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Turok – Von Valiant Comics zum Cerebral Bore: Die komplette Retrospektive der Dinosaurier-Shooter-Reihe

Stellt euch vor: Ihr seid zehn Jahre alt, steht auf den Zehenspitzen im Kino, damit ihr für zwölf durchgeht, und schaut euch zum ersten Mal Jurassic Park an. Der T-Rex brüllt, das Wasser im Becher vibriert, und ab diesem Moment seid ihr dem Dinosaurier-Fieber hilflos ausgeliefert. Genau so ging es Gordon – und genau deshalb sitzen wir heute hier und reden über Turok, die Spielereihe, die Dinosaurier mit Raketenwerfer und Cerebral Bore kombiniert hat. Zwei ausgebildete Spieleentwickler nehmen sich die komplette Turok-Reihe vor: von den Comics der 50er Jahre über die N64-Klassiker bis zum glanzlosen 2008er Reboot.

Turok war für eine ganze Generation von N64-Besitzern DER Ego-Shooter neben GoldenEye. Nebel so dick, dass man drei Meter weit sehen konnte, Waffen so übertrieben, dass selbst Rambo neidisch geworden wäre, und eine Story, die selbst nach zwei Stunden Podcast niemand so richtig verstanden hat. Willkommen in den Lost Lands.

Von der Comicreihe zum N64-Hit – Wie alles begann

Was viele nicht wissen: Turok tauchte erstmals 1954 in Dell Comics’ “Four Color” auf und bekam ab 1956 seine eigene Reihe bei Gold Key Comics – “Turok, Son of Stone”. Rund 130 Ausgaben über mehr als zwei Jahrzehnte. Die Grundstory: Zwei Indianer, Turok und sein Bruder, stranden in einem “Lost Valley” voller Dinosaurier – ein Jules-Verne-Szenario mit Pfeil und Bogen statt Tauchboot.

Spannend wird’s 1992, als Valiant Comics die Serie übernahm und komplett rebootete. Genau auf diesen Valiant-Comics basieren dann die ersten Spiele – inklusive des ganzen Wahnsinns mit kybernetischen Dinosauriern, interdimensionalen Portalen und dem mysteriösen “Chronoscepter”. Gordon erinnert sich noch an die brutalen, detaillierten Zeichnungen mit ihren starken Kontrasten: “Das war auf jeden Fall nichts für Kinder, kann ich dir sagen.”

Publisher Acclaim kaufte sich dann für 65 Millionen Dollar die kompletten Valiant Comics – und machte daraus eines der prägendsten Franchises der N64-Ära. Wer sich für die Konkurrenz aus derselben Epoche interessiert: In unserer id Software Retrospektive nehmen wir Doom, Quake und Co. genauso auseinander.

“Du konntest nur 10 Meter weit gucken” – Turok: Dinosaur Hunter (1997)

Der erste Turok für N64 war technisch eine Wucht – zumindest wenn man über den allgegenwärtigen Nebel hinwegsehen konnte. Gordon bringt es auf den Punkt: “Das ist ungefähr so wie ich Gothic 1 gespielt habe – Sichtweite so weit runtergedreht, dass ich nur einen Meter weit gucken konnte.”

Aber genau dieser Nebel sorgte dafür, dass das Spiel für N64-Verhältnisse erstaunlich flüssig lief. Tobi, der alle Teile für den Podcast noch einmal durchgespielt hat, bestätigt: “Im Vergleich zu GoldenEye, das mit 15 Frames gelaufen ist, war das schon eine ganz andere Welt.”

Was Turok wirklich besonders machte, waren die Waffen. Messer, Bogen, Pistole – Standard. Aber dann ging es los: Explosivpfeile à la Rambo, Pulse Rifle, Quad Rocket Launcher (vier Raketen statt einer!), Minigun, Fusionskanone und natürlich das legendäre Chronoscepter – eine Waffe so mächtig, dass sie in acht Teile zerlegt über die gesamte Spielwelt versteckt werden musste. Gordon kennt übrigens die Hollywood-Minigun aus Predator und Terminator 2: “Das ist dieselbe Prop-Minigun. Die haben in Hollywood nur eine.” Und tatsächlich – die Stan Winston School bestätigte, dass die GE M134 aus beiden Filmen exakt dieselbe Waffe ist.

Die Level waren riesig, labyrinthisch und voller versteckter Schlüssel. Ein Hub-System à la Stonehenge verband die Welten – für 1997 erstaunlich offen. Auf dem PC lief es über 3dfx-Karten – wobei die nur hübschere Shader lieferten, nicht mehr Performance. Tobis Voodoo Rush konnte da auch nicht viel ausrichten. Wer sich für die anderen 90er-Shooter-Legenden interessiert, dem sei auch unsere Duke Nukem Retrospektive ans Herz gelegt.

“Ich habe auf dem PC irgendwann gecheatet, weil ich es einfach nicht geschafft habe. Natürlich gleich alle Waffen hergesetzt und ausprobiert.” – Gordon

Seeds of Evil – Turok 2 und der Gehirnbohrer (1998)

Turok 2: Seeds of Evil setzte auf die bewährte Formel und drehte alles auf. Neuer Turok (der Titel wird von Generation zu Generation weitergegeben – “Woher kenne ich das denn verflucht?”, grübelt Gordon), neue Gegner, noch verrücktere Waffen. Statt menschlicher Soldaten kämpft man jetzt gegen Reptiloide – “so eine Art Merkel”, wie Gordon es diplomatisch formuliert.

Der unangefochtene Star: Die Cerebral Bore. Eine Drohne, die sich in den Schädel des Gegners bohrt, eine Blutfontäne produziert, und dann den Kopf explodieren lässt. In der deutschen Version? “Eine Zielsuchkanone. Das Projektil explodiert sofort bei Kontakt.” Danke, USK der 90er.

Überhaupt war die deutsche Version ein Trauerspiel: Keine Bluteffekte, keine Leichen, keine Pfeile in Gegnern, teilweise alle Menschen durch Roboter ersetzt. Gordon fasst zusammen: “Deutsche Versionen von Spielen wolltest du eigentlich gar nicht kaufen. Du hast immer versucht, irgendjemanden zu kriegen, der dir was aus England mitgebracht hat.”

Tobi empfiehlt heute die Nightdive-Remasters auf Steam – “Das macht so unendlich viel mehr Spaß, du kannst Headshots verteilen, weil du endlich vernünftig zielen kannst.”

Die B-Seite: Rage Wars und der Multiplayer auf dem Minibildschirm

1999 kam Turok: Rage Wars – ein reiner Multiplayer-Titel für N64, vergleichbar mit Unreal Tournament oder Quake 3 Arena, die im selben Jahr erschienen. Winzige Level, aber zu viert auf einem 21-Zoll-Röhrenfernseher durchaus spaßig. Tobis damaliger Gamertag: “Killer85”. Gordon kommentiert trocken: “Du bist ja nicht ganz so cool wie Basti, der sich ‘Zero Cool’ aus dem Film Hackers genannt hat.”

Das eigentliche Highlight der Session: Die Erkenntnis, dass vier Spieler auf einem Fernseher, der “so groß war wie ein Sony PVM”, bedeutete, dass jeder ein Bild in Gameboy-Größe vor sich hatte. “Da war es dann auch scheißegal, wie das Spiel ausgesehen hat.”

Shadow of Oblivion – Turok 3 am Lebensende des N64 (2000)

Turok 3 kam 2000 – zu einem Zeitpunkt, als die PS2 schon da war und die Dreamcast bereits im Sterben lag. Das Spiel tötet den Helden aus Teil 2 gleich im Intro: Joseph Fireseed wird im Schlaf erschossen. “Nachdem er das ultimative Überfed besiegt hat, wird er einfach erschossen. In Unterbuchsen quasi.”

Man spielt wahlweise seinen Bruder oder seine Schwester – ein interessanter Ansatz, der unterschiedliche Wege durch die Level ermöglicht. Das Spiel orientiert sich mehr an Half-Life mit linearer Kampagne statt Hub-Welten. Tobi findet es “okay, muss man aber nicht unbedingt spielen” – inzwischen hat Nightdive auch hierfür ein Remaster auf Steam veröffentlicht.

Die beste Waffe: Die Vampire Gun, ein Alien-Parasit für die Hand, der Gegnern langsam die Lebensenergie aussaugt. Schwer zu treffen, aber befriedigend anzusehen.

Evolution und der 2008er Reboot – Der langsame Tod

Turok: Evolution (2002) war das letzte Spiel vor Acclaims Bankrott. Ein Prequel mit dem Original-Turok aus dem 18. Jahrhundert, garniert mit Star-Fox-artigen Flugsequenzen auf Pterodactylen. 60+ Level, 70er-Wertung in der Fachpresse. Tobi: “Es macht nichts grundsätzlich falsch, es ist halt nur generisch.” Fun Fact: Jeff Spangenberg, der Gründer von Iguana Entertainment – dem Studio hinter den ersten Turok-Spielen – gründete später Retro Studios und entwickelte Metroid Prime für den GameCube. Wer mehr über Samus’ Abenteuer erfahren will, findet bei uns die komplette Metroid-Retrospektive ab Teil 1.

Der 2008er Reboot von Propaganda Games war dann der Tiefpunkt. Ein “Space Marine-Spiel, dem der Name Turok aufgepflastert wurde”, so Tobi. Gears-of-War-Ästhetik, generische Soldaten-Story, und ein Turok, der aussieht wie ein Muskelfleischberg statt wie ein Indianer. Gordon wirft ein, dass Prey (2006) das bessere moderne Turok-Spiel sei – ein Indianer kämpft gegen Reptiloiden-Aliens auf einem Raumschiff. “Für mich ist Prey das bessere moderne Turok.”

Make It Happen – Was Turok heute sein könnte

Am Ende fantasieren Gordon und Tobi über ein Turok-Comeback. Gordon will einen “Last Action Turok” – Rambo trifft Dino Riders, mit Tomb-Raider-Reboot-Vibes und Far-Cry-Heilmechaniken: “Der muss sich die Brandwunden mit Schießpulver ausbrennen!” Tobi sieht eher eine Rückkehr zu den Wurzeln: Open-World-Level, irre Waffen, kybernetische Dinosaurier mit Laseraugen, aus denen man sich Waffen baut. Die Rechte liegen vermutlich bei Disney – ob sich da je jemand rantraut, steht in den Sternen. Immerhin zeigt die aktuelle Welle der modernen Retro-Shooter, dass der Markt für solche Spiele lebt.


🎮 Wusstet ihr schon?

🦖 Turoks erste Auftritte waren 1954 in Dell Comics’ “Four Color”-Reihe. Ab 1956 bekam er seine eigene Serie “Turok, Son of Stone” bei Gold Key Comics – rund 130 Ausgaben bis 1982!

🎬 Die Minigun in Turok basiert auf dem gleichen Design wie die einzige Prop-Minigun Hollywoods, die sowohl in Predator (1987) als auch in Terminator 2 (1991) zum Einsatz kam – dieselbe GE M134 in beiden Filmen.

🧪 Im Podcast behauptet Gordon, Acclaim hätte Valiant Comics für 56 Millionen Dollar gekauft. Tatsächlich waren es sogar 65 Millionen Dollar – was den anschließenden Bankrott noch absurder macht.

🎮 Jeff Spangenberg, der Gründer von Iguana Entertainment (Turok 1 & 2), gründete später Retro Studios und entwickelte Metroid Prime für den GameCube.

🧠 Die berüchtigte Cerebral Bore aus Turok 2 wurde in der deutschen Version zur harmlosen “Zielsuchkanone” – ohne Bohr-Animation und explodierende Köpfe.


Alle Turok-Spiele auf Steam

Spiel Jahr Steam Bestpreis
Turok: Dinosaur Hunter (Remaster) 2015 Steam
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Turok 3: Shadow of Oblivion Remastered 2023 Steam
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Euer Weg durch die Turok-Reihe – die Spieleentwickler-Empfehlung:

  • 🏆 Turok 1 + 2 Remasters auf Steam – Pflichtprogramm, spielt sich heute noch großartig
  • 👍 Turok: Evolution – Abandonware, per Dolphin-Emulator (GameCube-Version) am besten spielbar
  • 😐 Turok 3 Remastered – Für Komplettisten
  • 💩 Turok (2008) – Spielt lieber Prey (2006), das ist das bessere Turok-Spiel

Wenn ihr wissen wollt, warum Gordon sich die Brandwunden mit Schießpulver ausbrennen will und was Dino Riders mit Turok zu tun haben – hört rein in die komplette Folge. Über zwei Stunden geballtes Dinosaurier-Nerdwissen von zwei Spieleentwicklern, die jedes einzelne Turok-Spiel durchgespielt haben. Ja, auch die Gameboy-Teile. “Die sind alle gleich Scheiße”, versichert Tobi.


Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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