Zum Inhalt springen

Super Mario Galaxy & Sunshine: Der Sprung von der Insel ins All

Super Mario Teil 3 - Sunshine und Super Mario Galaxy im Videogamecast

Zwei Wochen nach der Film-Runde sitzen Gordon und Tobi nicht mehr allein am Tisch. Diesmal ist Jack dabei, der auf motionpictureculture.com Filmkritiken schreibt und als Einziger weiß, wie eine Pressevorführung von innen aussieht. Das Spoiler-Embargo ist gefallen – und am Ende landet die Folge bei Super Mario Galaxy, das aus einer Techdemo und drei Monaten Prototyping entstand.

Dazwischen liegen: eine Wasserkanone, die niemand wollte, eine Zeichentrickserie mit Minusbudget, ein grüner Mega Man und Gordons einzige Begegnung mit einer Wii U. Chronologisch ist hier nichts. Gut ist es trotzdem.

Jack, Hongkong und eine PV, die zu spät kam

Eigentlich sollte Tobi mit zur Pressevorführung. Daraus wurde nichts, weil Jack im Urlaub in Hongkong saß – und den Film dank Zeitverschiebung trotzdem vor allen anderen sah, im Original mit Chris Pratt.

Ein Detail aus dem Maschinenraum liefert er mit: Wenn eine PV erst einen Tag vor der Vorpremiere stattfindet, ist das ein Signal. “Sie wissen halt nur, dass der Film drehbuchtechnisch vielleicht nicht so viel Futter hat.” Beim Showdown wäre Jack trotzdem fast eine Träne runtergekullert.

“Die haben sich die besten Sachen rausgenommen, die sie nehmen konnten, und das in einen Film eingearbeitet. So eine Art Best of Nintendo World.”

Jack

Warum CG die einzig richtige Entscheidung war

Beim Grundsatz sind sich alle einig: bloß keine Realschauspieler. Gordon rechnet vor, warum. Robert Downey Jr. kassierte für die späten Avengers-Filme rund 50 Millionen Dollar, bei Produktionskosten von 200 bis 250 Millionen. Schauspieler werden teuer und älter, und die CG-Qualität der Marvel-Filme ist im Keller: “Vor zwei Tagen hab ich mir Ant-Man and the Wasp Quantumania angeguckt. Das ist einfach nur rausgerotzt.”

Dazu kommt Gordons persönliches Trauma: Roger Rabbit. Er kann den Film nicht sehen, weil sich Zeichentrick und Mensch nie wirklich in die Augen schauen. “Da war nichts in der Szene. Das bringt mich sofort raus.” Selbst bei Mandalorian lief der Jar-Jar-Binks-Darsteller mit Maske am Set herum, damit die Blickachsen stimmen – und es sieht trotzdem falsch aus.

Tobi findet den Unterschied zwischen Mario und Sonic: Der Mario-Film traut sich, das Material zu nehmen, wie es ist. Kein Comedy-Sidekick, keine Erdung, die keiner braucht. “Mario trägt das, die Spiele kennt jeder, und es funktioniert einfach.”

Jumpman in der Menge und ein Vorarbeiter namens Blackie

Beim Easter-Egg-Teil reden alle drei gleichzeitig. Der Super Mario Rap aus der Super Show, direkt in den ersten Minuten. Spike, der Vorarbeiter aus Wrecking Crew, der im Japanischen ursprünglich Blackie hieß. Und in der Schlussschlacht steht für den Bruchteil einer Sekunde Jumpman in der Menge – andere Proportionen, andere Klamotten, kein Mario.

Bei Jack Black gehen die Meinungen auseinander. Gordon findet ihn gut, aber verschenkt, weil Bowser zu wenig Zeit bekommt. Jack widerspricht: “Peaches” allein sei großartig, die Rolle vermutlich von vornherein auf ihn geschrieben. Gordons Nachtrag nach dem Vergleich von Standbildern: Sie haben Bowsers Gesicht an Jack Black angepasst. Und dann ist da der Luma, den Gordon konsequent “das suizidgefährdete blaue Ding” nennt – woraufhin Tobi die Luma-Taxonomie aus seinem Buch vorliest: Baby Luma, Polari, Hungry Lumas, Luma-Lies.

Die Super Show, Captain N und der grüne Mega Man

Der Ausflug ins Fernsehen der späten 80er ist der beste Nebenschauplatz der Folge. Die Super Mario Bros. Super Show mit Captain Lou Albano und Danny Wells lebte laut Tobi von den Live-Action-Segmenten – die Cartoons seien “mit Minus-Budget” gemacht worden. Belegstück: eine Folge, in der das Studio Indiana Jones kein Gesicht animiert hat, die ganze Episode über. Als Kind hielt Tobi das für einen Gag.

Gordon warnt vor der Suche danach: Die deutschen Fassungen wurden aus Rechtegründen neu synchronisiert, was heute auf YouTube landet, klingt nicht mehr wie damals. Der deutsche Rap dagegen ist Gold, phonetisch nachgesprochen vom Original-Rapper. Nebenbei gesteht Gordon, Albano jahrzehntelang für Ron Jeremy gehalten zu haben.

Bei Captain N: The Game Master hört der Spaß auf. Simon Belmont blond mit Tolle, Mega Man grün, Mother Brain als Oberbösewicht, King Hippo als Handlanger. “Was ist denn bei dem schiefgelaufen? Er kriegt nicht mal die Farben hin”, sagt Gordon.

Super Mario Sunshine – das Spiel, das niemand zu Ende gespielt hat

Der Übergang zu den Spielen kommt ausgerechnet von Jack: Marios Klingelton im Film ist die GameCube-Melodie. Damit sind alle drei bei Super Mario Sunshine – und keiner von ihnen hat es je durchgespielt.

Gordons Diagnose ist die härteste: “Diese Wasserkanone ist so überflüssig in dem Spiel. Es macht es in keinem Aspekt besser.” Nach unter vier Stunden war er raus und bereut es bis heute nicht. Tobi nennt konkrete Stellen: Bianco Hills, Episode 3, in der einem F.L.U.D.D. weggenommen wird und die sofort absurd schwer ist. Oder das Rennen in Rico Harbor, bei dem drei Bloopers von leicht bis schwer gestaffelt sind – nur sagt einem das niemand. Die Gerüststelle, an der Tobi aufgab, kennt Jack aus eigener Erfahrung.

Der Kontext: Sunshine war nicht zum GameCube-Launch fertig, deshalb schob Nintendo Luigi’s Mansion vor. Zwischen Super Mario 64 und Sunshine lagen sechs Jahre ohne Haupt-Mario auf einer Heimkonsole. Trotzdem liest Gordon 92 von 100 auf Metacritic, gegenüber 94 für Super Mario 64. “Dann bin ich halt daneben.”

Super Mario Galaxy – aus 128 Marios wurde ein 97er-Spiel

Bei Super Mario Galaxy kippt die Stimmung. Tobi hält es für eines der besten Spiele überhaupt, Jack hatte “welten mehr Spaß” als mit Sunshine, und selbst Gordon findet Charaktere, Bosse und Weltkonsistenz stärker. Nur die Größe der Planeten stört ihn: “Ich hätte ja Füße und Kopf von Mario auf unterschiedlichen Seiten des Planeten gleichzeitig sehen können.” Tobi fällt in HD auf, dass Mario exakt eine Gesichtsanimation hat und wie Pinocchio geradeaus starrt, während man ihm erklärt, dass er jetzt ein Raumschiff besitzt.

Die Entstehungsgeschichte von Super Mario Galaxy liefert Gordon aus der Encyclopedia – und sie hält der Prüfung stand. Grundlage war die Techdemo Mario 128 von der Space World 2000, deren Regisseur Yoshiaki Koizumi drei Jahre später bei EAD Tokyo den Kugel-Prototyp baute.

Gordons Skepsis gegenüber der Gravitations-Erzählung ist berechtigt – jedes Jump ‘n’ Run hat Schwerkraft. Neu war die Engine, die Kugeln trägt. Und Tobi liefert den Rest: Das Bowser-Finale ist “sehr, sehr geil gemacht”, 60 Sterne reichen zum Durchspielen, mit 120 gibt es Luigi.

Die Fuchtelkonsole und ein knarzendes Stück Plastik

Was Super Mario Galaxy bis heute ausbremst, ist die Wii-Mote. Mantarochen-Surfen, Pusten in der Blase, Balancieren auf dem Ball – “das ist alles ein bisschen meh”, sagt Tobi, und man muss es machen, wenn man die 120 Sterne will. Gordon nennt die Wii das, was sie in Fachkreisen hieß: die Fuchtelkonsole. Bei Wii Sports war das lustig, sonst nur lästig.

Daraus wird eine überraschend ernste Nebendiskussion über Accessibility. Gordon lobt Story-Modi und Quicktime-Skips – nicht, weil er die Skills verloren hätte, sondern weil er im Singleplayer keinen Stress will. 2006 gab es das nicht: Wer nicht fuchteln konnte, war raus. Passend dazu die Wii U, die Gordon genau einmal in der Hand hatte, auf der Gamescom: knarzendes Plastik, kein Glas über dem Display, sondern eine biegsame Membran. “Das ist wie ein VTech Lerncomputer.” Und das, als das iPad längst den Standard gesetzt hatte.

Übersprungen, vertagt und heimlich geliebt

Beim Blick auf die Uhr fällt den dreien auf, was sie ausgelassen haben: Super Mario 64 DS, New Super Mario Bros. und Yoshi’s Island, über das Tobi partout erst später reden will. Auch Super Mario Galaxy 2 hatte vorher keiner angefasst – vertagt, diesmal mit Ansage.

Spannender ist Gordons Nebenthese: Ab der GameCube-Zeit machten ihm die Nebenspiele mehr Spaß als die Hauptreihe. Mario Tennis, Mario Golf und “dieses Fußballspiel, das da rausgekommen ist” – gemeint ist Super Mario Strikers, das gar nicht von Nintendo stammt. Jacks Lieblingsteil bleibt Super Mario 64, was Gordon enttäuscht, weil er auf Super Mario World gehofft hatte. Seine Deutung von Mario 64: ein Fiebertraum, in dem Mario mit dem Kopf in der Röhre hängengeblieben ist.

Alle Spiele dieser Folge

SpielRelease (JP)PlattformEntwicklerDecompThema in der Folge
Luigi’s Mansion14.09.2001GameCubeNintendo EAD17,8 %Launch-Titel, weil Sunshine nicht fertig war – Gordon mag es lieber
Super Mario Sunshine19.07.2002GameCubeNintendo EAD38,8 %Wasserkanone, Kamera, Bianco Hills – niemand am Tisch hat es beendet
Super Mario 64 DS02.12.2004Nintendo DSNintendo EADÜbersprungen, soll nachgeholt werden
Super Mario Strikers19.01.2006GameCubeNext Level Games100 %Gordons Beleg, dass die Spin-offs die Hauptreihe überholt hatten
New Super Mario Bros.25.05.2006Nintendo DSNintendo EAD2,8 %Übersprungen, kommt in der nächsten Folge dran
Super Mario Galaxy01.11.2007WiiNintendo EAD Tokyo74,4 %Hauptthema: Kugelwelten, Lumas, Bowser-Finale, Wii-Mote
Super Mario Galaxy 227.05.2010WiiNintendo EAD Tokyo0,8 %Keiner hatte es vorher gespielt – vertagt
Super Mario 3D All-Stars18.09.2020SwitchNintendo EPDSpielgrundlage der Folge, Portierungskritik laut allen dreien überzogen

Decomp-Werte = matched_code_percent laut decomp.dev, abgerufen am 10.09.2026. Zu Super Mario 64 DS und 3D All-Stars gibt es dort kein Projekt.

Wusstet ihr schon?

  • 🪐 Nach der Techdemo gab erst Satoru Iwata das Projekt für die Wii frei – auf dem GameCube wäre Super Mario Galaxy nie erschienen.
  • 🖥️ In der Demo Mario 128 liefen 128 Marios mit je rund 700 Polygonen bei 60 Bildern pro Sekunde – doppelt so flüssig wie Super Mario 64.
  • ⚽ Super Mario Strikers stammt nicht von Nintendo, sondern vom kanadischen Studio Next Level Games – und hieß in Europa Mario Smash Football.
  • 🎮 Super Mario 64 DS kam in den USA am 21.11.2004 als DS-Launchtitel in den Handel, in Japan erst am 02.12.2004.

Zum Schluss liest Gordon die Wikipedia-Liste der angekündigten Spieleverfilmungen vor: Vor dem Mario-Film standen dort fünf oder sechs Titel, jetzt rund fünfzig, von Five Nights at Freddy’s über Death Stranding bis Yakuza. “Meine Güte, sind die bekloppt geworden, oder was?” Wie die Reihe hierher kam, steht in Super Mario Teil 2 mit dem Kinofilm und Super Mario 64, weiter geht es mit Super Mario Teil 4 und der Spin-off-Flut, alle Reihen stehen in der Übersicht unserer Videospielreihen. Nächstes Mal: Super Mario Galaxy 2 und New Super Mario Bros.

Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon

Trefft uns auf unserem Discord-Server: discord.videogamecast.de

Schaut uns live zu auf Twitch: twitch.tv/videogamecast

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.