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Unsere Lieblingsspiele Teil 4 | Pokémon Rot & Alone in the Dark im ehrlichen Retro-Test

Stellt euch vor, ihr steht im Karstadt. Dritte Etage, Spielzeugabteilung. Es riecht nach Plastik und alten Teppichen. An der Decke hängen Fernseher, die irgendwelche Demo-Kassetten abspielen. Hinter der Glasvitrine sitzt ein Typ, der aussieht, als hätte er seit 1994 den Laden nicht verlassen – aber der kennt jedes Spiel, das ihr je sehen werdet. Genau hier beginnt Gordons Pokémon-Geschichte. Und genau hier landen wir in der vierten Runde unseres Lieblingsspiele Podcasts.

Gordon und Tobi packen wieder ihre persönlichen Spieleklassiker auf den Tisch. Diesmal: Zwei Spiele, dafür extrem ausführlich. Der eine redet über Voodoo-Piraten und Sega Saturn, der andere über Glurak und Meisterbälle. Und zwischendrin wird nostalgisch über “Der Preis ist heiß” philosophiert, weil warum auch nicht. Wer die Lieblingsspiele Teil 1, Teil 2 und Teil 3 noch nicht kennt – nachholen. Hier gibt es den Abschluss der Reihe. Die komplette Übersicht aller 25 Lieblingsspiele findet ihr ebenfalls auf videogamecast.de.


Alone in the Dark 2 – Tobis Voodoo-Piraten-Perle (Saturn/PC, 1993)

Alone in the Dark 2 Cover

Tobis Geschichte beginnt – natürlich – bei Karstadt. Wahrscheinlich Stuttgart, aber so genau weiß er das nicht mehr. Was er weiß: Er hat seine Mutter genötigt, ihm dieses Spiel für den Sega Saturn zu kaufen. Einfach, weil das Cover geil aussah. Kein YouTube-Review, kein Metacritic-Score. Das Cover. Punkt.

Tobi: “Ich habe meine Mutter genötigt, mir das zu kaufen für den Sega Saturn. Keine Ahnung, sah halt einfach cool aus.”

Alone in the Dark 2 ist der Nachfolger des Spiels, das das Survival-Horror-Genre praktisch erfunden hat – Jahre bevor Resident Evil überhaupt ein Konzept war. Und wer sich die alten Screenshots anguckt, der sieht: prerendered Backgrounds, feste Kameraperspektiven, Tanksteuerung, Herrenhaus, 3D-Charakter. Sorry, aber das IST Resident Evil. Das ist eins zu eins. Nur eben drei Jahre früher.

Gordon: “Also sorry, aber das ist halt Resident Evil. Du bist in einem Mansion, es geht nach unten, du hast die Tank-Steuerung – eins zu eins.”

Was Tobi an Teil 2 so fasziniert hat: Die Geschichte. Nicht das Kampfsystem – das war, diplomatisch ausgedrückt, eine Herausforderung. Tanksteuerung plus Nahkampf plus kein Auto-Aim. Du musstest deine Polygon-Figur mit dem Gegner auf eine Linie bringen. Das war weniger Kampf, mehr Performance-Kunst.

Die Story dreht sich um Edward Carnby, der ein entführtes Mädchen namens Grace Saunders aus den Fängen von One-Eyed Jack und seiner untoten Piratencrew retten muss. Das Voodoo-Setting, die vertonten Briefe und Logbücher, die du überall findest – das war Environmental Storytelling, bevor es einen Namen dafür gab. Tobi hat sich die Audiologs wirklich alle angehört. Jedes einzelne.

Und dann gibt es da Tobis Lieblingsmoment: Einer der Bosse ist dank eines Voodoo-Pakts unsterblich. Du findest diesen Pakt als Gegenstand im Spiel. Wenn du clever genug bist, zerreißt du ihn direkt vor dem Boss – und er fällt einfach tot um.

Tobi: “Das fand ich damals so geil, diese Idee. Da wär ich nie drauf gekommen. So eine real sinnvolle Lösung im Kontext des Spiels.”

Das Spiel hat auch eine kuriose Weihnachts-Komponente: Du verkleidest dich als Weihnachtsmann, um an einem Koch vorbeizukommen. Und du kannst einem bewusstlosen Santa-Imitator eine Flasche Whisky hinstellen, der sich dann in die Bewusstlosigkeit säuft. 1993 war eine andere Zeit.

Passend dazu: Die Bewertungen gingen komplett auseinander. Die Edge gab dem PC-Original 9/10 – weil sie es 1993 im richtigen Kontext bewertet haben. Famitsu vergab der Saturn-Version 1996 nur 5/10. Drei Jahre machen in der 3D-Ära den Unterschied zwischen Meisterwerk und Museumsstück. Wer sich für die gesamte Reihe interessiert, der kann mal in unsere Baphomets-Fluch-Folge reinhören – ähnliche Ära, ähnliche Liebe zum Adventure-Genre.

Plattform DOS (1993), Saturn, PS1, 3DO
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Pokémon Rot – Gordons Karstadt-Revolution (Game Boy, 1999)

Pokémon Rot Cover

Gordons Pokémon-Geschichte ist eine Zeitreise in die späten 90er. Sie beginnt, wie so vieles in seinem Leben, im Karstadt in Berlin-Tempelhof. Eine Station vor der Schule, Rolltreppe hoch, dritte Etage, Spielzeug. Da saß dieser eine Typ – Gordons persönlicher Gaming-Orakel – der eines Tages ein Magazin hinlegte und sagte: “In Japan geht das richtig ab. Wenn das hier nach Deutschland kommt, wird jeder dieses Spiel spielen.”

Gordon: “Und wer schreibt denn das so mit so einem komischen Strich da oben drüber? Die dummen Japaner schon wieder, die können nicht mal Pocket Monster richtig schreiben.”

Wochen- und monatelang haben Gordon und sein Kumpel Basti danach im Internet gesucht. Sie haben sogar eine japanische ROM im Emulator auf Bastis Aldi-PC zum Laufen bekommen – Pokémon Grün, auf Japanisch, von dem sie kein Wort lesen konnten. Ihr Starter-Pokémon haben sie phonetisch benannt, weil sie keine Ahnung hatten, wie die Viecher heißen.

Dann, Oktober 1999: Release Day. Gordon und Basti sind nach der Schule direkt zum Karstadt, jeder mit 80 Mark in der Tasche. Keine Diskussion, wer welche Version nimmt: Basti blau, Gordon rot.

Gordon: “Tut mir leid, Leute, aber blaue Version, ihr seid alles Untermenschen. Die rote Version ist die einzig wahre.”

Was folgte, war ein Ausnahmezustand. Jeden Tag in der Schule: “Meins ist schon Level 38!” – “Wo bist du gerade?” – “Hast du schon den und den besiegt?” Und dann, eine Woche später, kommt Basti in die Schule und sagt beiläufig, er hätte Mewtwo gefangen. Mit dem Meisterball, den er sich aufgehoben hat. Gordon war fassungslos.

Die Obsession ging weiter: Pokémon Stadium aus einer Videothek in Wedding für 150 Mark abgekauft. Transfer Packs besorgt – Gordon hat dafür einen Schul-Streik geschwänzt, ist mit der U-Bahn zum Neuendorfplatz gefahren, hat den Adapter geholt und ist direkt zu Jascha gefahren. Damit sie endlich mit ihren eigenen Pokémon in 3D gegeneinander kämpfen konnten.

Dann das Pokémon-Turnier in Berlin-Marzahn. Gordon und Jascha sind am Sonntag aufgetaucht – leider war die Anmeldung samstags. Aber: Irgendjemand auf dem Event hatte ein Mew. Ein originales, von Nintendo verteiltes Mew. Das wurde per Link-Kabel vervielfältigt, bis halb Berlin ein Kevin-Mew hatte. Weil der Originalbesitzer sein Mew “Kevin” getauft hatte.

Gordon: “Das heißt, es gab irgendwann auf einmal 50 Kevins. Kevin-Mews. Oh ey.”

Das Pokémon-Fieber hat Gordon nachhaltig geprägt: Karten gesammelt, die silberne Edition mitgespielt, den Glurak von der roten in die silberne Edition rübergetauscht. RIP Glurak – irgendwo auf Jaschas Game-Boy-Cartridge mit toter Batterie. Wer die VGC-Nostalgie-Reihe liebt: In unserer Super Mario Teil 2 Folge reden die beiden über genau diese Game-Boy-Ära.


🎲 Wusstet ihr schon?

🎮 Pokémon Rot und Blau erschienen am 08. Oktober 1999 in Europa – über drei Jahre nach dem japanischen Release vom Februar 1996. In dieser Zeit hatte sich das Spiel in Japan bereits über 10 Millionen Mal verkauft.

🏴‍☠️ In Alone in the Dark 2 kannst du dich als Weihnachtsmann verkleiden, um an Feinden vorbeizukommen. Das Spiel spielt an Heiligabend – einer der frühesten Weihnachts-Settings in der Videospielgeschichte.

🕹️ Alone in the Dark (1992) gilt als Urvater des Survival-Horror-Genres und führte prerendered Backgrounds, feste Kameraperspektiven und Tanksteuerung ein – alles Elemente, die Capcom drei Jahre später für Resident Evil übernahm.

📺 Gordon hat seinen ersten Emulator-Kontakt mit Pokémon Grün (japanisch) auf einem Aldi-PC seines Kumpels Basti gehabt – Jahre bevor das Spiel offiziell in Europa erschien. Sie haben Bisasam phonetisch als “Bizai-Samen” benannt.

💰 Der Karstadt in Berlin-Tempelhof hatte in den 90ern eine eigene Videospiel-Abteilung in der dritten Etage mit Kiosk-Systemen für PlayStation und Saturn. Gordon hat dort erstmals Metal Gear Solid angespielt.


Viel Spaß beim Hören!

Tobi & Gordon

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