Unsere Lieblingsspiele Teil 3 | Chrono Trigger, Tomb Raider 2, Castlevania & mehr
Es geht in die dritte Runde. Zwei ausgebildete Spieleentwickler graben erneut in ihren Erinnerungen – und diesmal wird es persönlich. Richtig persönlich. Tobis Cousin hat ihm auf dem Game Boy die Welt gezeigt, Gordon hat sich mit einer Demo zwölf Stunden lang beschäftigt, und irgendwo dazwischen liegt die Erkenntnis, dass Lieblingsspiele oft weniger mit objektiver Qualität zu tun haben als mit dem Moment, in dem sie dein Leben gekreuzt haben.
In diesem Lieblingsspiele Podcast servieren Gordon und Tobi acht Spiele, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Vom SNES-RPG-Meisterwerk über ein ASMR-Actionspiel bis hin zu einem Star-Trek-Flugsimulator mit William Shatner auf sieben CDs. Wer Teil 1, Teil 2 und Teil 4 der Lieblingsspiele-Reihe schon kennt, weiß: Hier geht es nicht um Metacritic-Scores, sondern um Gänsehaut, Nostalgie und die Spiele, die sich für immer ins Gehirn gebrannt haben. Die komplette Übersicht aller 25 Lieblingsspiele gibt es übrigens auch.
Passend dazu haben die beiden eine Erkenntnis, die sich durch alle Lieblingsspiele-Folgen zieht: Die Soundtracks sind es, die bleiben. Du vergisst die Grafik, du vergisst die Story-Details – aber die Musik? Die hast du nach 25 Jahren noch auswendig im Kopf.
Chrono Trigger – Tobis Zeitreise-Klassiker (SNES, 1995)

Tobis erster Pick für diese Folge – und eins der Spiele, über das die beiden erst kürzlich eine komplette Podcast-Episode aufgenommen haben. Aber egal: Ein Lieblingsspiel bleibt ein Lieblingsspiel, auch wenn man gerade erst darüber geredet hat.
Tobi: “Es reißt einen immer wieder rein, einfach wenn ich diese Anfangsmusik schon höre und dass er aufgeweckt wird und die Katze miaut und das Festival und alles. Ach, das ist immer wieder cool.”
Was Tobi an Chrono Trigger bis heute fasziniert, sind nicht die großen Story-Bögen, sondern die kleinen Konzepte. Der Roboter Robo, den du tausend Jahre in der Vergangenheit aussetzt, damit er das Land kultiviert – und den du dann in der Zukunft wieder ausgräbst. Er hat sich einfach abgeschaltet und gewartet. Oder die Rainbow Shell, die du in der Steinzeit platzierst und Milliarden Jahre später wieder einsammelst. “Fuck you, ich hab eine Zeitmaschine” – Gordons Zusammenfassung des Spielprinzips trifft es ziemlich genau.
Gordon: “Also das Kristall, das du da reinpacken musst, damit es sich mit Sonnenenergie auflädt, und du das einfach Millionen Jahre lang liegen lässt – werdet ihr schon sehen, was ihr davon habt.”
Chrono Trigger hat es nie nach Deutschland geschafft – zumindest nicht auf dem SNES. Die PlayStation-Version mit den legendären Anime-Intros von Akira Toriyama war für Gordon als Dragon-Ball-Fan natürlich der Hammer. Heute gibt es eine solide Steam-Version, die nach mehreren Patches inzwischen gut spielbar ist. Keine Zufallskämpfe, keine Random Encounters – das allein hebt es schon von den meisten JRPGs ab.
Red Faction (die Demo!) – Gordons Hamster-Erlebnis (PC, 2001)

Ein Lieblingsspiel, das eigentlich gar kein vollständiges Spiel ist. Gordon packt die Demo von Red Faction auf seine Liste – und hat dafür verdammt gute Gründe.
Gordon: “Meine Fresse, wir haben uns den ganzen Tag wirklich, also keine acht Stunden, sondern eher zwölf, haben wir uns mit dieser Demo beschäftigt. Wie so ein Hamster in die Wand reingebohrt.”
Die Demo bestand aus einem einzigen großen, leeren Raum. Mehr nicht. Aber: Die Wände waren zerstörbar. Komplett. Und das war 2001 das Beeindruckendste, was Gordon je auf einem Bildschirm gesehen hatte. Er und Jascha haben sich stundenlang durch die Wände gebohrt, schräg nach oben gegraben bis unter die Decke, dort ein Loch reingeschossen und wieder nach unten fallen lassen.
Das Hauptspiel hat Gordon dann natürlich auch gekauft – und war ein bisschen enttäuscht. Im fertigen Spiel konnte man nicht überall alles kaputt machen, nur an bestimmten Stellen. Performance-Gründe. Red Faction 2 war dann komplett Schund, erst Red Faction Guerrilla hat das Zerstörungskonzept in einer Open World wiederbelebt – aber das Terrain selbst war nicht mehr buddelfähig.
Gordons Fazit: Das Buddeln steckt offenbar tief in uns drin. Minecraft, “A Game About Digging a Hole”, Donkey Kong Bonanza – alles Nachfahren dieser einen Red-Faction-Demo.
Hellblade: Senua’s Sacrifice – Tobis ASMR-Actionspiel (Multi, 2017)

Ein Spiel, das man mit Kopfhörern spielen muss. Keine Diskussion. Ninja Theory hat mit Hellblade etwas geschaffen, das Tobi als “das Nächste an einem ASMR-Spiel” beschreibt – und damit liegt er nicht falsch.
Tobi: “Du musst dich wirklich hinsetzen, musst das auf dich wirken lassen, dann ist das richtig geil. Das ist fast schon Portal-Level Highlight für mich gewesen.”
Die Protagonistin Senua hört Stimmen – und du hörst sie mit. Dank binauraler Audioaufnahmen flüstern dir die Stimmen mal ermutigend, mal verstörend in beide Ohren. Das wurde unter Mitwirkung von Psychologen und Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt, die ihre Erfahrungen mit Halluzinationen schilderten. Gordon ergänzt: “Die haben riesiges Arsch-Aufreißen bei dem Spiel betrieben. Das Budget hat sich in Grenzen gehalten, aber was Audio angeht, ist das top level.”
Tobi hat das Kampfsystem so verinnerlicht, dass er im Endkampf – der eigentlich dafür designt ist, dass du verlierst – einfach alles getötet hat, was ihm in den Weg gestellt wurde. “Ich wusste nicht, dass du verlieren solltest.” Das Spiel setzt auch auf subtile Täuschung: Die fortschreitende “Verrottung” an Senuas Körper suggeriert Permadeath – passiert aber vermutlich nie wirklich.
Tomb Raider 2 – Gordons Nikolaus-Geschenk (PC/PS1, 1997)

6. Dezember 1997. Nikolaustag. Der kleine Gordon bekommt ein Spiel und ein Lösungsheft. Beides wird sein Gaming-Leben nachhaltig prägen: Tomb Raider 2.
Gordon: “Dieses Spiel hat mich wirklich nachhaltig geprägt. Ich kann so viel von diesem Spiel in meinen Gedanken auswendig, das zeigt ja schon, wie krass das in meinem Hirn eingebrannt ist.”
Gordon hatte vorher bei seinem Kumpel Alex Tomb Raider 1 gespielt – bei dem Kind, das einfach alles hatte. Nintendo, Super Nintendo, Power Rangers, Turtles-Figuren. Dann kam Teil 2, und ab dem zweiten Level war alles anders: Statt Tiere kamen plötzlich Typen mit Waffen und Dobermännern um die Ecke. “Ey, wo bin ich denn jetzt hier gelandet? Was ist mit den Tieren passiert?” In Venedig mit dem Boot und den Schalter-Rätseln, die Mansion mit dem Butler im Kühlschrank, der T-Rex als Secret im ersten Level – Gordon hat alles auswendig im Kopf.
Passend dazu die traurige Erkenntnis: Toby Gard, der Erfinder von Lara Croft, hat Core Design schon nach Teil 1 verlassen. Teil 2 hat er gar nicht gemacht. Wer mehr über die Tomb-Raider-Reihe hören will: Die komplette Retrospektive gibt es in drei Teilen auf videogamecast.de.
| Plattform | PC/PS1 (1997) |
| Shop | Steam (Original 1997) |
Mystic Quest / Seiken Densetsu 1 – Tobis Game-Boy-Droge (Game Boy, 1991)

Tobis Einstiegsdroge. Buchstäblich. Er hatte einen Cousin, der alles hatte – Amiga, Super Nintendo, die coolsten Sachen. Tobi war sechs, der Cousin fünfzehn. Und dann lagen die beiden auf dem Bett, der Cousin spielte, Tobi guckte auf den Game Boy. Mystic Quest, komplett durchgespielt, über mehrere Besuche hinweg.
Tobi: “Auch wenn du das dann wirklich so quasi hochportest in orchestrale Versionen, hörst du erst, wie geil diese Komposition ist.”
Das Spiel war kryptisch – Tobi erinnert sich an ein Rätsel, bei dem du in der Wüste um zwei Palmen eine Acht laufen musstest, um die Höhle der Medusa zu öffnen. “Das macht null Sinn, aber ja, das war die Lösung.” Und trotzdem: Der Soundtrack hat sich für immer eingebrannt. Das Overworld-Theme, die Kampfmusik – bei Game-Boy-Spielen prägt sich die Einfachheit besonders ein, weil die Melodien so reduziert und dadurch so einprägsam sind.
Gordon bestätigt das Phänomen: “So ein beschissenes Game-Boy-Spiel, also der Soundtrack davon, aber gerade die Einfachheit macht es ja so prägnant.” Es gibt inzwischen Remakes – Sword of Mana für den GBA und eine neuere Version, die es von Handys über die PS Vita auch auf den PC geschafft hat.
Starfleet Academy – Gordons Star-Trek-Traum (PC, 1997)

William Shatner begrüßt dich persönlich. Du bist Kadett an der Starfleet Academy. Sieben CDs. Ein Tastatur-Overlay aus Pappe, weil du 100 von 102 Tasten brauchst, um das Spiel spielen zu können. Willkommen in den späten 90ern.
Gordon: “Wer begrüßt dich in dem Spiel? Fucking Will Shatner. Also da steht einfach der Bill und redet mit dir.”
Gordon hat das Spiel mit seinem eigenen Geld gekauft – nicht weil es “Starfleet Academy” war, sondern weil es ein Star-Trek-Spiel in Echtzeit war. Zusammen mit Jascha haben sie alles an Star Trek aufgesaugt, was es gab: Die Serie, die Filme, diese riesigen Sammelordner für 6,50 Mark pro Woche. Und dann kam dieses Spiel mit FMV-Sequenzen der Original-Schauspieler.
Das Besondere: Du musstest diplomatisch vorgehen. Wenn du in einer Mission was verkackt hast, bist du von der Akademie geflogen. Keine zweite Chance (innerhalb der Story). Wer als Kind immer darauf gewartet hat, dass die Enterprise endlich was abballert, musste hier lernen, sich zu zügeln. Gordon: “Gefühlt bist du da auch so ein bisschen erwachsen geworden.” Wer die komplette Star-Trek-Retrospektive nachhören will: Sechs Teile auf videogamecast.de.
| Plattform | PC (1997) |
| Shop | Steam | GOG |
| Bestpreis |
Castlevania: Symphony of the Night – Tobis Wiederspiel-Klassiker (PS1, 1997)

“What is a man? A miserable little pile of secrets!” – Das ikonischste Voice-Acting der Spielegeschichte. Und Tobis nächstes Lieblingsspiel.
Tobi: “Das ist halt eins dieser Spiele, die könnte ich jedes Jahr nochmal rausziehen, einmal durchspielen. Das macht einfach so viel Spaß, da durchzurennen.”
Symphony of the Night hat das Metroidvania-Genre begründet – dieses “furchtbare Portmanteau aus Castlevania und Metroid”, wie Tobi es nennt. Du hast eine riesige Map wie bei Super Metroid, sammelst neue Fähigkeiten (Doppelsprung, Fledermaus-Verwandlung, irgendwann quasi Fliegen), und das Ganze ist angereichert mit RPG-Elementen: Equipment, Level-Ups, verschiedene Waffen.
Das Verrückte: Sony wollte eigentlich keine 2D-Spiele auf der PlayStation. Die Konsole war Sinnbild für 3D-Gaming. Dass Konami trotzdem ein 2D-Spiel durchgedrückt hat, lag vermutlich daran, dass Konami halt Konami war. Gordons Kumpel Henry fasste die damalige Stimmung zusammen: “Das ist nur so 2D-Scheiß.” Tja. Dieser “2D-Scheiß” gilt heute als eins der einflussreichsten Spiele aller Zeiten.
Tobi hat es über die Jahre auf verschiedenen Plattformen gespielt – Xbox Live Arcade, PSP (dort als Bonus im Rondo-of-Blood-Remake), und zuletzt als PS4-Bundle. Es gibt sogar extra Modi: Mit Richter Belmont ohne RPG-Elemente durchspielen, oder in der japanischen Version mit Maria und ihren tierischen Begleitern.
Star Wars: Rebellion – Gordons Galaxie-Sandkasten (PC, 1998)

Gordons letztes Lieblingsspiel für diese Folge hat seine Freundschaft zu Jascha geprägt – und seine Feindschaft zu dessen kleinem Bruder Jannis. Naja, fast.
Gordon: “Dieses Spiel kann ich wirklich jedem empfehlen, der Star Wars Fan ist und dem Grafik scheißegal ist.”
Star Wars Rebellion: Ein Spieler ist das Imperium, einer die Rebellen-Allianz. Du hast die gesamte Galaxie als Spielfläche. Rundenbasiert, unendlich komplex. Und unfassbar frustrierend, wenn dein Gegner die Rebellen spielt. Weil die Rebellen-KI – oder schlimmer, dein Kumpel als Rebell – dich mit Guerilla-Taktiken in den Wahnsinn treibt. Shipyard gebaut? Rebellenanschlag. Todesstern gebaut? “Ach, du hattest keinen Schild auf dem Planeten? Tja.” Drei Tage Bauzeit, weggeblasen von einer Staffel X-Wings.
Die beste Anekdote: Jascha hat gegen seinen Bruder Jannis gespielt. Jannis hatte den Todesstern. Jascha hat nur eine kleine Staffel Jäger losgeschickt – ohne jede Hoffnung. Und dann spielte das Spiel die Zerstörungs-Sequenz ab. Todesstern explodiert. Zufallstreffer. Jannis’ Gesicht: unbezahlbar.
Gordon hat aus diesem Spiel seinen Traum gezogen, Spieleentwickler zu werden: “Wenn ich irgendwann mal Spieleentwickler bin, dann mache ich ein neues Star Wars Rebellion.” Hat er dann nicht gemacht – aber Empire at War kam immerhin als geistiger Nachfolger. Wer die Star-Wars-Retrospektive nachhören will, findet alle Teile auf videogamecast.de.
| Plattform | PC (1998) |
| Shop | Steam | GOG |
| Bestpreis |
🎲 Wusstet ihr schon?
🧠 Chrono Trigger kam in Deutschland nie für das SNES heraus – erst die PlayStation-Version brachte das Spiel nach Europa. Die enthielt dafür erstmals Anime-Zwischensequenzen im Stil von Dragon Ball, gezeichnet von Akira Toriyama höchstpersönlich.
🎵 Die Soundtracks von Game-Boy-Spielen wurden oft direkt in Maschinensprache programmiert. Die Komponisten mussten gleichzeitig Programmierer und Musiker sein, weil sie die Sound-Chips des Handhelds manuell manipulieren mussten, um über die Standard-Sounds hinauszukommen.
💣 Red Faction (2001) war eines der ersten Spiele mit komplett zerstörbarem Terrain in der Ego-Perspektive. Die Technologie hieß “Geo-Mod” und wurde von Volition entwickelt – konnte im fertigen Spiel aus Performance-Gründen aber nur an bestimmten Stellen genutzt werden.
🎬 Hellblade: Senua’s Sacrifice wurde mit einem vergleichsweise kleinen Budget von Ninja Theory entwickelt, gewann aber mehrere Audio-Preise. Die binauralen Stimmaufnahmen entstanden mit einem 3D-Mikrofon, um das die Schauspieler herumliefen und hineinflüsterten.
🏰 Castlevania: Symphony of the Night wurde auf der PlayStation veröffentlicht, obwohl Sony eigentlich keine 2D-Spiele auf der Konsole wollte. Nur Konamis Marktmacht als Publisher machte die Veröffentlichung möglich – und begründete damit das gesamte Metroidvania-Genre.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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