Sean Connery, Sexismus und Slapstick – Die James Bond Filme unter der Lupe
Zehn Minuten. Genau zehn Minuten lagen zwischen dem Ende der Podcast-Aufnahme und der Nachricht, die alles veränderte. Die Crew – Gordon, Tobi und die Stammgäste Dr. Stefan Blanck und Andreas Garbe – hatten gerade den ersten Teil ihrer James Bond Reihe im Kasten. Dann tickerte es über die Newsfeed: Sean Connery ist tot. Und plötzlich hatte dieser zweite Teil der James Bond Filme Retrospektive eine ganz andere Färbung, noch bevor er überhaupt aufgenommen wurde.
In der gleichen Vierer-Runde wie beim ersten Teil sitzen wieder zwei ausgebildete Spieleentwickler und zwei absolute Film-Nerds zusammen, um über das Phänomen James Bond Filme zu sprechen. Tobi hat in der Zwischenzeit alle Sean-Connery-Bonds nachgeholt – auf dem Emulator die beiden “grottigen” PlayStation-1-Spiele durchgezockt, wochenlang Bond-Themes gesungen und festgestellt, dass man “Sag niemals nie” nicht auf Englisch streamen kann. Gordon hat sich wieder in die Rolle des Moderators geworfen, der eigentlich nur verhindern will, dass Stefan wieder drei Stunden über die Rechtelage referiert. Und Stefan? Stefan hat natürlich ein Buch gelesen, das seit letztem Jahr vergriffen ist.
Schnallt euch an – in diesem Teil der James Bond Filme geht es um den Tod einer Legende, den Sexismus in 60 Jahren Kinogeschichte und die Frage, warum ein Trötensound den besten Autostunt aller Zeiten kaputtgemacht hat.
“Der zweite Held meiner Kindheit” – Warum Connerys Tod eine ganze Generation traf
Stefan trifft es am härtesten. “Das war der zweite Held meiner Kindheit, der in diesem Jahr 2020 uns verlassen hat”, sagt er leise. Der erste war Kirk Douglas, gestorben im Februar 2020. “Als ich ihn als Odysseus gesehen habe, war das so mein Held – da war ich sechs Jahre alt.” Und dann die Angst, die ihn an dem Tag beschlich: Dass vielleicht auch noch der dritte und letzte Held seiner Jugend dran sein könnte – William Shatner. Captain Kirk. “Gott sei Dank sind wir da drum rumgekommen. Der macht gerade eine History-Channel-Produktion.”
Andreas, Jahrgang 73, sechs Jahre in England gelebt, sieht es ähnlich emotional – aber aus einem anderen Blickwinkel. Für ihn war Connery nicht nur Bond, sondern ein Schauspieler, der “über 007 hinaus unglaublich viel geleistet hat”. Highlander. Outland. Der Name der Rose. “Kann man das irgendeinem der anderen Schauspieler nachsagen, dass sie außer 007 so viel und so breit dann noch aktiv waren? Vielleicht nicht.”
“Ich sehe das immer vom Positiven her. Die Menschen hatten ein erfülltes Leben. Auf jeden Fall traurig für die Welt, dass sie jemanden verloren haben, der so viel Talent reingebracht hat. Aber es ist für mich keine persönliche Tragödie.” – Tobi
Tobi ist da pragmatischer. Persönliche Helden? Nicht so sein Ding. Was er stattdessen gemacht hat: Celebrity Jeopardy aus Saturday Night Live angeguckt, wo Connery immer herrlich persifliert wurde.
Und Gordon? Der muss bei Connery sofort an “Jagd auf Roter Oktober” denken. “Ein schottischer Darsteller spielt einen Russen und legt seinen schottischen Akzent nicht ab. Und du nimmst es ihm ab. Das ist super.”
Mehr als Bond – Die unmögliche Filmografie des Sean Connery
Was folgt, ist einer der schönsten Momente des Podcasts: Die vier versuchen, sich auf die wichtigsten Connery-Filme jenseits von James Bond zu einigen – und scheitern grandios. Weil jeder andere nennt. Und weil jeder Filme nennt, die die anderen gar nicht kennen.
Stefan wirft Alfred Hitchcocks “Marnie” (1964) in den Ring. Fragezeichen bei allen anderen. “Guckt euch den mal an. Psychologisch sehr intensiv.” Dann “Der Mann, der König sein wollte” von John Huston. “Robin and Marian” mit Audrey Hepburn. “Der erste Ritter”, wo Connery gerade mal fünf Minuten Screentime hat – und trotzdem in Erinnerung bleibt.
Andreas nennt “Outland” – den er erst korrigieren muss, weil er ihn zuerst “Outpost” nennt. “Planet der Verdammten” im schönen deutschen Untertitel. Und natürlich Highlander: “Ein Film, der meine Generation unglaublich beeindruckt hat.”
Gordon kontert mit “The Rock”, wo Connery “eigentlich auch James Bond spielt – als Spionageagent, der in Alcatraz inhaftiert wurde. Das ist ja so ein Trivia-Fact.” Und “League of Extraordinary Gentlemen” als vermutlich letzten Film. “Er hat ja im Grunde sich selber gespielt – als Mann, der alles gesehen hat.”
“Das zeigt ja, dass er einfach unglaublich viele Filme gemacht hat über viele Jahrzehnte. Man kann nicht wie bei anderen Schauspielern die drei, vier wichtigsten einfach mal so schnell im Konsens aufzählen. Das geht bei Connery gar nicht.” – Andreas
Das Erstaunliche: Connery konnte einen russischen U-Boot-Kapitän spielen, ohne seinen Akzent abzulegen. Einen ägyptischen Spanier in Highlander. Einen Mönch in “Der Name der Rose”. Den Vater von Indiana Jones – wobei er in Wirklichkeit nur etwa zwölf Jahre älter als Harrison Ford war. Und die Szene im deutschen Schloss, Rücken an Rücken gefesselt, als die “Nazi-Elsa” reinkommt und beide Bonds den gleichen Abend mit ihr hatten? “Dieses Sexsymbol-Ding wurde auch da aufgegriffen.”
Übrigens: 1989, mit 59 Jahren, wurde Connery vom People Magazine zum “Sexiest Man Alive” gewählt. Der älteste Mann, der diese Auszeichnung je bekam. 1999 legte er noch einen drauf: “Sexiest Man of the Century.”
Warum James Bond ohne Connery nach drei Filmen am Ende gewesen wäre
Stefan hat eine klare These, und die will er in diesem Teil der James Bond Filme Retrospektive endlich ausführlich darlegen: “Die ganze Filmserie wurde nur deshalb so erfolgreich, weil Sean Connery in die Rolle schlüpfte. Ohne ihn wäre die Serie nie zu dem geworden, was sie wurde.”
Und das macht er fest an einem Punkt, den die anderen sofort unterschreiben: Connery machte Bond nahbar. Denkt an die allererste Szene in “Dr. No” – Bond sitzt am Spieltisch im Ambassador Club, öffnet sein Zigarettenetui und sagt: “Mein Name ist Bond. James Bond.” Ab diesem Moment ist klar: Der Typ gehört nicht zu diesem elitären Zirkel, obwohl er sich darin bewegt. Er macht sich permanent lustig über das Establishment.
Gordon greift das auf: “Er setzt sich bei M auf den Tisch, nicht auf den Stuhl. Er wirft den Hut auf den Hutständer. Das sind alles kleine Gesten, die sagen: Ich gehöre eigentlich nicht wirklich dazu.” Und dann Moneypenny – Bond kann jede Frau haben, aber er beschäftigt sich mit der Vorzimmerdame seines Chefs. “Das macht ihn unheimlich sympathisch.”
Stefan zieht den Bogen weiter: Der Regisseur Terence Young, der für den ersten Bond-Film verpflichtet war, soll bei Connerys Casting gesagt haben: “A disaster! Disaster! Disaster!” Ein völlig unbeschriebenes Blatt, das die Rolle des Agenten spielen sollte, den sich Ian Fleming eher als David Niven vorgestellt hatte. Young nahm Connery dann zur Hand – und brachte ihn zu seinem persönlichen Schneider. Kleidung macht Leute.
“Wir als Zuschauer können uns so gut mit ihm identifizieren, weil er sagt: Ich bin einer von euch Normalen. Ich gehöre nicht zu diesem elitären Zirkel. Aber guckt mal, was ich alles kann. Und da würden wir halt einfach gerne das auch können.” – Stefan
Andreas bringt den schönen Vergleich: Bond ist wie ein moderner Gladiator – er kriegt seine Aufträge von oben, führt sie aus unter erheblichem Risiko für Leib und Leben. Aber dabei kann er alles: U-Boot fahren, Ski laufen, jedes Auto der Welt steuern, jede Waffe bedienen. Dass das völlig unrealistisch ist? Geschenkt. “Es ist eine Fantasy-Märchenwelt vor dem realen Hintergrund”, sagt Stefan. “Und die James Bond Filme, die sich von dieser Zauberformel wegbewegen und mehr Realismus ins Spiel bringen – das sind die Bondfilme, die im Kino weniger gut laufen.”
Schotte, kein Brite – Warum das bei Connery wichtig war
Andreas lenkt die Diskussion in eine Richtung, die man bei einem Podcast über James Bond Filme nicht unbedingt erwartet: die nationale Identität der Darsteller. “Bei Connery würde man eher nicht sagen, der ist Brite. Im Allgemeinen schreiben die Leute: Der ist Schotte. Was er ja ist. Und was ihm selber auch wichtig war.”
Connery engagierte sich früh für die Scottish National Party (SNP) – die, wie Andreas betont, “entgegen dem Namen keine rechte oder konservative Partei ist, sondern im Grunde die schottisch-regionale Alternative zur Labour-Partei.” Ein politischer Mensch, der auf sein Schottischsein bestand. Im Gegensatz zu Timothy Dalton, der Waliser ist – “hat der sich jemals für die walisische Sprache eingesetzt? Nee.”
Und Pierce Brosnan? “Der arme Brosnan wird ja ganz oft als Brite bezeichnet, was er nicht ist – weil er Ire ist.” Fast genauso wichtig wie einen Schotten zu haben, sei es, einen Iren zu haben. So tickt halt die britische Insel-Identität.
Was Gordon zu einer Nebendiskussion über die “Remington Steele”-Synchronisation verleitet, die nur in Deutschland durch die deutsche Synchronisation erfolgreich war. “Die hatten eine Sammlung von 800 Sprüchen auf Karteikarten und haben die da alle reingebuttert.” Ähnlich wie bei Bud Spencer und Terence Hill – oder David Hasselhoff: Phänomene, die in Deutschland ein ganz besonderes Standing haben. Wie das bei den James Bond Filmen und ihrer deutschen Synchronisation ausgesehen hat, ist wieder ein anderes Kapitel.
“Kein Vogel baut sein Nest im kahlen Baum” – Sexismus in 60 Jahren James Bond Filme
Jetzt wird es ernst. Gordon weiß, dass Tobi beim Nachschauen der James Bond Filme einiges aufgefallen ist, das er per WhatsApp kommentiert hat. “Die Darstellung der beiden Geschlechter in den Filmen – vielleicht kannst du da was zu erzählen, Tobi.”
Tobi ist direkt: “Bei dem Umgang mit den Bond Girls finde ich ist das sehr inkonsistent während der ganzen Filmreihe. Allein schon in den Connery-Filmen – manchmal ist es so, dass er quasi eine Mitarbeiterin dazu drängt. Im nächsten Film ist er dann eher passiv.” Der schlimmste? “You Only Live Twice. Wenn man sich da das Filmplakat anguckt – sieben Damen im Bikini, die ihn von vorne bis hinten betüddeln.”
Dann fallen die Namen: Plenty O’Toole aus “Diamantenfieber” – “und Plenty ist natürlich die Oberweite”. Pussy Galore aus “Goldfinger” – “der Name allein ist ja schon gruselig, aber ich glaube, der verpasst ihr auch noch eine Schelle.” Christmas Jones. Octopussy.
Aber Andreas bremst: “Das ist ein zweischneidiges Schwert. Pussy Galores Fliegerinnen-Truppe – wenn man mal vom Namen abzieht – ist das natürlich auch ein Symbol für Gleichberechtigung. Junge Frauen, die Flugzeuge fliegen, und das auch noch exzellent. Das war zur der Zeit sicherlich nicht normal.” Bei Fleming war Pussy Galore übrigens als Anführerin einer lesbischen Gemeinschaft angelegt. “Genauso wie bei Octopussy – eine Frauengemeinschaft in Indien.”
Gordon sieht die Entwicklung: “Bei ‘For Your Eyes Only’ sind die schon gleichgestellt. Die Dame an Bonds Seite rockt den Film genauso wie er.” Und schon vorher, in “Der Spion, der mich liebte”: Barbara Bach als russische Agentin – bewusst als gleichwertiges Ebenbild zu Bond geschrieben. Dass inzwischen eine Frau – Barbara Broccoli – als Produzentin die Zügel in der Hand hat, spielt da natürlich mit rein.
Passend dazu wurde auch in der dritten Folge unserer James Bond Reihe die Rolle von Mayday, Xenia Onatopp und den modernen Bond-Frauen diskutiert. Was sich dort zeigt: Die James Bond Filme spiegeln immer den Zeitgeist wider.
Das Playboy-Interview, das bis heute nachhält
Was Gordon dann anschneidet, ist heikel, aber gehört zur Diskussion über die James Bond Filme und ihre Darsteller: Connerys berüchtigtes Playboy-Interview von November 1965. Gordon liest aus dem Scotsman vor: “I don’t think there is anything particularly wrong about hitting a woman – although I don’t recommend doing it in the same way that you’d hit a man.”
Stille.
“Ich bin da selber gespalten”, sagt Gordon. “Ich finde nicht, dass ein Zitat, das über 40 Jahre alt ist, die gesamte Biografie und das Lebenswerk eines Schauspielers komplett über Bord werfen muss. Aber es gehört zu dieser 007-Diskussion dazu.”
Stefan ordnet ein: In den 80er Jahren wurde Connery von der amerikanischen Journalistin Barbara Walters erneut darauf angesprochen – und er hat die Aussage im Grunde wiederholt. “Wenn jede Diskussion mit einer Frau scheitert und die Handlung des Mannes ignoriert wird, dann muss man auch mal zu einem anderen Mittel greifen.” Schwer verdaulich? Absolut. Aber Stefan sagt auch: “Ich finde, es macht ihn menschlicher, auch solche Aussagen in den Kontext reinzuziehen.”
Andreas zieht eine große Brücke – zu Martin Luther und seinen antisemitischen Schriften: “Aus heutiger Sicht auf das Schlimmste zu verurteilen. Aber damals war die Mehrheit so.” Der Punkt: “Wir verteufeln nicht diese eine Person. Wir lehnen den Geist der Zeit damals ab.”
Gordon kennt die Parallele aus dem eigenen Podcast: “Bei HP Lovecraft kommt das Thema des Rassenhasses in jeder Folge vor. Der Typ ist aus dem Ende des 19. Jahrhunderts – da war das halt normal.” Die geistige Weitsicht, das zu trennen, müsse man einfach entwickeln. “Zum Glück sind wir inzwischen ein bisschen weiter, was unsere Gesellschaft angeht.”
Diamonds Are Forever – Der absurdeste aller James Bond Filme
Stefan leitet elegant über: In “Diamantenfieber” hat Connery ein “Mittel der Überzeichnung und der Distanzierung zu der Figur gefunden”. Andere Körperhaltung, andere Mimik. Er macht die James Bond Darstellung eigentlich lächerlich.
Tobi hat den Film gerade diese Woche geschaut und ist fassungslos: “Das ist der surrealste aller James Bond Filme. Eher so ein experimenteller Film aus den 70ern als ein konsequenter Bondfilm. Über lange Zeit gar kein richtiger zentraler Konflikt. Es geht um irgendwelche Diamanten, die irgendwer irgendwohin transportiert, und dann wird es immer absurder. Plötzlich Klone!”
Und das Finale? “James Bond übernimmt einen Kran. Einen Kran! Hebt Blofelds Miniboot damit hoch und rammt es einfach links, rechts, links, rechts gegen diese Zentrale, bis das Ding kaputt ist. Es ist so unfassbar plump, dass es schon absurd ist.” Dazu die zwei Widersacher – ein schwules Paar, das den Film “fast schon mit karikatesken Zügen überzeichnet”.
Fun Fact, den Tobi einstreut: Die große Schlussexplosion der Bohrinsel ist früher losgegangen, als die Kameras noch nicht liefen. “Normalerweise bin ich für solche Anekdoten verantwortlich”, protestiert Gordon. “Aber herzlichen Glückwunsch.”
“This never happened to the other fellow” – Als Bond mit dem Publikum redete
Gordon hat noch einen Joker im Ärmel: George Lazenbys Breaking-the-Fourth-Wall-Moment in “Im Geheimdienst Ihrer Majestät”. “Eine Frau serviert ihn im Film ab, und er sagt direkt in die Kamera: ‘This never happened to the other fellow.'”
Als Kind hat Gordon das nicht verstanden. “Aber du guckst ihn als Erwachsener und denkst: Leute, ist das jetzt wirklich gerade passiert? Hat James Bond mit mir geredet?” Ein Moment, der als erste Brechung des bis dahin ernst etablierten Charakters in die Bond-Geschichte einging – und der den Weg ebnete für die Slapstick-Eskalation der Roger-Moore-Ära.
Der Korkenzieher, der Trötensound und warum Casino Royale alles richtig machte
Gordon bringt ein Beispiel, das ihn seit Jahren wurmt: In “Der Mann mit dem goldenen Colt” führt ein AMC Hornet einen realen Korkenzieher-Stunt aus – das Auto springt über eine Brücke, dreht sich um die eigene Achse und landet wieder auf den Rädern. Kein Computer, keine Miniaturen, ein echter Stunt von Stuntfahrer Loren “Bumps” Willert.
“Die Szene an sich funktioniert super, ist wirklich ganz krass. Aber die haben das im Film mit einem Trötensound unterlegt. Macht die ganze Szene kaputt. Und auf einmal ist das eine Comedy.”
Zum Vergleich: In Casino Royale gibt es den Aston Martin DBS, der sich siebenmal überschlägt – ein Stunt, der im Guinness-Buch der Weltrekorde gelandet ist. “Kein Slapstick drin, ungefähr genauso aufwendig. Aber DIESER Stunt wird ernst genommen.” Die Szene von damals hätte genauso gut im Guinness-Buch landen können – “wird aber kaputt gemacht, weil da ein komischer Sheriff mit Tröte drin ist.”
Ähnlich hat der Videogamecast auch in der Spieleverfilmungen-Reihe diskutiert, wie Tonalität und Postproduction großartige Szenen ruinieren oder retten können.
Warum Goldfinger alles veränderte – Das erste Marketing-Genie der James Bond Filme
Stefan liefert den historischen Deep Dive, auf den alle gewartet haben: Warum begann die Bondmania erst mit Goldfinger – und nicht schon mit Dr. No?
Die Antwort: Marketing. “Die Produzenten haben bei Goldfinger etwas gemacht, das in den 60er Jahren einzigartig war.” Am Furkapass in der Schweiz – der ikonischen Location mit dem Aston Martin DB5 auf den Serpentinen – wurde jeder akkreditierte Journalist eingeladen. Hotels gebucht, jeden Abend Party, die Presse komplett an den Dreharbeiten teilhaben lassen.
“Wenn irgendeine Zeitung ein Interview haben wollte, hieß es nur: Schickt eine Frau als Interviewpartnerin – dann macht der auf jeden Fall das Interview.” Connery hätte bis nachts um drei gefeiert, morgens um sieben ging es wieder los mit den Dreharbeiten.
Das Verrückte daran: Zu dem Zeitpunkt war James Bond noch gar nicht so berühmt. “In Andermatt haben sich die Hoteliers nach der Bonität der Produktionsgesellschaft gefragt und wollten denen keine Hotelzimmer zur Verfügung stellen.”
Aber der Hype funktionierte. “Vorher war schon bekannt: Der Aston Martin hat Maschinengewehre an Bord, eine Panzerglasscheibe – das muss man sehen!” Einer der ersten Hypes der Filmgeschichte, geschaffen mit den Mitteln der damaligen Zeit: Zeitungen.
Und dann Thunderball – der vierte James Bond Film, ein Jahr nach Goldfinger. “Das Einspielergebnis waren damals etwa 141 Millionen Dollar”, rechnet Stefan vor. “Inflationsbereinigt sind das heute über 1,4 Milliarden. Kann sich mit den Marvel-Filmen messen!” Jeder 20. Mensch in der westlichen Welt soll damals im Kino gewesen sein. In den Produktionsmappen von Eon wurde später damit geworben, dass jeder zweite Mensch in den 60er Jahren schon einen James Bond Film gesehen hatte.
Wer sich für ähnliche kulturelle Phänomene in der Gaming-Welt interessiert, dem sei die vierte Folge der James Bond Reihe empfohlen, in der Danny Morgenstern noch tiefer in diese James Bond Fakten eintaucht.
Gordons Geständnis – Und warum Dalton unterschätzt wird
“Ich oute mich als der Mensch, der mit den Sean Connery Bonds am wenigsten anfangen kann”, sagt Gordon. “Der Connery-Bond, der für mich funktioniert, ist ‘Sag niemals nie’ – der halt kein James Bond Film im eigentlichen Sinne ist.”
Gordon ist erst mit den Roger Moore Filmen warm geworden. Und für ihn wird es mit Voranschreiten der Zeit immer besser: “Ich komme am besten klar mit den Dalton-Filmen und den Daniel Craig Filmen.” Schon im ersten Teil der James Bond Reihe hatte er die Dalton-Filme als seine Favoriten genannt – “bitter ernst, kein Klamauk, der Bösewicht ist ein Drogenhändler und Bond macht das aus persönlicher Rache.”
Pierce Brosnan dagegen? Gordon wird nachdenklich: “Der hat natürlich viele Filme gedreht, aber bei mir ist es so – ich kann den schwer in anderen Rollen sehen, weil er für mich so stark als James Bond geprägt ist.” Einzige Ausnahme: “The Foreigner” mit Jackie Chan. “Da habe ich sehr schnell vergessen können, dass mir James Bond auf dem Fernseher gegenübersitzt.”
🎬 Wusstet ihr schon?
🏆 Sean Connery wurde 1989 im Alter von 59 Jahren vom People Magazine zum “Sexiest Man Alive” gewählt – und ist bis heute der älteste Mann, der diese Auszeichnung je erhielt. 1999 legte er mit “Sexiest Man of the Century” noch einen drauf.
🎬 Der Korkenzieher-Stunt in “Der Mann mit dem goldenen Colt” (1974) war der erste Autostunt der Filmgeschichte, der per Computermodell vorberechnet wurde. Ein AMC Hornet drehte sich real um die eigene Achse – aber die Postproduction unterlegte die Szene mit einem Slide-Whistle-Soundeffekt, der sie zur Comedy degradierte.
🚗 In “Casino Royale” (2006) überschlug sich der Aston Martin DBS siebenmal – ein Guinness-Weltrekord für die meisten Überschläge bei einem Filmstunt. Der Rekord wurde erst 2024 gebrochen.
📰 Für die Goldfinger-Dreharbeiten am Furkapass in der Schweiz luden die Produzenten sämtliche akkreditierte Journalisten ein, buchten Hotels und schmissen jeden Abend Party – einer der ersten orchestrierten Film-Hypes der Geschichte, Jahre bevor es Internet und Social Media gab.
💰 “Thunderball” (1965) spielte weltweit 141,2 Millionen Dollar ein – inflationsbereinigt entspricht das heute über 1,4 Milliarden Dollar. Damit könnte sich der Film locker mit den größten Marvel-Blockbustern messen.
Dies ist Teil 2 einer 7-teiligen James Bond Reihe im Videogamecast. In Teil 1 ging es um die Bond-Darsteller und das Phänomen 007. In Teil 3 stehen die James Bond Bösewichte, Autos und Gadgets im Fokus. In Teil 4 packt Deutschlands 007-Experte Danny Morgenstern seine absurdesten Fakten aus. Und ab Teil 5 geht es endlich um die James Bond Spiele – von Text-Adventures bis GoldenEye 007. In Teil 6 geht es weiter mit den restlichen James Bond Spielen von NightFire bis 007 Legends, und im großen Finale – Teil 007 – wird der emotionalste Bond-Film aller Zeiten besprochen: Keine Zeit zu sterben.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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ZU DEM DASS FLEMMING DEN „BLÖDESTEN NAMEN“ FÜR BOND GESUCHT HAT: JA SEID MAL FROH DASS ER NICHT IN DEUTSCHLAND DANACH GESUCHT HAT Oo SONST WÜRDE SICH BOND HEUT ZU TAGE VORSTELLEN MIT: „MEIN ANME IST MAIER. HANS DIETER MAIER“ 😀 😀
WAS ÜBRIGENS AUCH INTERESSANT IST: IRVIN KERSHNER – DER REGISSEUR VON „SAG NIEMALS NIE“ – DER HAT EINEN ANDEREN GANZ BEKANNTEN FILM GEMACHT DEN MAN VIELLEICHT KENNEN KÖNNTE UND ZWAR: „DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK“ – DER (!) STAR WARS FILM 😉
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