.
Die Revolution (2009–2017)
Die Arkham-Spiele und die Telltale-Titel werden in Podcast-Folge 3 und Podcast-Folge 4 ausführlich analysiert.
Der Tag, an dem sich alles änderte

2009 passierte etwas, das niemand für möglich gehalten hätte. Ein bis dahin weitgehend unbekanntes britisches Studio namens Rocksteady veröffentlichte ein Batman-Spiel – und die Gaming-Welt war nie wieder dieselbe.
„Das hat echt einen mega Einschlag gehabt“, erinnert sich Gordon. „Das wurde super hoch bewertet. Alle haben das gefeiert. Und das war auch einfach wirklich eingeschlagen wie die Bombe.“
Batman: Arkham Asylum war nicht einfach nur ein gutes Superhelden-Spiel. Es war ein Spiel, das eine ganze Industrie umdefinierte. Das Free Flow Combat System, das Rocksteady für diesen Titel entwickelte, wurde danach von unzähligen anderen Spielen kopiert – von Spider-Man über Shadow of Mordor bis hin zu Mad Max.
„Das ist vom Aufbau her würde ich es als Metroidvania tatsächlich bezeichnen“, analysiert Tobi. „Du hast viel Backtracking, du hast immer wieder Kämpfe, die du durchstehen musst, aber auch viele Secrets, die du finden kannst.“
Die klaustrophobische Atmosphäre der Irrenanstalt, die perfekte Mischung aus Stealth, Nahkampf und Detektivarbeit, die ikonischen Bösewichte – alles funktionierte. Zum ersten Mal fühlte man sich wirklich wie Batman. Nicht wie ein pixeliger Sprite, der zufällig einen Cape trägt. Wie Batman.

Mark Hamill – ja, Luke Skywalker – spricht hier den Joker. Er tut das seit der Batman: The Animated Series von 1992, und in Arkham Asylum liefert er eine seiner besten Performances ab.
Nebenbei erfährt man übrigens, dass Batman unter der Irrenanstalt eine geheime Batcave eingerichtet hat. Weil man ja nie weiß, wann man mal seinen Supercomputer braucht. Typisch Bruce Wayne.
Das Spiel gibt es heute für etwa einen Euro auf Steam oder GOG. Gaming-Geschichte zum Preis eines Kaugummis.
Größer, aber auch zu viel?

2011 folgte Batman: Arkham City – größer, offener, ambitionierter. Aber auch überwältigender?
„Ich fand das Spiel nicht so gut wie den ersten Teil“, gibt Gordon zu. „Hauptsächlich auch wegen der Open World Geschichte und weil es halt ganz ehrlich zu viel war in einem Spiel.“
Tobi liefert die Zahlen: „Das Spiel beinhaltet ungefähr 40 Stunden Gameplay. Die Hauptkampagne 25 Stunden und die Nebenmissionen 15 Stunden. Und es sind 440 Riddler Challenges.“
440 Riddler-Trophäen. Tobi hatte beim ersten Teil noch alle gesammelt. Beim zweiten kapitulierte er. Die Open World bot mehr Freiheit, aber auch die Gefahr, sich in sinnlosem Sammelwahn zu verlieren.
Trotzdem bleibt Arkham City ein absoluter Klassiker. Die Geschichte führt den Joker-Arc zu einem emotionalen Abschluss. Mark Hamill sagte danach, das wäre ein gutes Goodbye für den Charakter gewesen. Dann haben sie ihn für Knight doch wieder rangeholt – genau wie für Luke Skywalker in Star Wars. Manche Figuren kann man einfach nicht ruhen lassen.
Das unterschätzte Prequel

2013 erschien Batman: Arkham Origins – nicht von Rocksteady, sondern von WB Games Montréal entwickelt. Vielleicht liegt es daran, dass es bis heute oft übersehen wird.
„Ich hab das Spiel erst gespielt, nachdem ich Arkham Knight gespielt habe“, gibt Gordon zu. „Ich dachte immer, das wäre nur ein reines Multiplayer-Spiel – vollkommen verkehrt gewesen mein Eindruck.“
Dabei hat Origins etwas, das keines der anderen Arkham-Spiele in dieser Form bietet: die besten Bosskämpfe der gesamten Reihe. Während die Bosse in den Rocksteady-Spielen oft ähnlich funktionieren, hat in Origins jeder Boss eine komplett eigene Mechanik. Der „Kampf“ gegen den Electrocutioner ist dabei ein besonderer Witz – wer ihn kennt, weiß warum.
„Das Spiel ist so günstig“, sagt Tobi. „Ich glaube, ich hab 2,60 Euro dafür bezahlt.“
Für unter fünf Euro bekommt man auf Steam ein vollwertiges Arkham-Erlebnis mit 15-20 Stunden Spielzeit. Die ganze Xbox 360/PS3-Ära ist unglaublich günstig geworden – und Origins ist einer der besten Gründe, davon zu profitieren.
Der Bat-Panzer-Simulator

2015 kam der große Abschluss: Batman: Arkham Knight. Das Spiel, auf das alle gewartet hatten. Das Spiel mit dem Batmobil.
„Vielleicht sind ja noch mehrere Spieler unterwegs gewesen mit der gleichen Intention wie ich“, überlegt Gordon. „Die haben Arkham Asylum gespielt und sich gefragt, warum kann ich das scheiß Batmobil nicht spielen?“
Die Antwort auf diese Frage fiel allerdings nicht so aus, wie sich viele erhofft hatten. Das Batmobil in Arkham Knight ist weniger elegantes Fortbewegungsmittel als vielmehr ein Panzer. Ein Panzer mit Drohnen-Kämpfen. Vielen Drohnen-Kämpfen.
„Ganz ehrlich, das zerschmettert dir das Rückgrat, egal was da für eine Kugel dran ist“, kommentiert Gordon die angeblich „non-letalen“ Gummigeschosse. „Also, das ist kein Batmobil, das ist ein Bat-Panzer!“
Die Sache mit den Gummigeschossen ist übrigens interessant: Sie sind tatsächlich nur dann nicht tödlich, wenn man sie auf den Boden schießt und abprallen lässt. Direkt auf Menschen gefeuert, aus einer Panzerkanone? Definitiv lethal. Batman hat die Anleitung wohl nicht gelesen. Oder er hat sie gelesen und denkt sich seinen Teil.
Technisch ist Arkham Knight beeindruckend. Die Story bringt die Trilogie zu einem würdigen Abschluss. Aber der Bat-Panzer nervt viele Spieler – und Gordon gehört eindeutig dazu.
Eine ganz andere Richtung

Parallel zu den Action-lastigen Arkham-Spielen erschienen 2016 und 2017 zwei Titel, die Batman völlig anders interpretierten: Batman: The Telltale Series und Batman: The Enemy Within.
Keine Free Flow Combat-Kämpfe. Keine Gadgets. Keine Gummigeschosse. Stattdessen: Entscheidungen. Emotionale, schwierige, manchmal unmögliche Entscheidungen.
„Du bist zu weich einfach für ein Batman-Spiel!“, wirft Gordon Tobi vor.
„Ich hab so ein Ding…“, verteidigt sich Tobi, „das bereitet mir Unbehagen. Wenn ich bewusst jemanden anlügen muss, oder selbst in so einem Spiel. Das ist für mich zu krass.“
Die Telltale-Spiele sind nichts für jeden. Sie fordern emotional, statt spielerisch. In Enemy Within wird gleich in der ersten Episode Lucius Fox getötet. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Und du findest dich auf seiner Beerdigung wieder, wo du der trauernden Familie ins Gesicht lügen musst.
„Und dann taucht während der Beerdigung plötzlich der Joker auf und fängt an, irgendwie laut zu lachen“, erzählt Tobi. „Das fühlt sich total schlimm an. So eine Situation, ganz grauenhaft.“

Die geniale Neuinterpretation dieser Spiele: Harley Quinn ist die dominante Gangster-Bossin, und der Joker wird von ihr beeinflusst. Die klassische Dynamik komplett auf den Kopf gestellt. Für Story-Liebhaber sind diese Spiele ein absolutes Muss – vorausgesetzt, man ist emotional stabil genug.
Der VR-Einstieg

2017 erschien schließlich Batman: Arkham VR – kurz, aber intensiv.
„Diese ersten zehn Minuten in dem Spiel, die sind wirklich unfassbar gut gemacht“, schwärmt Gordon. „Wenn du in diesen Batcave runterfährst und den Anzug angezogen kriegst – das ist wirklich beeindruckend.“
Wer sich zum ersten Mal als Batman im Spiegel sieht, wer den Batsuit anzieht und die Gadgets am Gürtel berühren kann, der versteht, warum Virtual Reality mehr ist als nur ein Gimmick. Für VR-Besitzer ist Arkham VR ein absolutes Must-Have – und für etwa zwei Euro auf Steam auch erschwinglich.
Die Frage aller Fragen: Wo anfangen?
Nach 32 Spielen und fast 40 Jahren Gaming-Geschichte bleibt eine praktische Frage: Welches Batman-Spiel sollte man eigentlich zuerst spielen?
Tobis Antwort ist eindeutig: „Spielt die Spiele in der Release-Reihenfolge. Arkham Asylum ist der perfekte Einstieg – danach wollt ihr sowieso alle spielen.“
Die Release-Reihenfolge der Arkham-Spiele lautet: Asylum (2009), City (2011), Origins (2013), Knight (2015). Die chronologische Timeline wäre zwar Origins zuerst, aber dann würde man die Evolution des Gameplays verpassen – und Asylum fühlt sich nach Origins wie ein Rückschritt an, obwohl es das bessere Spiel ist.
Die komplette Arkham Collection gibt es regelmäßig für unter zehn Euro auf Steam. Über 100 Stunden Gaming-Geschichte zum Preis von zwei Dönern.
Für Retro-Fans führt kein Weg vorbei an The Adventures of Batman & Robin für SNES – eines der besten Spiele der Konsole überhaupt. Und Batman: The Video Game für NES hat einen Soundtrack, den man sich auch 35 Jahre später noch anhören kann.
Für Story-Liebhaber sind die Telltale-Spiele ein Muss. Aber Vorsicht: Tobi war stellenweise emotional überfordert. Und wenn ein erwachsener Spieleentwickler bei einem Videospiel emotional überfordert ist, sagt das etwas über die Qualität der Geschichtenerzählung aus.
Was man definitiv nicht spielen sollte: Batman: Dark Tomorrow. Batman Forever. Batman & Robin für PS1. Batman: Gotham City Racer. Falls ihr als Kind an einem dieser Spiele verzweifelt seid – ihr wart nicht das Problem.
Was bleibt
32 Spiele. Vier Jahrzehnte. Eine Reise von isometrischen Puzzlern, die nichts mit Batman zu tun haben, über das „Tal der Tränen“ mit seinen gescheiterten Experimenten und seiner Shovelware, bis hin zu einer Revolution, die die gesamte Superhelden-Gaming-Landschaft verändert hat.
Batman hat keine Superkräfte. Seine einzige Superkraft ist Geld. Aber seine Videospiele haben bewiesen, dass man keine Superkräfte braucht, um legendär zu werden. Man braucht nur Entwickler, die verstehen, was den Charakter ausmacht – und die technischen Mittel, um diese Vision umzusetzen.
Rocksteady hat das 2009 geschafft. Und seitdem wissen wir alle, wie es sich anfühlt, Batman zu sein.
Die Podcast-Episoden zum Nachhören
Gordon und Tobi analysieren jedes einzelne Spiel mit der Expertise von Spieleentwicklern und der Leidenschaft von Fans:
Teil 1: Batman Games 1986-1995 – Von den Amstrad-Anfängen über die Sunsoft-Klassiker bis zum SNES-Meisterwerk. Inklusive der traumatischen Batman Forever-Erfahrungen.
Teil 2: Batman Games 1996-2005 – Das komplette „Tal der Tränen“. Saiyajin-Batman, das vermurkste Proto-Arkham, der absolute Tiefpunkt Dark Tomorrow – und der überraschende Lichtblick Batman Begins.
Teil 3: Arkham Asylum, City & VR – Die Rocksteady-Revolution. Warum Arkham Asylum alles verändert hat, warum 440 Riddler-Trophäen zu viel sind, und warum VR der perfekte Einstieg ist.
Teil 4: Origins, Knight & Telltale – Das große Finale. Das unterschätzte Prequel, der kontroverse Bat-Panzer, und Tobis emotionaler Zusammenbruch bei den Telltale-Spielen.
Outro
Viel Spaß beim Hören und Spielen!
Tobi & Gordon
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