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Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Stellt euch vor, ihr steht 1995 im Laden

Ihr seid 14, vielleicht 15. Das Super Nintendo steht zu Hause, aber eigentlich ist die Konsole schon tot – die PlayStation gibt es bereits, das N64 steht vor der Tür. Und doch: Man sagt ja immer, dass zum Ende eines Konsolenzeitalters die technisch ambitioniertesten Titel rauskommen. Genau in dieser Phase befinden wir uns jetzt. Trotzdem zieht euch dieses eine Cover magisch an: Akira Toriyama-Artwork, das sofort nach Dragon Ball schreit. Zeitreisen, Roboter, ein rothaariger Held mit einem Katana. Ihr dreht die Verpackung um und lest Chrono Trigger.

Dann guckt ihr auf den Preis. 100 Dollar. Weihnachten ist nicht in der Nähe, der Geburtstag gerade vorbei. Und falls ihr in Deutschland steht: Vergesst es komplett. Release für Europa? Nicht geplant. Wie bei Super Mario RPG und Star Fox 2 hat Nintendo entschieden, dass sich das nicht mehr lohnt. Dieselben Leute, die ein fertig entwickeltes Spiel einfach canceln, weil sie lieber das N64 verkaufen wollen. Gordon fasst es treffend zusammen: “Was ist das denn? Alle so: Was?”

Chrono Trigger ist das JRPG, das die Zeit vergessen hat – und das zwei ausgebildete Game Designer im Rahmen des Podcastnetzwerks “Die besten Podcasts der Welt” zum Thema Zeitreisen sezieren. Tobi, der das Spiel auf einem ZSNES-Emulator durchgespielt hat, bei dem beim Startscreen immer “irgendwie Pixelschnee runterkam”, und es in seinen Top 10 neben Planescape: Torment packt. Und Gordon, der bei der Vorbereitung mehr über Idiocracy und Star Wars geredet hat als über JRPGs – und das Spiel nie durchgespielt hat. Willkommen bei einer Chrono Trigger Sonderfolge, die so chaotisch durch die Zeitalter springt wie das Spiel selbst.

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

ZSNES, SNES9X und der Pixelschnee – So haben wir Chrono Trigger entdeckt

Bevor es ums Spiel geht, muss erst mal geklärt werden: Wie spielt man eigentlich ein Spiel, das in Europa nie erschienen ist? Die Antwort für eine ganze Generation: Emulatoren. Tobi erinnert sich an den ZSNES, dessen Interface “wirklich aussah wie DOS, so komplett pixelig”. Gordon kontert: “SNES9X hatte diese Standard-Windows-Oberfläche, die sich total an die Philosophie von Windows 2000 angelehnt hat.” Die beiden Emulatoren waren so etwas wie die Coca-Cola und Pepsi der SNES-Emulation – wobei ZSNES mit seinem Multiplayer-Feature über IP-Adressen die Nase vorn hatte.

“Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als ich kein Super Nintendo hatte, aber einen Super Nintendo Emulator. Das einzige Mal, wo ich Chrono Trigger komplett durchgespielt habe, ist ja auch ein bisschen länger, das Spiel.” – Tobi

Wer sich für die Emulations-Thematik interessiert: In unserer Minikonsolen-Folge haben wir uns ausführlich mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Emulationskisten beschäftigt – vom NES Classic bis zur PlayStation Classic.

Das Dream Team, das sich selbst ins Krankenhaus gearbeitet hat

Was Chrono Trigger so besonders macht, beginnt nicht im Spiel, sondern im Büro. Square und Enix – damals noch getrennte Firmen – haben für dieses Projekt ihre absoluten Superstars zusammengetrommelt. Das sogenannte “Dream Team”: Dragon Quest-Erfinder Yuji Horii, Final Fantasy-Schöpfer Hironobu Sakaguchi und Dragon Ball-Zeichner Akira Toriyama. Dazu Komponist Yasunori Mitsuda, der sich für den Soundtrack dermaßen verausgabt hat, dass er Magengeschwüre bekam und ins Krankenhaus musste. Nobuo Uematsu – der Mann hinter den Final-Fantasy-Soundtracks – musste einspringen und die letzten zehn Tracks fertigstellen.

“Das ist ja das Dream Team gewesen bei diesem Spiel. Die Dragon Quest-Leute und die Final Fantasy-Leute zusammen. Extrem gute Idee.” – Tobi

Gordon bringt es auf den Punkt, warum das Cover-Artwork so entscheidend war – und fährt dafür die komplette Kaufpsychologie der 90er auf: “Du stehst als 14-Jähriger vor dem Regal, hast so eine Wand aus Super-Nintendo-Verpackungen. Der erste Schritt zur Kaufentscheidung triffst du anhand des Covers.” Und dann verweist er auf das perfekt konservierte Gegenbeispiel: die Phalanx-Box mit dem Banjo spielenden Opa. “Die haben halt versucht, aus diesem Konstrukt auszubrechen, aber nur Aufmerksamkeit kriegen zählt nicht. Du guckst den Opa an und sagst: Ich will den Opa nicht spielen, leck mich.”

Bei Chrono Trigger funktioniert es andersherum: “Du siehst dieses Toriyama-Artwork und dein Gehirn funktioniert direkt so: Oh Dragon Ball, das muss ich mir wenigstens mal angucken.” Derselbe Effekt, den Yoshitaka Amanos androgyne Zeichnungen bei Final Fantasy hatten oder Yoji Shinkawas Kalligraphie bei Metal Gear – ein Cover, das sofort eine ganze Welt verspricht. Wie Tobi und Gordon auch in ihrer Lieblingsspiele-Folge Teil 3 festgestellt haben: Chrono Trigger gehört zu den Spielen, die man einfach nicht vergisst.

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Dragon Quest vs. Final Fantasy – Warum das eine im Westen abgeht und das andere nicht

Weil beide Reihen in Chrono Trigger zusammenkommen, driften Tobi und Gordon natürlich in eine Grundsatzdiskussion ab: Warum hat Final Fantasy im Westen so viel besser funktioniert als Dragon Quest? Tobi vermutet Timing: “Dragon Quest war sehr früh, auch fürs NES. Das hat die ganze JRPG-Welle ins Rollen gebracht. Final Fantasy kam dann später und war wohl einfach ausgereifter.” Gordon sieht es pragmatischer: “Es ist auch nicht ganz so kindlich. Bei Dragon Quest hast du diese sehr limitierten Schleims im Fokus. Bei Final Fantasy ist halt Ritter und Monster und Drachen und Endzeit.”

“Am Ende kommt es alles auf Marketing an. Wahrscheinlich hätte Dragon Quest sich genauso gut vermarkten lassen. Aber die haben halt auch nicht unendlich Geld gehabt und sich dann für eine Serie entschieden.” – Gordon

Was beide nicht ahnen konnten: 2024 starb Akira Toriyama im Alter von 68 Jahren – der Mann, der sowohl Dragon Quest als auch Chrono Trigger das Gesicht gegeben hat. Seine Chrono-Trigger-Designs gelten heute als einige seiner besten Arbeiten außerhalb von Dragon Ball. Die Zwischensequenzen, die später für die PlayStation-Version produziert wurden, lassen einen träumen: “Da wünscht man sich eigentlich, dass es einen Anime davon geben könnte”, sagt Gordon. “So einen halbwegs längeren Fernsehfilm, wie bei den Dragon-Ball-Filmen.”

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Aufwachen, Chrono – die Heldenreise beginnt (wie immer)

“Wach auf, Chrono! Wach auf, Link! Wach auf, Ash!” – Gordon rattert die JRPG-Klischees runter und hat damit absolut recht. Es fehlt immer ein Elternteil, der Held muss Halbwaise sein, und die Schule existiert in keinem dieser Universen. “Die müssen auch nie zur Schule, die ganzen Kiddies”, stellt Gordon fest. Und dann zieht er die Star-Wars-Parallele: “Luke ist 16. Schule kannst du vergessen. Du sollst auf dem Feld arbeiten, du Schwein. Kannst mal zur Toshi Station fahren und blaue Milch gegen Chips eintauschen.”

Bei Chrono Trigger weckt dich deine Mutter zum Jahrtausendwechsel. Du gehst auf die Millennia Fair – einen Rummel mit Minispielen, Wettessen und einem Detail, das Gordon kaum fassen kann:

“Chrono kann Katzen adoptieren, indem er Spiele auf der Fair spielt. Total überflüssig, dass du dich damit beschäftigen kannst. Aber die Katze ist dann bei dir zu Hause.” – Gordon

Und dann kommt der erste geniale Trick: Je nachdem, wie ihr euch verhaltet – ob ihr dem Mädchen aufhelft, ihr Amulett sofort schnappt oder sogar versucht es zu verkaufen, ob ihr ungeduldig seid oder einem Typen seinen Lunch wegfresst – werdet ihr später dafür bewertet. Ein Karma-System, bevor der Begriff überhaupt existierte. “Das ist schon ein lustiger Trick, den das Spiel mit dir macht”, sagt Tobi. Unglaublich für 1995.

Apropos Rummel: Tobi und Gordon haben eine gehackte Multiplayer-Version auf dem ZSNES ausprobiert – und sind direkt in einen Game-Breaking-Bug gelaufen. “Du kämpfst auf der Fair, gewinnst alles, die Story geht weiter – und dann kommt der erste richtige Kampf und du hast keine Lebenspunkte mehr”, erzählt Gordon fassungslos. “Sofort tot, Spiel von vorne. Und du kannst nicht speichern zwischendrin.” Tobis trockener Kommentar: “Du kannst natürlich in dein Haus zurück und schlafen. Aber das kannst du nur machen, bevor du sie triffst.” Timing ist alles – im Spiel wie im Leben.

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Marle, Jasmin und der Teleporter – Zeitreisen für Anfänger

Der eigentliche Wahnsinn beginnt, als Marle – die Prinzessin, die sich inkognito auf dem Rummel rumtreibt – auf Lucas Teleporter steigt. Gordon vergleicht sie sofort mit Prinzessin Jasmin: “Die ist im Schloss eigentlich eingesperrt und ist dann nur deswegen da.” Ihr Medaillon reagiert mit der Maschine, die Musik verstummt – und Tobi schwärmt: “Da macht die Musik schon den krassen Auftritt. Plötzlich ist die Musik weg. Und dann kommt so mystery music, so titte, titte, titte.” Und zack: verschwunden.

Und Chrono? “Total uneigennützig eigentlich”, kommentiert Gordon trocken. “Ich kenne die ja gar nicht. Vielleicht findet er sie heiß oder so. Er redet ja auch nicht.” Stiller Protagonist halt – “so Gordon-Freeman-mäßig. Dann gib mir mal hier ein Brecheisen, dann kloppe ich halt alle um.”

Was folgt, ist eine Geschichte, die sich Stück für Stück entfaltet – und die komplexer ist als Back to the Future. Du landest 400 Jahre in der Vergangenheit, rettest Marle, verursachst dabei Änderungen in der Zeitlinie. “Du musst die Änderungen, die du unabsichtlich bewirkt hast, versuchen rückgängig zu machen”, erklärt Gordon. “Triffst dabei immer auf neue Charaktere. Und im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass es doch was Größeres gibt.”

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Lavos, Magus und die Frage: Wer ist hier eigentlich der Bösewicht?

Dieses “Größere” ist Lavos – ein außerirdisches Wesen, das vor Millionen Jahren als Komet auf die Erde krachte, die Eiszeit einläutete und seitdem im Erdinneren schlummert. Kein klassischer Bösewicht, sondern eine kosmische Bedrohung. Tobi zieht den Vergleich zu Final Fantasy VII: “Sehr ähnlich. So ein galaktisches Böses, das nicht traditionell böse ist, sondern einfach existiert, weil es andere Welten konsumiert.”

Und dann gibt es Magus – typischer JRPG-Trope: Der vermeintliche Endboss der ersten Spielhälfte entpuppt sich als tragischer Antiheld. “So ein vermeintlicher Bösewicht, der am Ende dann aber sich doch als Companion rausstellt”, beschreibt Gordon. Magus kommt aus einer magischen Parallelwelt, wurde als Kind in die Vergangenheit gerissen und hat seitdem nur ein Ziel: Lavos zu besiegen. Die eigentlichen Bösen? Die Zauberer aus dieser Parallelwelt, die Lavos’ Macht für sich nutzen wollen.

“Es ist nicht so, dass du direkt am Anfang weißt, worum es geht. Es ist ein Zufall. Marle hat einen Unfall und du willst sie retten. Dadurch änderst du die Vergangenheit – und alles danach.” – Gordon

Für Fans von Spielen, die ihre Story in Schichten aufbauen: Unsere BioShock-Retrospektive zeigt, wie ein anderer Meilenstein mit narrativen Twists umgeht – dort mit “Would You Kindly”, hier mit Magus’ wahrer Identität.

Die Zukunft: Dystopie mit Heilstation – und warum Gordon Idiocracy reinzieht

Das wohl eindrucksvollste Zeitalter im Spiel ist die postapokalyptische Zukunft. Lavos ist ausgebrochen, die Zivilisation liegt in Ruinen. Und Tobi erzählt eines der, wie er selbst sagt, “geilsten Details der Videospielgeschichte”:

“Die Leute leben alle noch. In den Ruinen der Hochzivilisation. Und die sagen: Wir haben Hunger, unglaublich Hunger. Aber die haben Heilstationen entwickelt, die dich komplett heilen können. Die laufen immer weiter. Also heilen sie sich jeden Tag, um die Effekte vom Hunger zurückzudrehen. Aber sie haben trotzdem noch Hunger und fühlen sich einfach unglaublich scheiße den ganzen Tag.” – Tobi

Und was macht Gordon? Der erzählt erstmal den kompletten Plot von Idiocracy. Von der sich vermehrenden Midwestern-Familie über den Wrestler als Präsident bis zu den Pflanzen, die mit Gatorade gegossen werden. Tobi muss ihn aktiv einbremsen: “Ja, okay, ich sehe schon, ich muss dich hier stoppen.” Aber Gordon landet dann doch: “Bei Idiocracy ist das eine Utopie für die Leute, weil sie es nicht verstehen. Bei Chrono Trigger ist es das Gegenteil: absolut dystopisch. Alles geht den Bach runter.”

Das Fieseste daran: Die Leute in der Zukunft akzeptieren einfach ihr Schicksal. Als Chrono erklärt, er müsse ihre Existenz auslöschen, um die Zeitlinie zu reparieren, sagen die: “Jo, okay, macht das mal.” Gordon findet das “sehr infantil – es hinterfragt wenig den ganzen Sinn dieser Zeitreisethematik.” Sein Gegenvorschlag: Donnie Darko. “Da geht es darum, ob man die eigene Existenz auslöschen muss, um die Zeit ordentlich laufen zu lassen. Viel interessanter.” Tobi kontert leise: Das Spiel ist eben “sehr optimistisch, obwohl es düstere Themen hat.” Und genau das macht Chrono Trigger aus – es ist kein düsteres Philosophie-Seminar, sondern ein Abenteuer mit Herz.

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Robos tausendjährige Einsamkeit – Die emotionalste Sidequest der JRPG-Geschichte

Tobis absolute Lieblingsquest ist auch eine der emotionalsten Geschichten der gesamten Videospielgeschichte. In der Zukunft findest du Robo, einen Roboter, der noch funktioniert und von Luca repariert wird. Du reist 1.000 Jahre in die Vergangenheit, siehst dort eine Wüste, die sich in der Zukunft sogar noch weiter ausgebreitet hat. Dein Plan: Aufforsten. Dein Werkzeug: ein bewusster Roboter, den du dort zurücklässt.

“Du gibst dem Roboter den Auftrag: Du musst jetzt hier aufforsten. Dann fliegst du mit der Epoch tausend Jahre in die Zukunft. Und er hat quasi im Alleingang tausend Jahre lang diese ganze Wüste transformiert in einen riesigen Wald. Du gräbst ihn aus und reparierst ihn wieder. Und er hat einfach bewusst tausend Jahre erlebt als Roboter, als bewusstes Wesen. Das ist schon krass.” – Tobi

Gordon zieht eine Star-Trek-Parallele: die Deep-Space-Nine-Folge “Hard Time”, in der Miles O’Brien mental 70 Jahre in einem Gedankengefängnis eingesperrt wird – während in der Realität nur Minuten vergehen. “Stell dir das mal vor. Da arbeitet er sich halt tot, wird repariert, geht wieder an und dann ist er so: Oh ja. Tausend Jahre.” Es ist ein seltener Moment im Podcast, wo beide innehalten und anerkennen: Das ist richtig gut geschrieben.

Tobi relativiert: Robo sieht das Ganze natürlich mit seiner “Roboter-artigen Art”. Er ist nicht verrückt geworden, weil er eben nicht dieselben Bedürfnisse hat wie ein Mensch. Aber Gordon kontert mit einem wichtigen Punkt: “Wenn es Augen hat und ein Gesicht, dann sprechen wir einem Objekt Bewusstsein zu. Und bei dem Roboter ist es genau das Gleiche. Das ist schon fies, egal wie du das antust.” Der japanische Fachbegriff dafür? Gordon kennt ihn natürlich nicht, aber er meint das Konzept, allen materiellen Dingen eine Seele einzuhauchen. Tobi beruhigt: “Er hat sich ja dazu bereit erklärt. Es ist nicht so, dass du dem sagst: Mach das jetzt oder du kriegst Hau.”

Chrono stirbt – und ihr könnt ihn zurückholen (oder auch nicht)

Spoiler für ein Spiel von 1995? Gordon kommentiert das selbst: “Das Spiel ist von 96, leck mich.” Also: Chrono opfert sich bei der ersten direkten Konfrontation mit Lavos. Einfach tot. Euer stiller Protagonist, weg. Was folgt, ist ein riesiger Sonderquest, um ihn wiederzubeleben – inklusive der legendären Rainbow-Shell-Quest, bei der ihr einen Kristall findet, der mit Sonnenenergie aufgeladen werden muss.

“Du fliegst bis 50 Million BC in die Steinzeit zurück, legst die Rainbow Shell in so einen Berg, wo Sonne draufscheint. Dann holst du die in der Jetztzeit wieder ab, wo die sich halt Millionen Jahre mit Licht vollgesogen hat.” – Tobi

Und das Beste: Ihr müsst ihn nicht wiederbeleben. Es gibt ein Ende, in dem ihr alles schafft – ohne Chrono. Die Sidequests, die sich ab der Spielmitte öffnen, wenn ihr die Epoch bekommt (eine frei steuerbare Zeitmaschine), sind alle optional. Aber jede einzelne legt einen Charakter frei, der euch ans Herz wächst. Ayla aus der Steinzeit, Frog der Ritter-Frosch, der tragische Magus – Charaktere, die Tobi so sehr ans Herz gewachsen sind, dass Chrono Trigger es in seine persönliche Lieblingsspiele-Liste geschafft hat. “Das Spiel legt dir diese Charaktere sehr ans Herz”, sagt Tobi. “Du bist fertig und denkst einfach: Wir haben zusammen Abenteuer erlebt.”

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

New Game Plus – hier wurde der Begriff erfunden

Ein Fun Fact, den Gordon kaum glauben kann: Chrono Trigger hat den Begriff “New Game Plus” geprägt. Das Konzept gab es vorher schon – Megami Tensei auf dem NES hatte bereits ein ähnliches Feature – aber der Name “New Game +” stammt von hier und hat sich als Standard für die gesamte Branche durchgesetzt. Alle Fähigkeiten behalten, die Story nochmal spielen, andere Enden sehen.

Und davon gibt es reichlich: In der SNES-Originalversion existieren 12 verschiedene Enden. Das reicht vom guten Ende – wo alle in ihre Zeitalter zurückkehren, Frog wieder zum Menschen wird und Chronos Katze ins Zeitportal springt – bis zum Developer Room, in dem ihr Sakaguchi, Toriyama und Uematsu mit eigenen Custom-Sprites trefft. Je nachdem, wann ihr Lavos besiegt, ändert sich das Ende. Und ja: Ihr könnt den Endboss theoretisch sehr früh besiegen, wenn ihr stundenlang grindet.

“Aber so ein 23-Stunden-RPG jährlich durchspielen? Boah, nach dem dritten Mal wäre es nicht mehr mein Lieblingsspiel, wenn mich jemand dazu zwingen würde.” – Gordon

Der Kontext: Gregor von den Rocket Beans hat in seinem Format “Greg’s RPG Heaven” erzählt, dass er Chrono Trigger jedes Jahr einmal durchspielt – damals bereits zum 15. Mal. Gordon respektiert das, aber: “Nee, das muss nicht sein.” Tobi sieht das etwas anders: Für ihn ist es “eines dieser Spiele, wo du fertig bist und dann einfach sehr positiv und mit einem warmen Gefühl im Herzen an die Charaktere denkst.” Nicht umsonst hat Tobi Chrono Trigger in unserer großen Lieblingsspiele-Übersicht als eines seiner absoluten Highlight-Spiele gelistet.

Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Welche Version solltet ihr spielen? Der große Chrono Trigger Versionsvergleich

Gordon und Tobi haben sich ausführlich durch alle verfügbaren Versionen gearbeitet. Von ZSNES-Nostalgie über PlayStation-Ladezeiten-Horror bis zur kontroversen Steam-Version mit ihrem hässlichen Smoothing-Filter – “der sieht aus, als hätte jemand in Photoshop bei der Transformation nicht auf Pixelgrafik umgestellt”, erklärt Gordon mit der Präzision eines ehemaligen Game Designers.

VersionEmpfehlungAnmerkungen
SNES Original✅ Für PuristenDie modfähigste Version dank 30 Jahren Rom-Hacking. Multiplayer-Mod existiert! Über Emulatoren wie ZSNES oder den akkurateren Higan spielbar.
PlayStation⚠️ Nur mit Emulator10 Sekunden Ladezeit pro Kampf – “macht dich wahnsinnig” (Gordon). Dafür mit den legendären FMV-Sequenzen von Toriyama. Im Emulator CD-Speed hochdrehen!
Nintendo DS⚠️ SammlerstückExtra-Dungeon exklusiv. Erstes Europa-Release (2009)! Aber: Loose ab ~47 €, sealed First Print bis 250 € (PriceCharting). “Chrono Trigger neu in Folie für 687 Euro. Spinnen die?” (Gordon)
iOS❓ Nische10 € im App Store. Echte Widescreen-Anpassung mit überarbeitetem UI. Ob es auf aktuellen iOS-Versionen noch läuft? Unklar.
Steam✅ EmpfohlenMit Mods (Font Fix, Pixel Demaster) die beste moderne Version. Smoothing-Filter abschaltbar. FMVs leider nicht remastert – “die sind eins zu eins die von der PlayStation” (Tobi).

Gordons Fazit: “Ich bin da eher auf dem Super-Nintendo-Trip. Also die SNES-Variante spielen, Mods runterladen, durch einen Emulator jagen.” Tobi ergänzt: “Mit der Steam-Version machst du nichts essenziell Falsches. Die paar Mini-Änderungen kannst du mit Mods zurückdrehen.” Wer sich für Retro-Hardware-Alternativen interessiert, findet in unserer Analogue & Everdrives-Folge die passende Hardware dazu.

Chrono Cross – das Spiel, das die Zeit wirklich vergessen hat

Was ist aus der Reihe geworden? Chrono Cross auf der PlayStation, dazwischen das Japan-exklusive Radical Dreamers – “ist nicht mal interaktiv, ist eigentlich nur so eine Geschichte” (Gordon) – und dann… Stille. Die Remastered-Version von 2022? “Halbschrottig”, urteilt Tobi, der versucht hat, sie zu spielen, und nach ein paar Monaten aufgegeben hat. “Das hat einen ganz anderen Vibe.”

“Alle haben Final Fantasy 7 gespielt, alle. Wenn du PlayStation hattest, bist du nicht drumherum gekommen. Da hat keiner Chrono Cross sich gekauft.” – Gordon

Das Traurigste: Wenn ihr online nach “Chrono Trigger Review” sucht, findet ihr überraschend wenig. “Da bist du ziemlich schnell an der Stelle, wo YouTube nicht mehr weiß, was du eigentlich wolltest”, wundert sich Tobi. Trotz des legendären Rufs taucht das Spiel auf vielen “Best RPGs of All Time”-Listen erst ab den Top 100 auf. Gordon vermutet: “Ich denke, das wird einfach durch Chrono Cross passiert sein, weil Chrono Cross ziemlich baden gegangen ist.” Tobi stimmt zu: “Das ist wirklich das Spiel, was die Zeit vergessen hat.”

Secret of Mana, Cinecane-Gin und die Zeitreisespiele, die es nie in den Podcast geschafft haben

Am Ende der Folge wird noch gebrainstormt: Welche anderen Chrono Trigger Zeitreisespiele gibt es eigentlich? Die Liste ist erstaunlich kurz. Gordon fällt Quantum Break von Remedy ein (“aber eigentlich ist da Zeitreise auch nur ein Feature”), Timesplitters (“da hatte ich vorhin dran gedacht, aber so…”), und Day of the Tentacle (“okay, würde ich mitnehmen”). Tobi wirft Outer Wilds, Shadow of Memories und das Telltale Back to the Future Game in den Ring.

Besonders Shadow of Memories sorgt für Erheiterung – ein PS2-Adventure mit dem Protagonisten Eike Kusch, der in der Stadt Lebensbaum seinen eigenen Tod verhindern muss. “Eike Kusch, was ist das denn? Den Namen gibt’s doch nicht mal in Deutschland”, lacht Gordon. “Bitte, wenn du Eike Kusch heißt, melde dich bei uns.”

Und dann driftet die Folge noch in eine wunderbare Nebendiskussion über Secret of Mana ab. Gordon erinnert sich, wie er das Spiel zu zweit mit einem Kumpel namens Alex durchgezockt hat – “der dann nicht warten konnte, weil wir kurz vor dem Endboss waren, und den Mana-Drachen dann alleine geplättet hat. Da war ich dann ein bisschen wütend.” Alex hat es dann nochmal mit ihm zusammen gespielt. “Der Endkampf hat ja auch zwei Stunden gedauert.”

Gordon nippt dabei am Cinecane-Gin (“Der schmeckt nach Popcorn. Keine Werbung für Alkohol, übrigens. Don’t drink and drive.”) und beide landen am Ende bei einem Versprechen, das Angst machen sollte: “Nächstes Jahr Zelda und Final Fantasy.” Gordons Reaktion: “Ach nee, bitte nicht.”


Chrono Trigger: Der JRPG-Klassiker, den die Zeit vergessen hat – Ehrliche Retrospektive

Verdict: 🏆🏆 Absolutes Meisterwerk – das JRPG, das den Begriff “New Game Plus” geprägt und Zeitreisen im Gaming für immer definiert hat

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Mod-Empfehlung: Chrono Trigger Pixel Demaster – Entfernt den Smoothing-Filter und bringt die Original-SNES-Pixel zurück. Außerdem empfehlenswert: Better Font Mod und FMV Remastered via AI-Upscale.


Wusstet ihr schon?

📝 Chrono Trigger hat den Begriff “New Game Plus” geprägt – Nicht erfunden (Megami Tensei hatte schon ein ähnliches Feature), aber der Name “New Game +” stammt von hier und ist seitdem Industriestandard. Wikipedia bestätigt: “The term was coined in the 1995 role-playing video game Chrono Trigger.”

🏥 Der Soundtrack hat seinen Komponisten ins Krankenhaus gebracht – Yasunori Mitsuda arbeitete so obsessiv am 64-Track-Soundtrack, dass er Magengeschwüre bekam und hospitalisiert wurde. Nobuo Uematsu (Final Fantasy) musste einspringen und die letzten zehn Tracks fertigstellen.

🤖 1.000 Jahre Gärtnern – In der emotionalsten Sidequest des Spiels lässt du den Roboter Robo eine Wüste aufforsten. Du reist 1.000 Jahre in die Zukunft und gräbst ihn wieder aus – nach einem Jahrtausend bewusster Existenz als einsamer Gärtner.

🏆 12 verschiedene Enden im SNES-Original – Darunter ein geheimes Developer-Room-Ende, in dem du die Entwickler persönlich triffst. Im DS-Port kamen weitere Enden hinzu, insgesamt bis zu 14.

🚫 14 Jahre lang nicht in Europa erschienen – Wie Super Mario RPG und Star Fox 2 wurde Chrono Trigger 1995 nicht für Europa lokalisiert. Erst 2009 kam das Spiel mit dem DS-Port erstmals offiziell nach Europa.

🐱 Katzen-Adoption auf dem Rummel – Auf der Millennia Fair kannst du durch Minispiele eine Katze adoptieren, die dann bei Chrono zu Hause lebt. Komplett optional, komplett nutzlos – aber “die Katze springt am Ende sogar ins Zeitportal und die Mutter hinterher” (Tobi).

💰 DS-Version als Goldgrube – Chrono Trigger für den Nintendo DS kostet heute loose ab 47 €, als Complete in Box ab 150 €. Sealed First Prints gehen für 250 € und mehr über den Tisch. “Chrono Trigger neu in Folie für 687 Euro. Spinnen die?” (Gordon)


Outro

Viel Spaß beim Hören!

Tobi & Gordon

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