Erinnert ihr euch noch an “Die Spielebranche brennt”? Diese eine Folge vom März, in der wir uns über Massenentlassungen aufgeregt haben, bis uns die Stimme wegblieb? Tja. Willkommen zur zweiten Runde. Denn im Juli 2026 brennt es nicht weniger, sondern lichterloh: Die Xbox Entlassungen 2026 sind der bedeutendste Umbau der Xbox-Geschichte, Sony killt ab 2028 die Disc, und wir beide sitzen hier und wissen ehrlich nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Gordon liefert die Zahlen, Tobi korrigiert sie live per Rock Paper Shotgun, und irgendwo dazwischen entsteht eine Metapher aus Kacke, die ihr so schnell nicht vergesst.
Außerdem dabei: Microsofts fehlende Krisenkommunikation, eine neue Head of Games direkt aus dem Minecraft-Kosmos und die Frage, ob eure digitale Spielesammlung überhaupt euch gehört. Zwei Ex-Möchtegern-Game-Designer, die nie einen Fuß in der Branche gefasst haben und heute erschütternd froh darüber sind, sezieren zwei Konzernkrisen auf einmal. Diese News KW 28 wird länger als 30 Minuten – tut uns nicht leid.
🪓 Xbox Entlassungen 2026: Der größte Kahlschlag der Xbox-Geschichte
Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an. Neue Xbox-Chefin Asha Sharma hat ihre ersten 100 Tage genutzt, ein paar Führungspositionen mit eigenen Leuten zu besetzen – so weit legitim, “New Sheriff in town”, der holt sich seine Deputies. Dann kamen die dicken Kracher. Gordon hat sich die Zahlen extra aufgeschrieben, um nichts durcheinanderzubringen:
“Bedeutendster Umbau der Xbox-Geschichte. 3.200 Stellen fallen Microsoft-weit weg.” – Gordon
Genauer: 3.200 Jobs in der Xbox-Abteilung, konzernweit sind es sogar rund 4.800. Genau diese zwei Zahlen sorgen für Verwirrung – und laut Gordon steckt Methode dahinter. Er nennt es News-Stacking: Alle schlechten Nachrichten gebündelt raushauen, damit im Getöse untergeht, dass hinter dem prominenten Xbox-Label noch ein ganzer Batzen anderer Microsoft-Entlassungen hängt. Die Xbox Entlassungen 2026 reihen sich nahtlos in die Welle ein, die wir schon bei EA, Ubisoft und Sony gesehen haben – nur eben lauter. Und Sharmas Begründung ist bitter ehrlich: Man habe zig Milliarden investiert, mache Umsatz, aber bei Weitem nicht genug. Der Finanzhaini bei Microsoft ist wach geworden.
💿 Der einzige Silberstreif: Studios werden frei statt platt gemacht
Hier korrigiert Tobi live per Rock Paper Shotgun einen älteren Recherchestand – und zwar wichtig: Microsoft schließt die Studios nicht alle, sondern stößt sie ab. Double Fine und Compulsion Games werden wieder unabhängig und bekommen ihre IPs zurück. Ninja Theory und Undead Labs (State of Decay 3) werden entgegen früherer Annahmen nicht geschlossen, sondern an neue Eigentümer verkauft.
“Compulsion und Double Fine bleiben Indie. Ninja Theory und Undead Labs – die wurden verkauft.” – Tobi
Für Tobi ist das der einzige Lichtblick im ganzen Schrott: Statt die Marken einfach einzumotten und bis zum Sankt-Nimmerleinstag drauf zu sitzen, geben sie den Teams ihre Spiele zurück. Der Rest bleibt hässlich: ZeniMax Online rund 50 % Kürzung, Obsidian über 50 %, bei id Software fliegen ausgerechnet Coder raus (Tobis trockene Frage: “Wer macht dann euer Spiel?”), und Arkane Lyon verhandelt mit einem Betriebsrat, während die französische Regierung mitmischt. Wie hart Entlassungen ausgerechnet id Software treffen, ordnet ihr besser ein, wenn ihr unseren id-Software-Retro-Check gehört habt. Und alles, was ihr hier lest, ist keine fünf Tage alt – nehmt es also mit Vorsicht, es geistert viel durchs Netz.
⛏️ Neue Head of Games: Grüße aus dem Minecraft-Universum
Mitten im Chaos wird eine neue Xbox Head of Games installiert – Helen Chiang, die zuvor fast zwei Jahrzehnte Mojang und die Minecraft-Franchise geleitet hat. Kein Zufall: Microsoft hat angekündigt, massiv mehr in Minecraft zu investieren, weil sie sehen, wie Roblox davonzieht.
“Weil sie sehen, wie Roblox halt abgeht.” – Gordon
Gordon kann das nachvollziehen – Minecraft ist als IP brutal stark und, verglichen mit dem Merch-Wahnsinn eines Angry Birds, komplett unterrepräsentiert am Markt. Oder wie Tobi es zynisch übersetzt: nicht unterrepräsentiert, sondern schlicht “untermonetarisiert”. Der Haken: Bei einer kalifornischen Anhörung wurden private Minecraft-Server als Piraterie abgestempelt – was totaler Quatsch ist, schließlich basiert der halbe Erfolg genau darauf. Wichtige Richtigstellung zum Podcast: Das kam nicht von Mojang selbst, sondern von der Branchen-Lobbygruppe ESA. Warum Preservation und Serverfragen ein Dauerbrenner sind, haben wir schon in unserer Diskussion zur Game Preservation in KW 20 breitgetreten.
🔵 Sony killt die Disc – und baut sich eine Kackepyramide
Wechsel auf die “böse blaue Seite”. Sony hat die Gunst der Stunde genutzt, während bei Microsoft eh schon alles brannte, und einfach durchgezogen:
“Sony hat die Gunst der Stunde genutzt, weil alles sowieso schon am Brennen war, und hat einfach rausgehauen: Wir drucken ab 2028 einfach keine Disks mehr.” – Tobi
Ab 2028 keine physischen Disks mehr für neue Spiele. Gordon liefert dazu die Analyse, die dieser Folge ihren Namen gibt – und die ist so unappetitlich wie treffend:
“Das ist die Kackepyramide, die Sony sich in den letzten Jahren gebaut hat.” – Gordon
Denn es ist nicht die eine Entscheidung, es ist die Kombination. Disc-Ende plus die bereits erfolgte Abschaltung der PS3- und Vita-Stores plus verlorene Lizenzen bei digitalen Filmen und Serien, die aus euren gekauften Bibliotheken verschwinden. Sein Bild: eine Pyramide aus sehr weichem Stuhl. Tobi hat den passenden Konter parat – die “Diarrhea-Breath-Trio-Combo”. Klingt albern, trifft aber den Kern: Wer nur noch direkt beim Anbieter kauft, hat keinen Gebrauchtmarkt mehr, und Sony diktiert den Preis. Genau vor diesem Muster haben wir schon bei Sonys PC-Port-Stopp in News KW 21 gewarnt.
Dazu passt Tobis unfreiwillige Anekdote: Sein eigenes PS5-Laufwerk hat exakt ein bis zwei Tage nach der Ankündigung den Geist aufgegeben. Zehn Wochen am Stück Disks gelesen – und plötzlich Schluss. “Komisches Timing”, nennt er das. Wir nennen es das Universum mit Sinn für schwarzen Humor.
🔥 Rant der Woche: Funkstille, gesperrte Kommentare und eine Petition
Und wie kommuniziert Sony diese Bombe? Gar nicht. Fünf Tage Social-Media-Funkstille, dann der erste Post (irgendein Arcade-Controller) – mit deaktivierter Kommentarspalte. Vertrauen in die Community deluxe. Die Leute posten trotzdem wie die Hölle, und eine Change.org-Petition sammelt Unterschriften. Gordon nannte im Gespräch 170.000; die belastbareren Quellen liegen zum Stand 6.7. eher bei rund 120.000 bis 124.000. Ehrlich gesagt: Selbst das reicht kaum, wenn man es gegen die Millionen Normal-Konsumenten hält.
“Das Internet vergisst nicht.” – Gordon
Und genau da liegt der Punkt, über den sich beide einig sind: 80 bis 90 % der Leute interessiert das alles nicht. Die wollen FIFA oder Gran Turismo spielen, fertig. Betroffen sind die “lauten” 1 bis 10 % – eure Brand Ambassadors, der Kevin aus der Klasse, der sich sonst ein PlayStation-Logo auf den Arm tätowieren würde. Und genau die sind jetzt sauer. Für ein Consumer-Business ist das Gift. Unser Fazit zu diesen Xbox Entlassungen 2026 und Sonys Disc-Aus: kein Silberstreif außer den ausgegründeten Studios – und die Erkenntnis, dass digitale Accounts irgendwann einfach weg sind. Die ganze Chronik zum Nachhören findet ihr in unserer ersten Folge zur brennenden Spielebranche und in der vorherigen News-Folge KW 27.
☠️ Die Top 5 der gescheiterten Online-only- und Digital-only-Konsolen
Passend zu Sonys Disc-Beerdigung ein Blick ins Museum des Scheiterns: Immer wenn jemand die physische Wahl streicht oder den Dauer-Online-Zwang erzwingt, geht es meistens in die Hose. Die Historie ist eindeutig – und Sony sollte sie eigentlich kennen.
- 🥇 Google Stadia (2019–2023): Das reine Cloud-/Streaming-nur-online-Modell. Ankündigung des Aus am 29.09.2022, Abschaltung am 18.01.2023 – nach gut drei Jahren war Schluss. Latenz und Infrastruktur besiegten die schöne “Spielen ohne Hardware”-Vision.
- 🥈 OnLive (2010–2015): Der Cloud-Pionier vor Stadia. Immer-online-Streaming, mieser Katalog, zu hohe Bandbreiten-Ansprüche. Abgeschaltet am 30.04.2015 – Sony kaufte anschließend Patente auf. Ironie an: der Konzern, der jetzt die Disc killt.
- 🥉 Ouya (2013–2014): Kickstarter-Liebling, digital-only Android-Microkonsole für 99 Dollar. Kein physisches Portfolio, kaum Entwickler-Support, wackelige Hardware. Bereits im März 2014 galt sie faktisch als tot – gut ein Jahr nach Launch.
- 4️⃣ PSP Go (2009): Sonys erstes All-Digital-Experiment. UMD-los, nur Downloads, kein Weiterverkauf – und teurer als die reguläre PSP-3000. Analysten-Urteil: “kompletter Flop”. Nach rund zwei Jahren beerdigt, während die normale PSP über 80 Mio. Einheiten verkaufte.
- 5️⃣ Xbox One S All-Digital Edition (2019): Discless-Variante, vorgestellt am 16.04.2019 für 249 Dollar – genauso teuer wie die Disc-Version, also ohne Preisvorteil. Floppte, wurde eingestampft und ist heute Sammlerkuriosum.
Ehrenhafte Erwähnung: die Xbox One von 2013 mit ihrer 24-Stunden-Online-Check-in-DRM. Der Aufschrei nach der E3 war so heftig, dass Microsoft die Politik am 19.06.2013 komplett zurückdrehte. Die Konsole überlebte – der Online-Zwang nicht. Merkt ihr was, Sony?
💡 Wusstet ihr schon?
- 🎉 Double Fine hat die Nachricht seiner Ausgründung selbst unter dem Titel “Independence Day” gepostet. Das Studio wurde 2019 von Microsoft übernommen und ist nach sieben Jahren wieder unabhängig.
- ⛏️ Die neue Xbox Head of Games, Helen Chiang, leitete zuvor fast zwei Jahrzehnte Mojang und die Minecraft-Franchise, bevor sie im Zuge der Restrukturierung befördert wurde.
- 🏴☠️ Nicht Minecraft/Mojang, sondern die Lobbygruppe ESA erklärte bei einer kalifornischen Senatsanhörung zum “Stop Killing Games”-Gesetz private Minecraft-Server offiziell zu “Piraterie”.
Die offiziellen Originalquellen zum Nachlesen: das Xbox-Wire-Memo von CEO Asha Sharma und die offizielle PlayStation-Blog-Ankündigung zum Disc-Aus.
Viel Spaß beim Hören!
Tobi & Gordon
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